Su-24MR Fencer mit Bomben, Lenkwaffen und Raketen
Su-24MR Fencer mit Bomben, Lenkwaffen und Raketen

Seit dem Beginn des zweiten Tschetschenienkrieges 1999 ist Wladimir Putin mit der Führung von Kriegen vertraut. Es folgten 2008 der Einmarsch nach Georgien und die Führung des Hybriden Krieges in der Ostukraine 2014. Die russische Kriegsführung war jeweils durch den massiven Einsatz von Eliteeinheiten, Panzern, Mehrfachraketenwerfern und Erdkampfflugzeugen bestimmt. Putin schuf mit seiner Kriegsführung immer wieder Fakten. Seit 2008 ist Georgien nach einem kurzen Krieg geteilt und Moskau hat zwei Republiken als unabhängig deklariert: Süd-Ossetien und Abchasien. Am 16. April 2009 erklärte der damalige russische Präsidenten Dmitri Medwedew mit dem offiziellen Abzug der russischen Truppen den Tschetschenienkrieg als beendet. Seither herrscht Präsident Ramsan Kadyrow mit absoluter Gewalt über diese Republik. Trotz dem unter Vermittlung der deutschen Bundeskanzlerin Merkel und dem französischen Präsidenten Hollande zustande gekommenen Waffenstillstand von Minsk II hat Kiew die vollständige Kontrolle über die abtrünnigen Gebiete in der Ost-Ukraine verloren.

Jetzt errichtet Putin in Syrien neue russische Militärstützpunkte und verlegt Kampfflugzeuge der Typen Su-30, Su-25 und Su-24 dorthin. Gleichzeitig gelangen Kampfpanzer T-90 und Mehrfachraketenwerfer Grad (122 mm, Reichweite 20.5 km) nach Syrien. Das Ziel dieser Verlegung von Waffen und Truppen dürfte die Erhaltung des Regimes von Assad und die Kontrolle eines Teiles von Syrien, das von Damaskus bis Aleppo reicht, sein. Der Nordwesten dieses Territoriums wird von der Assad treu ergebenen Religionsgemeinschaft der Alawiten bewohnt. Damit dürfte auch hier Putin eine Teilung des Landes in Kauf nehmen und die Wüste als Niemandsland den Sunniten und Jihadisten überlassen wollen. Vermutlich werden die Sunniten aus dem durch Assad kontrollierten Kerngebiet Syriens vertrieben werden.

Militärisch dürfte Putin für die Zerschlagung der Angriffe der Jihadisten des Islamischen Staates und der al-Nusrah-Front auf das Kerngebiet die Errichtung einer Feuerlinie befohlen haben. Durch die verbundene Kampfführung von Eliteeinheiten, Panzerverbänden, Mehrfachraketenwerfern und Kampfflugzeugen könnten massive Schläge gegen die angreifenden Jihadisten geführt werden. Im Wirkungsbereich dieses massiven Feuers dürften deren Angriffe zusammenbrechen.

Um die Folgen der russischen Kriegsführung zu erahnen, sei an Afghanistan von 1979 bis 1989 erinnert. Sie dürfte zur Vertreibung von noch mehr Sunniten führen und damit den Strom der Völkerwanderung sunnitischer Flüchtlingen nach Europa noch mehr ansteigen lassen. Dieser ungebremste Zustrom wird die Infrastruktur des Halbkontinents in hohem Masse belasten.

Die von Putin vorbereitete Kriegsführung in Syrien steht der chirurgisch-zögerlichen des US-Präsidenten Obama im Irak und in Syrien gegenüber. Dessen weltfremde Art der Luftkriegsführung blieb gegen den Islamischen Staat bis anhin beinahe wirkungslos. Der Gegensatz zwischen Putins realer Kriegsführung und der virtuellen eines schwachen US-Präsidenten ist offensichtlich.

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