Der Islamische Staat vertritt gegenüber den Gläubigen seiner Gebiete die strengste Ausrichtung im Islam, die es gibt – den Salafismus. Es ist dies der Islam, wie er kurz nach dem Tode des Propheten gelebt wurde oder hätte ausgeübt werden sollen. Das tägliche Leben hat sich im Salafismus nach der Scharia auszurichten. Vergehen werden mit brutalen Strafmassnahmen geahndet, wie zum Beispiel die Amputationen von Gliedern. Die Religionspolizei sorgt dafür, dass die Scharia befolgt wird. Diese gesellschaftlichen Vorschriften und Strafen der Scharia gelten auch in Saudi-Arabien. In seinem Wesen folgt der Salafismus dem Ruf des Muezzin vom Minarett zum Gebet: Allahu-Akbar!

Die Gesetze der Scharia und die Vorschriften des Salafismus sind wohl als streng zu beurteilen, aber jede Religionsgemeinschaft hat ihre eigenen Regeln und die Gläubigen leben diese aus. Kritik ist dann angebracht, wenn diese Vorschriften die Rechte anderer Religionen einschränken, wie das der Islamische Staat tut. In den eroberten Gebieten werden Christen, Schiiten und Yeziden zur Konversion oder zur Flucht gezwungen. Ihre Frauen werden vergewaltigt und als Sex-Sklavinnen verkauft; ihre Kinder werden mittels Gehirnwäsche zu gläubigen Mitkämpfern umerzogen. Gefangene Soldaten des Gegners werden hingerichtet. Gleiches gilt auch für gefangene Zivilisten. Diese Brutalität wird mit dem Islam begründet. Im Koran und in den Hadithen sind aber keine derartigen Vorschriften zu finden. Erklärungen für derartige Brutalitäten sind anderswo zu suchen.

Die totale Vernichtung der Feinde könnte am Ende auch zur Vernichtung des Islamischen Staates selbst und seiner Anhängerschaft durch die Feinde führen, so durch die Armee von Bagdad, die schiitischen Milizen und die Peschmerga. Diese wechselseitige Vernichtung würde einer Apokalypse gleichen. Es besteht die Möglichkeit, dass diese Apokalypse von der Führung des Islamischen Staates angestrebt wird.[1] Mit der Apokalypse würde der Mahdi erscheinen und die Welt erlösen. Apokalypse und Heilsbringer existieren auch in anderen Religionen, so auch im frühen Christentum. Am Ende kommt der Messias und erlöst die Welt vom Bösen. Die Zoroastrier[2] gelten als die Begründer der Dualismus von Gut und Böse. Im Gegensatz zu den alten Religionen des Orients will der Islamische Staat die Apokalypse durch brutale Kriegführung und Unmenschlichkeit in den eroberten Gebieten jetzt erzwingen, denn es gilt jetzt die Welt zu erlösen.

[1] Fromson, J. and St. Simon, ISIS: the Dubious Paradise of Apocalypse Now, in: Survival, The International Institute for Strategic Studies, June-July 2015, p. 7-56.

[2] Zoroastrismus war Staatsreligion des alten Persien zur Zeit der Achämeniden und Sassaniden.