Zum gegenwärtigen Zeitpunkt trifft Frau Merkel zwei strategische Fehlentscheidungen, die beide am Ende katastrophale Folgen für Europa haben könnten.

Ihr erster Fehler ist ihr Beharren auf Verhandlungen mit Putin zwecks Beendigung des russischen Krieges gegen die Ukraine. Zur Erreichung dieses Zieles ist sie offenbar bereit, territoriale Konzessionen der Ukraine an Russland hinzunehmen. Dabei übersieht sie, dass Putin mit seinem Krieg nur ein Ziel verfolgt: die Unterwerfung und Eingliederung der Ukraine in den russischen Machtbereich. Nur so nämlich können er und die russischen Eliten die Renaissance des russischen Imperiums erreichen, deren Voraussetzung die vollständige Kontrolle der ukrainischen Schwarzmeerküste durch Russland ist.

Die Unterwerfung der Ukraine dürfte nur der erste Schritt zur Wiedererrichtung des Sowjetimperiums sein. Das nächste Ziel wäre die Kontrolle der Ostsee durch Russland. Zu diesem Zweck müssten Putin und sein Politbüro die baltischen Staaten wieder in ihren Machtbereich integrieren. Frau Merkels Verhandlungen – vom US-Präsidenten Obama unterstützt, der selbst in den USA nur noch über eine schwache innenpolitische Basis verfügt – dürften schliesslich Putin in die Hände arbeiten. Er braucht lediglich mit der russischen Militärmaschinerie zu drohen, die in der Zwischenzeit noch mehr aufgerüstet sein wird, und Frau Merkel sowie Herr Obama liefern die Balten trotz ihrer NATO-Mitgliedschaft aus.

Der zweite Fehler, den Frau Merkel jetzt begeht, ist die Verweigerung des Schuldenschnittes für die Griechen. Angesichts des bevorstehenden wirtschaftlichen Kollapses und ohne Aussicht auf europäische Hilfe werden sich die Griechen mit ihrem jungen Präsidenten an Putin wenden. Indem sie sich weigert, einen Schuldenschnitt anzunehmen, treibt Frau Merkel die Griechen Putin direkt in die offenen Arme. Im Lichte brüderlicher Hilfe und kirchlicher Verbundenheit der Orthodoxie, könnte Putin die Kontrolle über die griechischen Häfen erlangen und hätte damit Zugriff auf das östliche Mittelmeer. Der Traum von Peter dem Grossen würde zum ersten Mal wahr: ungehinderter Zugang Russlands zu den warmen Meeren! Wie Dominosteine dürften Bulgarien, Serbien und Ungarn sehr bald den Putin’schen Lockungen folgen und sich willig in die Gemeinschaft russischer Satelliten eingliedern.

Beide Entscheidungen von Frau Merkel könnten mit Europas Auslieferung unter die Fuchtel Russlands enden.