Beinahe unbemerkt von der Weltöffentlichkeit und den westlichen Medien hat der russische Präsident Wladimir Putin im Mittleren Osten parallel zur Verlegung von Kampfflugzeugen und Panzern eine eigene Allianz geschmiedet. Dieser Allianz gehören neben dem Iran der Iraq, Syrien und die libanesische Hisbollah an. Diese Allianz, die offenbar auch auf einem Verbund der entsprechenden Nachrichtendienste beruht, könnte als die schiitische Allianz des Mittleren Ostens unter Führung Russlands bezeichnet werden. Mit dieser Allianz und der nach Syrien verlegten Waffen und Truppen dürfte Putin mehrere strategische Ziele verfolgen:[1]

  1. Erhaltung der russischen Stützpunkte in Syrien;
  2. Schutz des Regimes von Baschar al-Assad;
  3. Unterstützung der Kampfeinsätze der Streitkräfte Assads gegen die ihn bekämpfenden Aufständischen
  4. Abschreckung von Kampfeinsätzen der US-geführten Luftkriegskoalition gegen die Streitkräfte Assads;
  5. Errichtung einer russisch kontrollierten geopolitischen Zone im Mittleren Osten;
  6. Verdrängung der USA aus dem Mittleren Osten;
  7. machpolitische Einflussnahme auf die sunnitischen Staaten des Mittleren Ostens;
  8. Bildung einer Drohkulisse an der südlichen Flanke der NATO.

Auf dem internationalen Flugplatz Bassel al-Assad[2] an der Mittelmeerküste Syriens hat Russland für die Umsetzung dieser Ziele verschiedene Kampfflugzeuge und Helikopter stationiert:[3]

  • 12 Erdkampfflugzeuge Su-25 Frogfoot
  • 12 Jagdbomber Su-24 Fencer
  • 4 Mehrzweckkampfflugzeuge Su-30 Flanker
  • 16 Kampfhelikopter Mi-24 Hind und Transporthelikopter Mi-17 Hip
  • Marinehelikopter Ka-27/28

Dank diesen Mitteln kann Putin nun ein weites Spektrum eines Luftkriegs abdecken. Die Vorbilder für seinen Luftkrieg dürften die Einsätze der sowjetischen Luftstreitkräfte in Afghanistan von 1979 bis 1989, der Krieg gegen Georgien 2008 und der hybride Krieg in der Ost-Ukraine seit 2014 sein.

Mit den Erdkampfflugzeugen Su-25, die eine ähnliche Einsatz- und Kampffähigkeit wie die amerikanischen A-10C Thunderbolt II aufweisen, werden die Russen zugunsten der Bodentruppen Assads und seiner Verbündeten, der libanesischen Hisbollah, Gefechtsfeldunterstützung (CAS, Close Air Support) leisten können. Die schwerbewaffneten Kampfhelikopter Mi-24 können sowohl für die Gefechtsfeldunterstützung wie auch für die Verlegung und den Einsatz von russischen Spetznaz-Einheiten zur Liquidierung gegnerischer Kommandanten eingesetzt werden.

Mit den Jagdbombern Su-24 können Interdiktionseinsätze durchgeführt werden und mit den Mehrzweckkampfflugzeugen Su-30 könnte Russland den Begleitschutz für die syrischen Kampfflugzeuge bei ihren Abwürfen von Fassbomben leisten.

Diese Kampfflugzeuge und Kampfhelikopter wird Putin vor allem zugunsten der Kriegführung von Assad einsetzen. Das Hauptziel dieser Einsätze wird die Bekämpfung der Aufständischen in der für Assad wichtigen Stadt Aleppo im Nordwesten Syriens sein. Erst in zweiter Priorität dürfte die russische Luftstreitmacht auch die Jihadisten des Islamischen Staates bekämpfen. Sowohl die Gefechtsfeldunterstützung als auch die Interdiktionseinsätze werden wie in Afghanistan indiskriminierend gegen die Hauptgegner Assads, die konservativen Sunniten, erfolgen. Diese indiskriminierenden Luftangriffe mit Fassbomben werden weitere Fluchtbewegungen der Sunniten nach Europa auslösen.

Sollten die Su-25 und Mi-25 auf andere Stützpunkte als Bassel al-Assad verlegt werden, z.B. nach Damaskus oder Der-es-Zor, dann könnten diese russischen Luftstreitkräfte auch für die Nachbarstaaten Türkei und Jordanien und für die US-Streitkräfte im Irak zu einer Herausforderung werden. Dies trifft für die 12 Kampfflugzeuge Su-24 und die 4 Kampfflugzeuge Su-30 bereits jetzt zu. Durch deren Einsatzreichweite deckt Russland bereits heute das gesamte östliche Mittelmeer ab. Insbesondere die Kampfflugzeuge Su-30 könnten für die Luftstreitkräfte der NATO zu einer Herausforderung werden.

Mit der Stationierung seiner Kampfflugzeuge und Helikopter fordert Putin den US-präsidenten Obama geopolitisch direkt heraus. Diese Herausforderung zielt im Endergebnis auf die Verdrängung der USA aus dem Mittleren Osten ab.

[1] Williams, C.J., With Syria, Putin builds himself a win-win scenario, in: Los Angeles Times, September 26, 2015.

so auch: Putin ushers in a New Era of Global Geopolitics, Institute for the Study of War, September 27, 2015,

  1. 1.

[2] Explaining Russia’s true Presence in Syria, Stratfor, September 25, 2015, p. 3.

[3] Bennett, B., and W.J. Hennigan, U.S. intelligence: Russia will launch attacks in Syria, in: Los Angeles Times Online, September 25, 2015.

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