Die 26jährige Hayat Boumeddiene hat ab 2009 den Ganzkörpertschador getragen und soll im Juli 2009 Amédy Coulibaly nach islamischem Recht geheiratet haben. Diese Ehe ist aber in Frankreich nie registriert worden. Offenbar hatte Hayat Boumeddiene Kontakte zu Izzana Hamyd, der Gattin von Chérif Kouachi. Gemäss türkischen Geheimdiensten soll sie am 2. Januar in Begleitung eines Mannes von Madrid nach Istanbul geflogen sein und am 8. Januar die Grenze nach Syrien überschritten haben.

Am 7. Januar haben Chérif und Saïd Kouachi die Redaktion von Charlie Hebdo überfallen und 12 Menschen getötet. Sie haben sich dabei zur Al Kaida im Jemen bekannt. Sowohl Saïd als auch Chérif waren zeitweise im Jemen und könnten dort auch eine militärische Ausbildung erhalten haben. Bei der Flucht haben die Brüder einen Polizisten getötet.

Einen Tag später, am 8. Januar, hat Amédy Coulibaly eine Polizistin erschossen. Anschliessend hat er einen jüdischen Supermarkt überfallen und vier Menschen getötet. In einem Video im Internet hat Coulibaly einen Treueid auf den Führer des Islamischen Staates, Kalif Ibrahim, abgelegt. Alle drei sind in Schusswechseln am 9. Januar mit der Polizei getötet worden.

Der zeitliche Verlauf der verschiedenen Handlungen lässt vermuten, dass Boumeddiene mindestens in die Planung gegen Charlie Hebdo und den Überfall von Coulibaly eingeweiht oder gar einbezogen war und sich deshalb rechtzeitig nach Syrien zur Jabhat al-Nusra, einer salafistischen Organisation, die mit Al-Kaida affiliiert ist, oder zum Islamischen Staat abgesetzt hat. Möglicherweise war sie aber sogar eine Drahtzieherin der gesamten terroristischen Aktion, hat dabei bewusst die beiden Kouachi-Brüder und Coulibaly geopfert und diese als Kanonenfutter eingesetzt. Vermutlich im Wissen um ihre Entbehrlichkeit für die Sache haben diese den Märtyrertod gesucht – eine Hypothese, die aber plausibel erscheint.