IMG_3865Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird der Krieg im Jemen durch zwei Parteien bestimmt. Auf der einen Seite stehen die Houthi, die den Fünfer-Schiiten der Zaiditen[1] angehören, und ihr Verbündeter Ali Abdullah Salih, gestürzter Präsident Jemens, mit Resten seiner ehemaligen Armee. Mit dem Ziel, ganz Jemen unter ihre Herrschaft zu bringen, haben die Kampftruppen der Houthi und ihre Verbündeten grosse Teile des Jemen erobert und sind bis zu Hafenstadt Aden vorgestossen. Aus Aden sind sie nun durch eine Militärallianz unter saudischer Führung vertrieben worden. Diese Militärallianz besteht aus Kampftruppen der Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Kuwait, Katar, Jordanien, Sudan, Marokko und jetzt Ägypten und Senegal sowie Teilen der jemenitischen Armee und Stammeskriegern, die dem nach Saudi-Arabien geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi loyal geblieben sind.

Neben diesem eigentlichen Krieg kämpfen Separatisten, die für die Neubildung Südjemens einstehen und Jihadisten des Islamischen Staates und Al-Kaida sowohl gegen die Houthi wie auch gegen die Militärallianz.

Wer sind aber die eigentlichen Drahtzieher hinter diesem Krieg? Gemäss offiziellen Verlautbarungen des geistigen Führers des Irans, Ayatollah Khamenei, unterstützt die Islamische Republik Iran als schiitischer Staat ihre entfernten Glaubensbrüder, die Houthi, aus religiösen Motiven mit Waffenlieferungen und Beratung. Die Saudis ihrerseits wollen die Machtergreifung durch die schiitischen Houthi im Jemen und damit an ihrer Südflanke verhindern und haben deshalb eine Militärallianz aus den erwähnten sunnitischen Staaten zusammengeführt. Zur Unterstützung der Operation ihrer Militärallianz setzen sie ihre Luftstreitkräfte gegen die Stellungen und Truppen der Houthi ein. Der Einsatz der saudischen Kampfflugzeuge erfolgt allerdings ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung im Jemen. Diese Bombardierungen gleichen demnach eher einem gezielten Massaker an den schiitischen Houthi als einer militärisch durchdachten Operation. Betreibt Saudi-Arabien unter dem Deckmantel einer militärischen Operation gar einen Genozid gegen unliebsame Andersgläubige?

Die eigentlichen Motive des Irans und Saudi-Arabiens für die militärische Unterstützung ihrer Klientel in Jemen dürften aber vor allem in der Geopolitik liegen. Aufgrund der geographischen Lage kontrolliert der Jemen den seestrategischen Chokepoint Bab al Mandab. Dieser Chokepoint ist das Nadelöhr für die Schifffahrt durch den Suezkanal. Wegen dieser seestrategischen Bedeutung leisten auch die Seemacht USA und ihre Alliierten Frankreich und Grossbritannien logistische Unterstützung zugunsten der Operation der Saudis, obwohl diese eher einem Genozid gleicht, als einer durch militärische Ziele bestimmten Aktion.

[1] Fischer, R., Der Islam, Glaube und Gesellschaftssystem im Wandel der Zeiten, Eine Einführung, Edition Piscator, Oberdorf, 1992, S. 47.

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