USA und Russland.001Zum gegenwärtigen Zeitpunkt werden an verschiedenen Orten der Welt zahlreiche Kriege ausgetragen. Im näheren Umfeld Europas gehören dazu die Kriege in der Ost-Ukraine, in Syrien, im Irak, in Jemen und Libyen. In einigen dieser Kriege wirken die beiden Grossmächte Russland und USA direkt oder indirekt mit. Diese Mitwirkung ist aber zwischen ihnen selten symmetrisch. Ein Beispiel dafür ist der Krieg in der Ost-Ukraine. Während die USA die Regierung von Kiew bisher lediglich mit militärischen Ausbildern und Hummwees unterstützen, liefert Russland moderne Panzer und Panzerhaubitzen an die Separatisten und ist offenbar mit eigentlichen Kampfverbänden an diesem Krieg beteiligt. Gleichzeitig versucht Moskau durch Beinahe-Luftraumverletzungen mit Kampfflugzeugen und Manövern mit Kriegsschiffen die europäischen Staaten einzuschüchtern und zur Anerkennung der Lage im Osten der Ukraine zu nötigen. Diese Drohungen werden durch eine intensive Propagandamaschinerie begleitet und unterstützt. Die europäischen Medien werden dabei zielgerichtet durch Informationen russisch kontrollierter Agenturen beliefert. Diese Informationen erweisen sich bei näherem Hinsehen als eine geschickte Kombination von Wahrheiten und Lügen. In solchen Informationen wird Deutschland neuerdings als „failed state“ bezeichnet. Diese Kombination von Lügen, Waffenlieferungen, Einsatz von russischen Einheiten, Drohungen und psychologischer Kriegsführung wird in Fachkreisen als Hybride Kriegführung bezeichnet.

Eine andere Politik verfolgen die beiden Mächte im Mittleren Osten. Während Washington aus geopolitischen Gründen seinen Einsatz im Persischen Golf durch einen Vertrag mit Teheran über den Stopp der nuklearen Aufrüstung verringern möchte, versucht Moskau die Ziele der Amerikaner durch die Lieferungen weitreichender Boden-Luft-Lenkwaffen S-300 indirekt zu torpedieren – offenbar in der Absicht, dass der US-Kongress angesichts dieses wirkungsvollen Abwehrsystems am Ende die Ratifizierung des Vertrages mit dem Iran ablehnen könnte. Während die USA ihre Präsenz im Persischen Golf langfristig reduzieren möchten, strebt Moskau offensichtlich das Gegenteil an. Auch in der Zukunft sollen die USA weiterhin im Golf militärisch präsent sein und dadurch wie im letzten Jahrzehnt ihre Kräfte verzetteln.

Etwas anders gestaltet sich die Lage im Irak. Während die USA die irakische Armee durch Berater unterstützen und durch einen Luftkrieg den Islamischen Staat niederringen wollen, beschränkt sich Russland auf die Lieferung einiger alter Erdkampfflugzeuge des Typs Su-25 an die irakische Luftwaffe. Die Öffentlichkeit in Europa glaubt dabei eine Übereinstimmung des Vorgehens beider Grossmächte bei der Bekämpfung des Islamischen Staates zu erkennen, in Tat und Wahrheit herrscht ein ungleicher Einsatz. Die USA führen mit ihren Alliierten einen immer intensiver werdenden Luftkrieg, Moskau dagegen begnügt sich mit der Lieferung ein paar alter Su-25-Kampfflugzeuge an Bagdad. Moskau kann aber gleichzeitig seine Lieferungen in Bagdad besser vermarkten als die USA ihren Luftkrieg, obwohl ohne die Unterstützung aus der Luft die irakische Armee gegenüber einer weiteren Offensive des Islamischen Staates zusammenbrechen würde.

Die durch die USA und Russland in diesen Konflikten und Kriegen verfolgte Politik ist sehr unterschiedlich und damit asymmetrisch. So setzt Russland im Krieg um die Ukraine die Hybride Kriegführung ein, die eine Kombination von Nötigungen, Drohungen, Propaganda und indirektem militärischen Einsatz ist. Washington dagegen begnügt sich mit Lieferungen nichtmilitärischer Mittel an Kiew. Gleichzeitig versinken die USA im Irak zunehmend im Sumpf eines immer grösser werdenden Krieges zwischen Schiiten und Sunniten, zwischen Arabern und Persern.

In den nächsten Jahren dürfte die Mitwirkung Russlands und der USA in diesen zunehmend unübersichtlich werdenden Kriegen aufgrund ihrer geopolitischen Rivalität immer intensiver werden. Die nördliche Hemisphäre der Welt könnte sich sehr bald zu einem riesigen Kriegstheater entwickeln, das an den Dreissigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 erinnert. Eine solche Entwicklung würde in den betroffenen Staaten zu gewaltigen Verwüstungen führen.

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