Mujaheddin-Ausbildung 1986 an der Panzerabwehrkanone SPG-9
Mujaheddin-Ausbildung 1986 an der Panzerabwehrkanone SPG-9

Wie im Krieg gegen die afghanischen Mujaheddin von 1979 bis 1989 setzt Russland im Feldzug gegen die syrische Opposition ein massives Feuer ein und versucht damit jeden Widerstand vor einer Bodenoffensive zu pulverisieren. Die russische Feuerüberlegenheit beruht auf dem Abwurf von Freifall- und Kanisterbomben durch Kampfflugzeuge der Typen Su-24 und Su-25, dem Raketen- und Kanonenfeuer der Kampfhelikopter Mi-24 Hind, dem kontinuierlichen Feuer der Mehrfachraketenwerfer BM-21 (Grad)[1] und BM-27 (Uragan)[2] und Kriegsschiffen im Kaspischen Meer als Abschussbasis für Marschflugkörper.[3] Vier der bisher 26 abgefeuerten Marschflugkörper sollen iranisches Gebiet getroffen und nicht in Syrien eingeschlagen haben.[4]

Bei der Opposition im Nordwesten Syriens, gegen die der unter russischer Führung stehende Kampf der verbundenen Waffe gerichtet ist, handelt es sich u.a. um die Stellungen der Jaish al-Fatah, der Armee der Eroberung[5], die nicht mit dem Islamischen Staat (IS) affiliiert ist. Die Armee der Eroberung wird offenbar durch die Türkei, Saudi-Arabien und Katar unterstützt. Die Türkei wollte zwecks Unterstützung dieser Gruppe und der Free Syrian Army eine no-fly zone als Pufferzone zur Armee von Assad errichten. Die Armee der Eroberung hat den nördlichen Teil der Provinz Hama und den südlichen Teil der Provinz Idlib erobert und bedroht von hier aus die Stadt Latakia und damit das Kerngebiet der Alawiten der Assad-Familie.

Ebenfalls hat die Armee der Eroberung ihre vorderste Verteidigungslinie um drei Dörfer im Gebiet vom Jebel al-Zawiy gegen Assads Armee errichtet. Offenbar hat sie von der CIA Panzerabwehrlenkwaffen BGM-71 TOW (Reichweite 3.750 km) erhalten. Mit diesen TOW-Lenkwaffen sollen sie bereits jetzt syrische Kampfpanzer zerstört haben. Möglicherweise ist so die syrische Offensive in diesem Gebiet zum Stillstand geraten.[6] Die russischen Kampfhelikopter Mi-24 Hind könnten bereits heute bei ihrem Angriff auf die Stellungen der Opposition, wie im Afghanistankrieg von 1979 bis 1989, durch Raketenrohre RPG-7 (Reichweite 300 m) abgeschossen werden. Sollten die Aufständischen auch noch von Saudi-Arabien wirkungsvolle Fliegerabwehrlenkwaffen des Typ Stinger erhalten, wäre die russische Luftüberlegenheit beendet und der Afghanistankrieg würde sich in seiner gesamten Bandbreite wiederholen.

Den Verlust der Luftüberlegenheit durch die russischen Kampfflugzeuge und –helikopter könnte die Opposition für einen Abnützungskampf mit Hinterhalten in den Städten und im kupierten Gelände gegen die Bodentruppen von Assad und der Hisbollah ausnützen. Dabei würden nicht nur die Truppen von Assad und der Hisbollah Verluste erleiden, sondern auch die iranischen und russischen Berater.[7] Bereits jetzt ist General Hossein Hamedani des iranischen Revolutionskorps im Kampf gegen Einheiten des Islamischen Staates im Raum Aleppo gefallen.[8] Auch der Abnützungskrieg der Mujaheddin würde sich wiederholen. Russland wäre diesmal in die syrische Falle, aus der es politisch und militärisch kein Entringen geben dürfte, geraten. Sollten die russischen Verluste gar bedeutsam werden, könnte dieses Abenteuer auch das Ende für Putins Karriere bedeuten.

[1] Feuergeschwindigkeit: 40 Raketen in 20 Sekunden, Reichweite: 20.5 km.

[2] Reichweite: 35-40 km.

[3] Institute for the Study of War, Russian Military Activity, October 1 -8, 2015.

[4] Stratfor, Iran: Teheran Refuses Comment On Claims On Tray Russian Missiles, October 9, 2015.

[5] Barnard, A., and A.E. Kramer, Russian Missiles Help Syrians Go on the Offensive, A Coordinated Assault; Strikes by Air and Sea as Assad’s Forces Hit Rebels on Ground, in: New York Times, October 8, 2015, P. A1.

[6] Barnard, A., and A.E. Kramer.

[7] Watkins, Th., and B. McManus, Pentagon chief warns of Russia casualties in Syria, Agence France-Presse, October 8, 2015.

[8] Stratfor, October 9, 2015.

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