EU DeutschlandDie Staatenwelt Europas und damit auch die Gesellschaften und Volkswirtschaften dieser Staaten sind während 100 Jahren zweimal durch Kriege zerstört worden. Im Ersten Weltkrieg wurden in den Hekatomben der Schützengräben in Frankreich und Belgien durch eine sinnlose Kriegführung und Gaseinsätze Millionen von jungen Menschen massakriert und damit eine ganze Generation ausgelöscht. Nach dem Ende dieses Krieges brachen Imperien zusammen, so die Donaumonarchie und das Zarenreich. In Russland folgte ein mehrjähriger Bürgerkrieg. Am Ende rissen die Bolschewiken die Macht an sich. Es folgte die brutale Diktatur von Josef Stalin mit Millionen Toten. Diese Zusammenbrüche von Staaten und ruinierten Volkswirtschaften mit dem Sturz von Millionen Menschen in die Armut, ebneten dem Faschismus und Nationalsozialismus den Weg zur Macht. Jener Staat, der vor allem zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges und der folgenden Ereignisse beigetragen hatte, war das Deutsche Kaiserreich, das in anmassender Selbstüberschätzung dem Nachbarn Frankreich den Krieg erklärt und mit dem Plan des deutschen Generalfeldmarschalls Schlieffen angegriffen hatte.

Die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges waren noch grausamer. Nicht nur wurden Staaten und deren Volkswirtschaften vernichtet, es wurden Millionen von Juden und Kriegsgefangenen in den deutschen Konzentrationslagern ausgelöscht. Nach diesem Weltkrieg beherrschte Stalin mit seinen Divisionen den mittleren und östlichen Teil von Europa. Ganze Staaten und deren Bevölkerungen wurden durch die Knechtschaft in den Sowjetkommunismus d. h. in eine Zwangsherrschaft getrieben, die während Jahrzehnten dauerte. Für die Auslösung dieses Krieges und seiner Vernichtungsorgien war eindeutig das Dritte Reich mit dem Überfall auf Polen verantwortlich.

Nach dem Ende des Kalten Krieges 1991 konnten die osteuropäischen Staaten die Knechtschaft der UdSSR abschütteln. Nach und nach traten sie in der Hoffnung auf eine sichere und prosperierende Zukunft der EU und der NATO bei. Die südeuropäischen Staaten erhofften sich durch die Aufnahme von Krediten ein Wachstum ihrer Volkswirtschaften. Der Ausbruch der Finanzkrise von 2008 zerstörte diese Hoffnungen. Bei der Sanierung der notleidenden Volkswirtschaften zeichneten sich zwei Lösungsstrategien ab. Während die USA ihr Finanzsystem und die notleidende Autoindustrie durch Milliardenspritzen wieder zu einem bescheidenen Wachstum verhalfen, popagierte Deutschland eine Finanzpolitik des ausgeglichenen Haushaltes und damit des rigorosen Sparens. Deutschland versuchte den übrigen Staaten des Euroraums diese Sparpolitik aufzuzwingen. Während der für Deutschland politisch wichtige Partner Frankreich sich diesen Forderungen weitgehend entziehen konnte, gelang es Berlin seine Politik vor allem den südeuropäischen Staaten aufzuzwingen. Portugal, Spanien und Italien fügten sich den deutschen Forderungen. Gleichzeitig löste diese Politik vor allem in Spanien eine anti-deutsche Bewegung aus, die immer stärker wird und nach den nächsten Wahlen die politische Richtung des Landes bestimmen dürfte. In Griechenland selbst bewirkte die deutsche Politik im Endergebnis ein Fiasko, die zur Machtübernahme von Alexis Tsipras führte. In den Verhandlungen mit der Regierung von Tsipras versuchten die Finanzminister der Eurostaaten unter Führung des deutschen Finanzministers Schäuble den Griechen weiterhin die Doktrin des Sparens aufzuzwingen. Mit dem Referendum vom 5. Juli lehnte die Mehrheit der stimmenden Griechinnen und Griechen die von Deutschland aufgezwungene Sparpolitik ab. Während Schäuble in Verkennung der geopolitischen Bedeutung von Griechenland das Land aus dem Euro hinauswerfen möchte, will insbesondere Frankreich unter Präsident Hollande Griechenland in der Eurozone behalten. Die Bundeskanzlerin Merkel ist zwischen der Realpolitik der Franzosen und den Emotionen ihres Finanzministers und ihrer Wählerschaft eingeklemmt. Sollte sie aus wahltaktischem Opportunismus dem letzteren folgen, dann könnte das Hinausdrängen der Griechen ein Signal für das Auseinanderbrechen der EU und der Eurozone sein. Europa würde zum dritten Mal zerstört werden. Die Ursache wäre dieses Mal die Finanzpolitik, die Deutschland ohne Rücksicht und in Verkennung der geopolitischen Lage den kleineren EU-Staaten aufgezwungen hätte. Keine Bevölkerung, die noch über ein Quantum Stolz verfügt, ist in der Gegenwart bereit, sich der Machtpolitik einer Grossmacht zu fügen und sich mit dem Status einer Kolonie zu begnügen.

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