Die bisherigen Bombardierungen sind als eine erste Phase des Feldzuges von Putin in Syrien zu bezeichnen. In der bereits jetzt ausgelösten zweiten Phase greifen die abkommandierten Einheiten der iranischen Revolutionsgarde und ihre Hisbollah-Söldner, unterstützt durch die russischen Jagdbomber und Erdkampfflugzeuge, die Stellungen der sunnitischen Opposition gegen Assad massiv an. Dabei sind sie bestrebt, entsprechend der Taktik des sowjetischen Marschall Schukow (1896-1974) im Zweiten Weltkrieg mit dem stetigen Feuer der Artillerie und der Mehrfachraketenwerfer, die Stellungen der Sunniten vorgängig zu pulverisieren und anschliessend mit ihren Panzern Richtung Aleppo vorzustossen, mit dem Ziel, diese Stadt zu erobern. In der dritten Phase wird es für diese Koalition darum gehen, im Häuserkampf, entsprechend dem Vorbild von Stalingrad, Aleppo von jedem sunnitischen Widerstand zu säubern. Der Häuserkampf in den Ruinen von Aleppo könnte allerdings für die russische Koalition sehr verlustreich werden. In diesem Feldzug wird der Islamische Staat, da er vorderhand kein eigentlicher Gegner des Assad-Regimes ist, kein Ziel sein für die Russen und ihre iranischen und libanesischen Verbündeten sein.

Leider dürfte als Folge der russischen Bombardierungen und des Feuers der Artillerie und der Mehrfachraketenwerfer das nördliche Syrien mit seinem Kulturgut am Ende des Feldzuges verwüstet sein. So könnten dabei alte Städte wie Hama am Orontes (seit dem 5. Jt. v. Chr. besiedelt) oder die Ruinen von Ebla (seit 3500 v.Chr. nachgewiesen) zerstört werden. Diese Zerstörungen werden die Verwüstungsorgien des Islamischen Staates am Kulturgut in Palmyra und in Mossul um ein Mehrfaches übertreffen.