B-1BUrsprünglich hatte das Pentagon Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts die schweren Schwenkflügelbomber B-1A als Ersatz für die alten B-52-Bomber konzipiert.[1] 244 B-1A sollten ursprünglich gebaut werden.[2] Der Erstflug erfolgte am 23. Dezember 1974. Angesichts der technischen Schwierigkeiten, die die Entwicklung eines grossen Schwenkflügelbombers mit Überschallfähigkeit bereitete, wurde bereits 1975 über Alternativen zum B-1A nachgedacht. Obwohl viele Tests mit den B-1A-Prototypen erfolgreich waren, beschloss am 30. Juni 1977 der damalige Präsident Carter die Sistierung der Produktion der neuen Bomber.[3] Die Weiterentwicklung wurde allerdings fortgesetzt und führte im Endergebnis zum Langstreckenbomber B-1B, der mit zusätzlichem Treibstoff, einer grösseren Nutzlast an nuklearen Freifallbomben und Marschflugkörpern und dank Stealth-Anstrich im Tiefflug (im hohen Unterschallbereich) Ziele in der UdSSR bombardieren sollte.

Als Folge der zunehmenden Spannungen mit der Sowjetunion nach deren Afghanistan-Einmarsch im Dezember 1979 beschloss die Administration von Ronald Reagan im Oktober 1981 100 B-1B zu beschaffen.[4] Am 20. Januar 1982 unterzeichnete Ronald Reagan zwei Verträge für die Produktion der 100 B-1B. Gegenüber dem ursprünglichen B-1A sollten Treibstoffkapazität um ca. 11 Tonnen und Waffenzuladung um ca. 23 Tonnen erhöht werden. Nach verschiedenen Erprobungen wurden die ersten acht B-1B zu Beginn 1986 an das Strategic Air Command (SAC) ausgeliefert. Am 2. Mai 1988 folgte die Lieferung der letzten geplanten B-1B.[5] Zum damaligen Zeitpunkt waren die B-1B bis zur Produktionsaufnahme des Stealth-Bombers B-2A Spirit eine Art Zwischenlösung. Nachdem die Administration von Bush sen. die zu produzierende Anzahl der B-2A auf 21 eingeschränkt hatte, blieb die Bedeutung der B-1B-Flotte als Rückgrat der Langstreckenbomberflotte der USA erhalten.

Parallel zur Umorganisation der nuklearstrategischen Waffen wurde die aktive B-1B-Flotte schrittweise umorganisiert. Seit dem START-Vertrag mit Russland sind die B-1B-Bomber Lancer keine nuklearen Waffenträger mehr und dürfen nur noch mit konventionellen Waffen bestückt werden. Auch die Verwendung der sechs externen Aufhänger ist nicht mehr erlaubt. Die drei internen Waffenschächte im Rumpf, ausgerüstet mit konventionellen Abwurfsystemen oder Revolvermagazinen[6], weisen eine Waffenkapazität von insgesamt 34 Tonnen auf. Je nach Einsatzkonfiguration können die einzelnen Waffenschächte mit je Freifallbomben oder präzisionsgelenkten Bomben oder Lenkwaffen mit konventionellen Gefechtsköpfen aufmunitioniert werden[7]:

  • 28 MK-82-Freifallbomben mit je einer Sprengkraft von 227 kg
  • 30 herkömmliche oder 30 WCMD-Clusterbomben (Wind Corrected Munitions Dispenser)
  • 12 MK-65-Seeminen
  • 24 Joint Direct Attack Munitions (JDAMs), GPS-gelenkte Bomben mit einer Sprengkraft von bis zu 408 kg
  • 24 GBU-27-Paveway- oder 12 AGM-154-Joint-Standoff-Waepons (JSOWs), Gleitbomben
  • 24 Flugkörper AGM-158 JASSM

Seit 1995 ist der Bestand der Flotte reduziert worden. Nach dem Einmotten oder der Verwendung von B-1B als Ersatzteillager dürften heute noch 65 Maschinen einsatzfähig sein.

Wegen der umfangreichen Waffenzuladung und der Einsatzdauer von bis zu 10 Stunden dank Luftbetankung[8] wird die B-1B-Flotte seit 25 Jahren für die Gefechtsfeldunterstützung der Bodentruppen der USA und ihrer Alliierten ununterbrochen in verschiedenen Kriegen eingesetzt. In dieser Einsatzrolle sind die B-1B sehr gefragt. Zu den bisherigen Einsätzen gehörten die Operation Desert Fox von 1998 gegen den Irak, 1999 die Operation Allied Force gegen Serbien, ab 2001 die Operation Enduring Freedom gegen die Taliban in Afghanistan, ab 2003 die Operation Iraqi Freedom  zuerst gegen die Armee von Saddam Hussein, später gegen die sunnitischen Aufständischen im Irak und im März 2011 die Operation Odyssee Dawn gegen Gaddafi.

Seit dem 23. September 2014 setzen die USA die B-1B-Flotte gegen den Islamischen Staat in Syrien und im Irak (Operation Inherent Resolve) ein. Für die Unterstützung der syrischen und irakischen Kurden bei der Rückeroberung der syrischen Stadt Kobane sind B-1B des 9th Bomb Squadron, stationiert in Dyess Air Force Base in Texas, befohlen worden.[9] Gegen die gegnerischen Stellungen sowie gegen die durch die Jihadisten des Islamischen Staates eingenommenen Häuser und Brücken in und bei Kobane haben diese Bomber während 5 Monaten 660 Bomben abgeworfen. Auch Motorradfahrer wurden bombardiert. Gemäss amerikanischen Angaben sollen durch diese Bombardierungen 1000 Jihadisten des IS getötet worden sein. Die während Tagen und Nächten andauernden Bombardierungen haben im Endergebnis zum Rückzug des Islamischen Staates aus Kobane geführt. Die zahlenmässig abnehmenden Einsätze über Afghanistan ermöglichen den USA die Intensivierung der Bombardierungen der Stellungen und der Infrastruktur des Islamischen Staates in Syrien und im Irak durch B-1B, die auf dem Stützpunkt Al Udeid Air Base in Katar stationiert sind.[10]

Diese B-1B-Einsätze sind ein Teil der vom August 2014 bis Juni 2015 erfolgten 11‘045 Bomben- und Lenkwaffenabwürfe durch Kampfflugzeuge der US Air Force in der Operation Inherent Resolve über Stellungen von Jihadisten im Irak und in Syrien.[11]
Die B-1B-Einsätze der vergangenen 25 Jahre stellen im Prinzip eine Fortsetzung der strategischen Bombardierungen durch die USA im letzten Jahrhundert dar. So warfen die amerikanischen Bomber der Typen B-17, B-25, Mitchell, B-24 und Liberator über die Gebiete in Europa, die vom Dritten Reich beherrscht wurden, von 1942 bis 1945 1‘463‘423 Tonnen an Bomben ab.[12] Zu erwähnen sind auch die Bombardierungen Japans durch amerikanische B-29-Bomber. Dieser Bombertyp wurde auch im Koreakrieg von 1950-53 für die Zerstörung der Strassen- und Eisenbahnbrücken in Nordkorea eingesetzt.[13] Zu erwähnen sind abschliessend auch die Bombardierungen, die die amerikanischen Langstreckenbomber B-52 im Vietnamkrieg von 1964-73 vorgenommen haben. Auf Anordnung von Kissinger warfen in der Operation Linebacker II, die vom 18. bis 29. Dezember 1972 dauerte, 200 B-52 in 729 Einsätzen 15‘000 Tonnen Bomben über Hanoi und Haiphong ab.[14] Vermutlich als Ergebnis dieser Bombardierungen wurde am 23. Januar 1973 in Paris ein Abkommen unterzeichnet, das den USA den Abzug aus Vietnam ermöglichte.

Auch in zukünftigen Kriegen werden Grossmächte für das Niederringen ihrer Gegner Langstreckenbomber einsetzen.

[1] Logan, D., Rockwell B-1B, SAC’s last Bomber, Schiffer Military/Aviation History, Atglen, PA, 1995, p. 13.

[2] Logan, D., p. 16.

[3] Logan, D., p. 27.

[4] Logan, D., p. 31.

[5] Logan, D., p. 33.

[6] Logan, D., p. 111.

[7] Logan, D., p. 109.

[8] Everstine, B., Inside the B-1 crew that pounded ISIS with 1‘800 bombs, in: airforcetimes, August 23, 2015.

[9] Everstine, B.

[10] Everstine, B.

[11] Combined Forces Air Component Commander, 2010-2015 Airpower Statistics, AFCENT (CAOC) Public Affairs, 30 June 2015.

[12] Stahel, A. A., Luftverteidigung – Strategie und Wirklichkeit, mit einem Vorwort von Kaspar Villiger, Strategische Studien Band 4, vdf, Verlag der Fachvereine, Zürich, 1993, S. 56.

[13] Stahel, A.A., S. 59.

[14] Stahel, A.A., S. 60.