In gekonnter KGB-Art hat Wladimir Putin insbesondere die USA über seine wahren Absichten in Syrien getäuscht. Innert 3 Wochen hat er eine wirkungsvolle Luftstreitmacht an Kampfflugzeugen und Kampfhelikopter nach Syrien verlegt. Dazu gehören Erdkampfflugzeuge Su-25 Frogfoot, Jagdbomber Su-24 Fencer, Mehrzweckkampfflugzeuge Su-30 und Kampfhelikopter Mi-24 Hind-D. Diese Streitmacht, die vor allem auf dem Flugplatz Bassel al-Assad stationiert ist, wird durch ein Fliegerabwehrsystem des Typs S-300 gegen eine allfällige Bedrohung aus der Luft geschützt. Da weder der Islamische Staat noch die al-Nusrah-Front noch die Free Syrian Army über Kampflugzeuge verfügen, kann mit dieser Bedrohung nur die unter Führung der USA im Einsatz gegen den Islamischen Staat (IS) stehende Allianz gemeint sein. Mit dem sehr wirksamen Fliegerabwehrsystem S-300 könnten die westlichen Kampfflugzeuge vor Luftangriffen gegen Assads Streitkräfte abgeschreckt werden. Gemäss verschiedenen Meldungen hat Putin weitere Kampfflugzeuge nach Syrien verlegt, so die moderneren Jagdbomber Su-34 Fullback und die Abfangjäger MiG-31 Foxhound.

Entgegen den Verlautbarungen aus Moskau werden auch die Jagdbomber Su-34 in zweiter Priorität gegen die Jihadisten des IS eingesetzt. Sie dienen, wie es auch bis jetzt der Fall war, primär der Bekämpfung der Free Syrian Army.[1] So sollen am 1. Oktober russische Kampfflugzeuge Ziele im Nordwesten Syriens angegriffen haben.[2] Der Nordwesten liegt aber nicht im Einflussbereich des Islamischen Staates.

Eine machtpolitisch eindeutige Antwort des Weissen Hauses auf den Luftkrieg von Wladimir Putin und seine gelungenen Täuschungen ist bis anhin nicht Sicht. Offenbar glaubt der US-Präsidenten als ehemaliger Anwalt wie sein Aussenminister Kerry immer noch an die Welt der Diplomatie und des Völkerrechts und damit an rhetorisch gelungene Reden auf dem internationalen Parkett.[3] Dabei verkennt er, dass er einem Putin gegenübersteht, der die harte Schule des KGB absolviert hat und der nur an Täuschungen und Machtausübung glaubt. Der Präsident hätte sich, trotz seines Widerwillens gegenüber der syrischen Tragödie, aufraffen und auf Drängen seiner militärischen Berater ein bis zwei Flugzeugträgerkampfgruppen als Drohkulisse ins östliche Mittelmeer verlegen können. Die auf diesen Trägern mitgeführten Mehrzweckkampfflugzeuge F/A-18E/F Superhornet wären für die Kampfflugzeuge Russlands zu einer echten Herausforderung geworden. Aber unter dem Deckmantel der militärischen Zusammenarbeit mit Russland in Syrien geben er und Kerry lieber den Forderungen von Putin nach.

[1] Cooper, H., Gordon, M.R., and N. MacFarquhar, Russians Strike Targets in Syria, But Not ISIS Areas, Angry U.S. Sees Air Attacks as Bid to Aid Assad – Twist in a Complex War, in: New York Times, October 1, 2015, P. A1.

[2] Syria: Russia Launches Second Wave Of Airstrikes, Stratfor, October 1, 2015.

so auch Hodge, N., Gordon, L., and M.N. Al Akraa, Russia Strikes Again In Syria, in: The Wall Street Journal, October 2, 2015, p. A1/A2.

[3] Kasparov, G., Putin Takes a Victory Lap Around Obama, in: The Wall Street Journal, October 1, 2015, p. A11.

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