Ananias-Kapelle in Damaskus aus dem 1. JahrhundertNoch vor der Eroberung durch die Araber im 7. Jahrhundert stellten die Christen im Gebiet des heutigen Iraks und Syriens die Mehrheitsbevölkerung dar. Das Aramäische war die damalige Hauptsprache. Schrittweise wurde das Aramäische durch das Arabische verdrängt. Bis auf den heutigen Tag ist das Aramäische die Kirchensprache einzelner christlicher Kirchen im Irak und in Syrien geblieben. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sollen im Irak noch folgende Kirchen existieren:

das Patriachat von Babylon der Chaldäisch-Katholischen Kirche

die Assyrische Kirche des Ostens (Nestorianer) in Bagdad, Dihok, Kirkuk, Mosul

die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien (Jakobiten)

die mit Rom unierte  Syrisch-Katholische Kirche in Bagdad und Mosul

die Armenisch-Apostolische Kirche in Bagdad

die mit Rom unierte  Armenisch-Katholische Kirche in Bagdad

Im Verlaufe der Jahrhunderte waren die Christen im Irak immer wieder Verfolgungen ausgesetzt, so auch nach dem Ersten Weltkrieg. Vor der US-geführten Invasion von 2003 wurde die Zahl der irakischen Christen auf mehrere Millionen geschätzt. Seither hat eine gezielte Vertreibung der Christen infolge des Bürgerkrieges zwischen Schiiten und Sunniten stattgefunden. Nach der Gründung des Islamischen Staates (IS) 2008/9 haben Vertreibungen und Massaker an irakischen Priestern und Christen durch die IS-Jihadisten noch zugenommen. Heute dürfte die Gemeinschaft der katholischen Christen im Irak nicht mehr als 100‘000 Menschen betragen. Von 2003 bis 2009 flohen die meisten irakischen Christen nach Syrien und Jordanien. Seit 2011 bietet auch Syrien keinen sicheren Zufluchtsort mehr.

Auch das Christentum in Syrien wies bis vor kurzem eine uralte Tradition auf, ist doch das Christentum in Syrien durch die Missionstätigkeit von Paulus begründet worden. Das Baath-Regime der Assads und die syrische Verfassung garantieren bis heute Religionsfreiheit und damit auch den Schutz der Christen. Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges 2011 waren ca. 10% der Syrer Christen. Sie gehörten verschiedenen Religionsgemeinschaften an:

der Syrisch-Orthodoxen Kirche  (Jakobiten)

der Griechisch-Orthodoxen Kirche

der Maronitisch-Syrischen Kirche

der Melkitisch Griechisch-Katholischen Kirche

der Assyrischen Kirche des Ostens (Nestorianer)

der Armenisch-Apostolischen Kirche

der Syrisch-Katholischen Kirche

Seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges werden die Christen in Syrien zunehmend Ziele von Angriffen, Entführungen und Anschlägen durch den Islamischen Staat und andere Jihadisten-Gruppierungen, wie die mit Al-Kaida affiliierte al-Nusrah-Front. Obwohl die Regime-Change-Politik eines Wolfowitz unter George Bush jr. oder einer Susanne Rice und einer Semantha Power unter Barack Obama für die Beseitigung des Regimes von Saddam Hussein und den Kampf gegen Assad verantwortlich ist, zeigen insbesondere die USA und Grossbritannien den flüchtenden Christen aus dem Mittleren Osten durch das Erzwingen von Visa-Anträgen für die Einreise die kalte Schulter.[1] Diese offizielle Politik der USA und Grossbritanniens muss angesichts ihrer Verantwortung für die Vernichtung des Christentums im Orient durch Jihadisten[2] als reiner Zynismus bezeichnet werden.

[1] Reilly, R.R., Exterminating Christians in the Middle East, in: The Wall Street Journal, August 24, 2015, p. 13.

[2] Ballout, D., Islamic State Destroys 5th Century Monastery, in: The Wall Street Journal, August 24, 2015, p. 8.

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