F-15E-von-BoeingZum gegenwärtigen Zeitpunkt wird eine ganze Reihe von Kriegen geführt. In Libyen tobt ein Bürger- und Stammeskrieg. Gleichzeitig bekriegen sich im Namen des Islam Anhänger des Islamischen Staates und Islamisten und diese wiederum kämpfen gegen eine säkulare Regierung, die die Vertretung von Libyen in der Welt beansprucht. Libyen ist nach der Beseitigung des Gaddafi-Regimes entlang den ethnischen und Stammesgrenzen zerfallen und gilt heute als ein nichtexistenter Staat.

Ähnliche Verhältnisse herrschen in Syrien. Dort führen die letzten Reste des Assad-Regimes mit iranischer Unterstützung und den Söldnern der libanesischen Hisbollah einen beinahe aussichtslosen Abwehrkampf gegen verschiedene aufständische Gruppierungen, so auch hier gegen die Kampfgruppen des Islamischen Staates, die bereits heute rund ein Drittel Syriens kontrollieren, und gegen Al-Kaida-hörige Kämpfer der Al-Nusrah-Front. Vermutlich sind die Tage des Assad-Regimes gezählt, das sich am Ende auf die Alawiten-Gebiete wird zurückziehen müssen. Die eigentlichen Verlierer werden die syrischen Christen sein, die bereits heute das Land fluchtartig verlassen. Der Schrecken ohne Ende wird in einem pulverisierten Staat bestehen.

Der Irak gilt bereits heute als in drei Teilen zerfallen. Der Süden wird durch die schiitische Regierung in Bagdad dank der Unterstützung durch den Iran und die schiitischen Milizen kontrolliert. Der Nordosten steht unter der Herrschaft der kurdischen Peschmerga und der Westen ist durch den Islamischen Staat besetzt. Die USA versuchen mit einer sehr heterogenen Allianz durch Bombardierungen aus der Luft das Einflussgebiet des Islamischen Staates zurückzudämmen. Trotz des Erfolges der irakischen Bodentruppen und der amerikanischen Luftoperationen bei der Rückeroberung der sunnitischen Stadt Tikrit ist der Islamische Staat noch lange nicht besiegt.

Das Chaos in Jemen weist eine noch grössere Dimension des Zerfalls auf. Während im Süden Separatisten sich von der Regierung Mansur Hadi loslösen möchten, kämpfen Al-Kaida-Kampfgruppen im Hadramaut gegen Regierungssoldaten, im Norden hat sich der ehemalige Machthaber Jemens, Ali Saleh, mit den schiitischen Huthi-Milizen verbündet und will mit iranischer Hilfe die Macht zurückerobern. Die Herrscher Saudi-Arabiens, die als sunnitische Schutzherren der heiligen Städte die ketzerischen Schiiten verabscheuen, intervenieren in diesem Krieg, in dem sie die Stellungen der Huthi bombardieren. Jemen besteht als Staat nicht mehr.

Nach dem fast vollständigen Abzug der Truppenkontingente der USA und der NATO kämpfen die Taliban gegen die Armee der Kabuler Regierung um die Kontrolle des Südens und des Ostens des Landes und damit um die Herrschaft über die Hauptstadt Kabul. Neuerdings sind auch Elemente des Islamischen Staates im Land aktiv. Nach wie vor werden die Taliban durch den pakistanischen Geheimdienst Inter-Service Intelligence gefördert. Weitere Gruppen, die aktiv sind, sind Kampfgruppen aus Usbekistan. Insbesondere in Kabul gehören Selbstmordanschläge zur Normalität. Der Krieg wird von der Herrschaft der Organisierten Kriminalität Afghanistans überlagert, die den Drogenanbau und -handel im Land kontrolliert und ihre Milliardeneinnahmen in Dubai waschen lässt.

Im benachbarten Pakistan führen die pakistanischen Taliban TTP (Tehrik-i-Taliban Pakistan) einen mörderischen Krieg gegen die Regierung in Islamabad und die pakistanische Armee. Diese wiederum wütet mit Strafexpeditionen in den paschtunischen Stammesgebieten.

In Nigeria haben die Islamisten der Boko Haram einen blutigen Krieg im Norden des Landes gegen die Zentralregierung und gegen die Zivilgesellschaft entfesselt. Morde, Entführungen und Vergewaltigungen junger Frauen und ihre Zwangsverheiratung sind an der Tagesordnung. Eine Koalition der Nachbarstaaten unterstützt Nigeria im Kampf gegen Boko Haram mit Streitkräften.

In Somalia versucht nach wie vor die mit dem Islamischen Staat liierte Shabab-Miliz die Macht an sich zu reissen. Da die Regierung in Mogadishu insbesondere durch Kenia unterstützt wird, ermorden die Shabab-Milizen im nördlichen Kenia vor allem Christen.

In der Ostukraine versuchen sogenannte Separatisten mit russischer Unterstützung zusätzliche Gebiete in den Provinzen Luhansk und Donezk zu erobern. Ausgerüstet mit modernsten russischen Waffen und beraten durch russische Offiziere sind sie der jahrelang durch Kiew vernachlässigten Armee überlegen. Eine Eroberung der strategisch wichtigen Hafenstadt Mariupol könnte sehr bald Realität werden.

Und schliesslich zeichnet sich ein Showdown im südchinesischen Meer zwischen China und den Anrainerstaaten Vietnam, den Philippinen, Indonesien und Malaysia ab. Dank der jahrelang erfolgten Aufrüstung ihrer Seestreitkräfte mit Unterseebooten und Überwasserkriegsschiffen versucht China nicht nur diese Anrainerstaaten in die Knie zu zwingen, sondern auch die Seemacht USA aus dem westlichen Pazifik zu verdrängen und damit in diesem Raum eine Hegemonialstellung zu erlangen.

Diese verschiedenen Kriege bieten ein heterogenes Bild. Während in der Ukraine Wladimir Putin durch eine Kombination von Guerillaaktionen, terroristischen Anschlägen, Propaganda über Twitter und konventioneller Kriegführung einen hybriden Krieg einsetzt, kämpft der Islamische Staat mit den Mitteln des Terrorismus und konventionell ausgerüsteten Kampfverbänden. Zur gleichen Zeit versuchen die USA und ihre Alliierten durch einen immer intensiveren Luftkrieg den Islamischen Staat zu bezwingen. Saudi-Arabien führt einen erbarmungslosen Luftkrieg gegen die Huthi-Streitkräfte im Jemen, der sehr bald zum Genozid an der jemenitischen Bevölkerung eskalieren könnte. China schüchtert seine Nachbarn durch die Demonstration seiner Seestreitkräfte und den Bau von Festungen im Südchinesischen Meer ein. Diese Vielfalt an Kriegsarten und Formen der Kriegführung entspricht der Komplexität der strategischen Lage der Gegenwart.

Wo liegen die Ursachen für diese durch Kriege bestimmte Weltlage? Die Antwort ist einfach zu finden. Seit dem überdehnten Einsatz ihrer Streitkräfte in den Kriegen im Irak und in Afghanistan und der Finanzkrise von 2008 nimmt der machtpolitische Einfluss des Hegemons USA in der Welt schrittweise ab. Dazu kommen noch Sparmassnahmen bei den US-Streitkräften, die diese laufend schwächen, und die verfehlte Geostrategie der Obama-Administration. Nicht nur hat sich Präsident Obama als unfähig erwiesen, die Machtpolitik der USA für die Bewältigung von Krisen und Konflikten gezielt einzusetzen, durch seine schwache Verhandlungsführung mit der Islamischen Republik Iran hat er erreicht, dass sich bewährte Alliierte der USA im Mittleren Osten, wie Saudi-Arabien und Israel, immer mehr von Washington abwenden. Gleichzeitig hat er die Bewältigung von ernsten Krisen wie jene in der Ostukraine an machtlose Alliierte wie Deutschland delegiert. Anstatt mit dem Despoten Putin auf Augenhöhe und mit Drohungen zu verhandeln, hat er dem abgerüsteten Deutschland das Verhandlungsfeld überlassen. Aber auch in Südostasien handelt Obama kraftlos und ohne Wirkung. Anstatt China mit einer machtvollen Kanonenbootpolitik die Stirn zu bieten, versucht er mit Worten die chinesische Aggression schön zu reden.

In Europa wird das zögerliche Vorgehen der USA noch durch die während Jahrzehnten betriebene Abrüstung wichtiger NATO-Staaten wie Deutschland verschlimmert. Die NATO ist zu einem zahnlosen Papiertiger verkommen, der vermutlich in einer ernsthaften Auseinandersetzung Putin nicht mehr die Stirn bieten könnte, ausser die USA würden in einer solchen Lage ihre in Deutschland noch stationierten Nuklearwaffen gegenüber der russischen Aggression in die Waagschale werfen. In Anbetracht der inexistenten Machtpolitik Obamas muss ein solcher Schritt allerdings bereits heute hinterfragt werden.

Während die Machtlosigkeit der USA immer mehr zunimmt, wird die Achse China-Russland immer stärker. Sehr bald könnte diese Achse zum entscheidenden Akteur in Eurasien werden.