Strasse Afghanistan, Kind auf der Strasse, hinten Abzug der USA
Strasse Afghanistan, hinten Abzug der USA

Die geostrategischen Fehlentscheidungen, die Obama in seiner zweiten Amtszeit getroffen hat, haben ganz offensichtlich zur Erosion der Machtstellung der USA in der Welt beigetragen. Dazu gehören Fehlentscheidungen wie der Rückzug aus dem Irak Ende 2011, der übereilte Beinahe-Abzug aus Afghanistan, der Abschluss des “Nukleardeals“ mit der islamischen Republik Iran inklusive der damit verbundenen Ankündigung der Aufhebung der Sanktionen ohne gesicherte Kontrolle der iranischen Leistungen, die ineffiziente Luftkriegsführung gegen den Islamischen Staat und die Abwesenheit von Reaktionen auf die Putin’sche Kriegführung in Syrien. Warum gelingt es Putin, Obama laufend zu überraschen und vorzuführen? Welches sind die Ursachen für das Handeln und Entscheiden der Obama-Administration in den verschiedenen Krisen? Es gibt dafür eine einfache Erklärung! Obama ist Anwalt, was bedeutet, dass er kein strategischer Denker ist. Sein Aussenminister Kerry, der Initiant des Nukleardeals mit dem Iran, ist auch Anwalt. Beide sind, wie alle Topanwälte, ausgezeichnete Rhetoriker, aber nicht in der Lage, strategisch zu analysieren und konzeptionell zu denken.[1] Des Weiteren verfügt Obama im Gegensatz zu seiner ersten Amtszeit in seiner zweiten über keinen ausgewiesenen strategischen Berater. Offenbar war er nicht willens, einen solchen anzuheuern. Seine engsten Berater für das Management von Krisen dürften Susan Rice, Samantha Power und Vizepräsident Joe Biden sein. Sowohl die beiden Damen wie auch Joe Biden glänzen aber in der strategischen Fachliteratur durch Abwesenheit.

Angesichts der Aggressionen von Putin in Europa und in Syrien hat Obama die Wahl zwischen zwei Alternativen. Entweder ergänzt er sein Team sehr schnell durch einen ausgewiesenen Vordenker in Strategie oder es bleibt ihm nichts anderes übrig, als weiterhin durch die Aggressionen von Putin überrascht zu werden.

[1] Trofimov, Y., America’s Fading Footprint, in: The Wall Street Journal, October 12, 2015, P. A10/A11.