A-10CThunderbolt IIHin und wieder berichten die Medien über den Luftkrieg der USA und ihrer Alliierten gegen den Islamischen Staat. Mit welchen Mitteln aber dieser Luftkrieg geführt wird, bleibt unerwähnt. Vor ein paar Tagen erschien in der Detroit Free Press ein Artikel mit der Überschrift „Selfridge airmen, planes deployed to fight Islamic State.“ Darin wird berichtet, dass für die nächsten sechs Monate 12 Erdkampfflugzeuge A-10C von der Selfridge Air National Guard Base mit 350 Piloten und Bodenpersonal nach Übersee im Rahmen der Operation Inherent Resolve zur Bekämpfung des Islamischen Staates verlegt werden.[1] Zwei Hinweise sind an dieser Meldung interessant. Bei der Air National Guard handelt es sich um eine freiwillige Miliz, bei der die Erdkampfflugzeuge A-10C durch Milizpiloten geflogen werden.

Am 27. Januar 2014 hatte die US Air Force verkündet, dass sie ihre Flotte an 160 A-10C Thunderbolt II[2] wegen Sparmassnahmen sehr bald ausser Dienst stellen und ihre Erdkampffunktion zugunsten der Bodentruppen durch andere Kampflugzeuge wie die F-16 oder die schweren Bomber B-1B ersetzen würde.[3] Im US-Kongress weiss man aber, dass diese Begründung nur ein Vorwand ist. Die A-10C sind in der US Air Force nicht beliebt. Piloten fliegen lieber Kampfflugzeuge, die über eine hohe Geschwindigkeit verfügen.[4] Senat und Repräsentantenhaus haben deshalb vorderhand die gesamte Ausserdienststellung der A-10C-Flotte blockiert.[5]

Welche Leistungen weisen diese A-10C auf? Aufgrund der Erfahrungen im Vietnamkrieg – die amerikanischen Kampfflugzeuge F-100 Super Sabre, F-105 Thunderchief und F-4 Phantom II flogen für eine wirkungsvolle Unterstützung der Bodentruppen zu schnell, den USA fehlten mit Ausnahme alter Propellerflugzeuge A-1 Skyraider[6] aus dem Koreakrieg echte Erdkampfflugzeuge – wurden zu Beginn der 70er Jahre die A-10 entwickelt. Mit diesen Flugzeugen sollten insbesondere im Falle eines Krieges die Panzerarmeen des Warschauer Paktes bekämpft werden. Bewusst wurde dieses Flugzeug um die Gatlingkanone 30mm GAU-8 Avenger, die die Hauptbewaffnung werden sollte, herum konstruiert. Diese Kanone verfügt heutzutage über eine Feuergeschwindigkeit von 3‘900 Schuss pro Minute. Die Trommel ist mit 1‘174 Schuss aufmunitioniert. Davon ist die Hälfte panzerbrechende DU-Munition (abgereichertes Uran). Das Cockpit ist gegen Direktbeschuss durch Titanium geschützt. Das Erdkampfflugzeug A-10C weist selbst gegenüber 23mm-Explosivgeschossen einen hohen Schutzgrad auf.[7] Zur Bewaffnung der A-10C gehören neben der Gatlingkanone u.a. GPS-gelenkte JDAM-Bomben (Joint Direct Attack Munition), Clusterbomben und Luft-Luft-Lenkwaffen.[8] Die maximale Geschwindigkeit ist 707 km/h. Mit der externen Zuladung von 7‘257 kg beträgt der Aktionsradius 460 km.[9] Bis 1984 wurden 713 Flugzeuge produziert.[10] Schrittweise wurden die Kampfflugzeuge modernisiert. 2013 wurde die A-10C-Flotte so kampfwertgesteigert, dass sie mindestens bis 2035 einsatzbereit wäre.[11]

Seit 1991 wurden A-10-Kampfflugzeuge in allen Kriegen eingesetzt, die die USA geführt haben, so auch im Golfkrieg von 1991, in dem sie mehr als 900 irakische Panzer, 2‘000 andere militärische Fahrzeuge und 1‘200 Artilleriegeschütze zerstört haben.[12] Im Krieg von 1994-95 gegen die Serben wurden in Bosnien-Herzegowina durch A-10 mehr als 10‘000 Schuss 30mm verschossen. Auch in der Operation Allied Force vom März bis Juni 1999 wurden A-10 eingesetzt. Kein einziges dieser Flugzeuge wurde in diesem Krieg, im Gegensatz zu einem Stealth-Jagdbomber F-117A, abgeschossen. Auch in den Kriegen in Afghanistan, Irak und Libyen wurde die A-10C-Flotte eingesetzt. In Afghanistan und im Irak flogen A-10C-Kampfflugzeuge bis zu 32% der Erdkampfunterstützung zugunsten der Bodentruppen der USA und ihrer Alliierten.[13]

Trotz dieser Erfahrungen sollten diese bewährten Kampfflugzeuge stillgelegt werden. Wie aber die Kriegsgeschichte immer wieder aufzeigt, ändern sich die Mechanismen der Kriegführung nur sehr langsam. Dies trifft insbesondere für die Erdkampfunterstützung von Bodentruppen zu. Eine Erkenntnis, die jetzt auch für den Krieg gegen den Islamischen Staat zutrifft. Auch eine Weltmacht wie die USA kann es sich schliesslich nicht leisten, auf bewährte Waffensysteme wie die A-10C-Kampfflugzeuge zu verzichten oder diese einfach zu verschrotten, vor allem zu einem Zeitpunkt, in dem sie durch einen sehr gefährlichen Gegner wie den IS herausgefordert wird.

[1] Spangler, T. and Chr. Hall, Selfridge airmen, planes deployed to fight Islamic State, Detroit Free Press, April 21, 2015.

[2] The Military Balance 2015, The International Institute for Strategic Studies, London, 2015, p. 49

[3] Fairschild Republic A-10 Thunderbolt II, http://en.wikipedia.org/wiki/Fairchild_Republic_A-10_Thunderbolt_II, 23.04.2015, p. 10.

[4] Fairschild Republic A-10 Thunderbolt II, p. 8.

[5] Fairschild Republic A-10 Thunderbolt II, p. 11.

[6] Alex, D., Fairschild Republic A-10 Thunderbolt II (Warthog) Close Air Support/Forward Air Control (1976), last updated 2/2/2015, http://www.militaryfactory.com/aircraft/detail.asp?aircraft_id=25, 25.04.2015, p. 2.

 

[7]Fairschild Republic A-10 Thunderbolt II, p. 5.

So auch Flugzeuge, Hersteller, Typen, Technik, Naumann & Göbel Verlagsgesellschaft mbH, Köln, S. 182.

[8] Alex, D., p. 9.

So auch A-10 Thunderbolt II, http://www.af.mil/DesktopModules/ArticlesCS/Print.aspx?Portalld=1&Moduleld=854&Article=104490, 25.04.15, p. 1.

[9] A-10 Thunderbolt II, p. 2.

[10] Alex, D., p. 9.

[11] Fairschild Republic A-10 Thunderbolt II, p. 3-4.

[12] Fairschild Republic A-10 Thunderbolt II, p. 8

So auch Morse, St. (General Editor), Gulf Air War, Debrief, Described by the pilots that fought, Aerospace Publishing, London and Airtime Publishing, Westport, 1991, p. 176-177

[13] Fairschild Republic A-10 Thunderbolt II, p. 9.