Mit der Verlegung von Kampfflugzeugen und Bodentruppen nach Syrien ist Russland zum vierten Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit sunnitischen Jihadisten konfrontiert. Den ersten Krieg löste Russland mit der Besetzung Afghanistans im Jahr 1979 aus. Afghanistan wurde zerstört und Millionen von Afghanen wurden vertrieben. Die 40. Armee erlitt Verluste und musste ohne einen Sieg zu erreichen 1989 abziehen. Dieser Krieg wurde mit ausserordentlicher Grausamkeit geführt. Folter und Kriegsverbrechen vor allem auf russischer Seite waren an der Tagesordnung.

Mit dem Angriff auf Grosny eröffnete Russland 1994 den ersten Tschetschenienkrieg. Auch in diesem Krieg waren Kriegsverbrechen und Folter die Regel. 1996 zogen die russischen Truppen erfolglos ab. 1999 begann Putin offenbar zur Unterstützung seiner Wahl zum Präsidenten den zweiten Tschetschenienkrieg. Rücksichtslos folterten und richteten russische Truppen auch in diesem Krieg tschetschenische Gefangene hin. Offiziell erklärte 2009 der damalige russische Präsident Medwedew diesen Krieg für beendet. Nach wie vor führen aber sunnitische Tschetschenen gegen Russland einen Guerillakrieg und tschetschenische Führer werden in ihrem jeweiligen Exil von russischen Agenten ermordet.

Jetzt ist Putin mit seiner Truppenverlegung und seinen Bombardierungen in Syrien in ein echtes Wespennest gestossen. Während das Assad-Regime der schiitischen Alawiten mit Fassbomben aufständische Orte bombardiert, führen verschiedene sunnitische Gruppierungen gegen das Assad-Regime einen gnadenlosen Krieg. Zu diesen gehören sowohl die Jihadisten der al-Nusrah-Front und des Islamischen Staates (IS) als auch die durch die USA und die Türkei unterstützte Free Syrian Army. In seinem Wesen ist dieser Krieg schon seit Jahren zu einem Krieg zwischen Sunniten und Schiiten, zwischen Arabern und Persern geworden.

Insbesondere für die Tschetschenen, die auf der Seite der sunnitischen Jihadisten kämpfen, ist Putins Syrien-Einsatz die Gelegenheit, um mit den Russen abzurechnen. Anders als in Afghanistan und Tschetschenien operiert Putin mit seinen Truppen ausserhalb des russischen Machtbereichs. Die Jihadisten werden nicht nur russische Stützpunkte mit Raketen beschiessen, sondern wie in Afghanistan russische Soldaten gefangen nehmen und auf erprobte Art foltern. Auch in diesem Krieg werden die Russen den Kriegsruf des Jihad wieder hören müssen: „Allahu Akbar“!