Erschienen im PORTAS CAPITAL Newsletter – Dezember 2014

Historischer Rückblick

1400 v. Chr. wanderten indoeuropäische Völker in das Gebiet des heutigen Iran ein. 728 v.Chr. gründeten die medischen Stämme ein Reich mit der Hauptstadt Ekbatana (heute Hamadãn im Iran). Zarathustra, der die Staatsreligion des Irans mit dem Gott Ahura Mazda begründete, dürfte 600 v. Chr. geboren worden sein. 550 v. Chr. siegte der Achämenide Kyros der Grosse über den Mederkönig Astyages und begründete damit das persische Weltreich. Dieses Reich wurde durch den Makedonier Alexander der Grosse 331 v. Chr. vernichtet. Einen Neubeginn erlebte das Gebiet des heutigen Irans mit der Reichsgründung der iranischen Parther 250 v.Chr. Das Reich der Parther erfuhr 140 v. Chr. unter König Mithridates I. mit der Eroberung von Mesopotamien im Westen seine grösste Ausdehnung. Gleichzeitig förderte das Parther-Reich den Handel über der Seidenstrasse zwischen China und Rom. Diese Funktion hielt der Iran auch unter dem Herrschergeschlecht der Sassaniden, die 224 n.Chr. die Parther von der Macht verdrängten und das neupersische Reich begründeten.

Das Reich der Sassaniden dauerte bis 651 n.Chr. und gilt heute noch als ein Goldenes Zeitalter Persiens und damit des Irans. Trotz vieler Krieg mit Rom und Byzanz blühten Kultur und der Handel mit China und Europa. Politisch und militärisch durch die vielen Kriege mit Byzanz geschwächt, konnten die Araber das Sassaniden-Reich schnell erobern. Persien wurde ein Teil ihres Kalifats. Die Gründung von Bagdad 762 als Hauptstadt unter dem Kalifengeschlecht der Abbassiden (750–1258) löste einen Neubeginn der persischen Kultur aus. Diese beeinflusste bis zum Vordringen der türkischen Seldschuken 1038 Regierung und Verwaltung der Kalifen. Erwähnt sei der persische Mathematiker al Chwarazmi, der 810 den Begriff Algebra prägte. Von 819/74 bis 999 herrschte über den Nordost-Iran und Transoxanien gleichzeitig die persische Dynastie der Samaniden. 1071 konnten die Seldschuken ihren Herrschaftsbereich bis nach Anatolien ausdehnen. Aus dem Zerfall ihres Reichs entstand später das Osmanische Reich.

1221 eroberten die Mongolen unter Dschingis Khan den Iran. Dessen Enkel Hülägü begründete 1252/56 die Dynastie der Il-Khane, die bis 1335 über Persien, den Irak, Teile Syriens, Ost-Anatolien und den Kaukasus herrschte.[1] Nach dem Aussterben dieser Dynastie zerfiel das Reich in verschiedene Herrschaftsbereiche, bis der turkmongolische Herrscher Timur Lenk (1336–1405) von Samarkand aus den Iran, den Irak, Syrien, Ostanatolien, Nordindien und Teile des Kaukasus eroberte. Nach seinem Tod 1405 konnte sein Sohn Shah-Rukh (1405/09–1446) von der Stadt Herat aus noch weite Teile des Timurreich beherrschen. Babur, Abkömmling von Timur in der 5. Generation, wurde aus Zentralasien vertrieben und begründete in Indien die Dynastie der Moguls.

1453 eroberten die Osmanen Konstantinopel und beendeten damit das 1000-jährige Reich von Byzanz. 1501 begründeten die turkmenischen Safawiden eine neue Dynastie, die bis 1722/36 über Persien herrschen sollte. Der Herrscher Ismail I. (1501–1524) erklärte die Sekte der Zwölferschiiten als Staatsreligion. Ab 1515 waren die Safawiden im Westen mit den Osmanen und im Osten mit den Usbeken in einem ständigen Kriegszustand. Die Stadt Isfahan wurde unter Abbas I. dem Grossen (1587–1629) zur «Perle der Welt» ausgebaut. Unter seiner Herrschaft wurden Aserbaidschan, Armenien, Georgien und Teile Afghanistans erobert. Nach seinem Tod zerfiel das Reich wieder. Es folgten von 1736–1796 die Dynastien der Afshariden und der Zand.

1796 übernahm die turkmenische Dynastie der Qadjaren die Macht und herrschte bis 1925. 1786 wurde Teheran zur Hauptstadt. Unter den Qadjaren verlor der Iran Georgien, Armenien und Teile von Aserbaidschan an Russland. Unter Nasir ad-Din Shah (1848–1896) wurde die iranische Wirtschaft, so die Erdölvorkommen, durch britische Monopole und Konzessionen beherrscht. Der letzte Qadjare, Ahmed Mirza (1909–1925), musste 1915–21 die Besetzung von Teilen des Irans durch Briten und Russen hinnehmen. 1925 wurde er durch seinen Ministerpräsidenten Reza Khan Pahlawi (1878/1925–1944) abgesetzt, der sich selbst zum Shah von Persien erklärte.

Mit seinen Streitkräften führte der neue Shah, entsprechend dem Vorbild von Mustafa Kemal Atatürk, eine Modernisierung und eine Säkularisierung durch. Dies löste Konflikte mit der schiitischen Geistlichkeit aus. 1934 ersetzte er die Bezeichnung Persien durch Iran. 1941 wurde er bei der Besetzung des Landes durch die Sowjets und die Briten abgesetzt und musste nach Südafrika ins Exil. Sein Sohn Mohammad Reza Pahlawi (1919–1980) wurde bis 1946 durch die Briten beaufsichtigt, danach lehnte er sich an die USA an. Die Opposition von Ministerpräsident Mossadeg zwang ihn 1953 zur Flucht aus dem Iran. Mossadeg wurde durch eine CIA-Operation gestürzt und der Shah, der aus dem Ausland zurückkehrte, schaltete von da an mit seiner Geheimpolizei jede Opposition aus. Die durch ihn dem Iran aufgezwungene Modernisierung und seine technischen Grossprojekte führten zu Konflikten mit den Bazaris, den Sozialisten und der Geistlichkeit. Am 16. Januar 1979 wurde er zum Verlassen des Landes gezwungen. Die Macht übernahm Ayatollah Khomeini, der im Februar nach beinahe 14 Jahren im Exil zurückkehrte. Er rief am 1. April die Islamische Republik Iran aus.

Die Toten des iranisch-irakische Krieg von 1980 bis 1988 werden auf 500000 bis 1 Million unter der iranischen Jugend geschätzt. Am 3. Juni 1998 starb Ayatollah Khomeini. Sein Nachfolger als oberster Rechtsgelehrter wurde Ajatollah Seyyed Ali Khamenei. Nach achtjähriger Amtszeit von Präsident Akbar Hashemi Rafsandjani wurde Seyyed Mohammad Khatami zum neuen Präsidenten gewählt. 2005 folgte die Wahl von Mahmud Ahmadinedschad, der am 6. August die Funktion des Präsidenten übernahm. Seit 2013 führt Präsident Hassan Rohani die Staatsgeschäfte.

Geopolitische Faktoren heute

Aufgrund der Lage und der Grösse des Landes beeinflusst die Islamische Republik Iran die Geopolitik sowohl im Persischen Golf wie auch in Zentralasien. Der Iran weist eine Fläche von 1 648 195 qkm auf und ist in 30 Provinzen eingeteilt. Die Einwohnerzahl beträgt mehr als 75 Millionen auf. Davon sind 60–65 % Perser, 17–21 % Azeri, 8 % Gilaki und Mazandarani, 7–10 % Kurden und der Rest verteilt sich auf Araber, Turkmenen, Luren, Balutschen, Armenier, ua. Die Amtssprache ist Farsi. Weitere Sprachen, die üblich sind, sind Luri, Kurdisch, Balutschi, verschiedene Turksprachen, Arabisch und Armenisch.

Was die religiöse Zuordnung betrifft, so sind 98 % der Bevölkerung Muslime. 89 % sind Zwölferschiiten. Zu dieser Sekte bekennen sich die Perser, die Azeri, die Luren, teilweise auch Kurden und Araber. 9 % der Bevölkerung sind Sunniten. Dabei handelt es sich um Turkmenen, Balutschen und auch um Kurden. Zu den religiösen Minderheiten gehören Christen (Armenier), Juden, Parsen, Mandäern und Anhänger der Bahai-Religion.

Das Staatsoberhaupt ist de jure der zwölfte Iman Muhammad al-Mahdi. Er wird seit 1989 durch den obersten Rechtsgelehrten Ayatollah Seyyed Ali Khamenei vertreten. Der Staatspräsident hat lediglich die Funktion eines Regierungschefs inne. Das Parlament wird als die Versammlung des Islamischen Rates bezeichnet und weist 290 Sitze auf.

2011 erwirtschaftete der Iran ein Bruttoinlandprodukt von 496.243 Milliarden US-Dollar. Die Volkswirtschaft wies 2007 folgende Verteilung auf: 10 % Landwirtschaft, 45 % Industrie und 45 % Dienstleistungen. Das Wachstum des Bruttosozialproduktes betrug 2010 1 %, die Arbeitslosigkeit 11.9 % und die Inflation 12.5 %. Der Iran importierte 2010 im Durschnitt für 59 Milliarden US-Dollar zu 45 % Zwischenprodukte, 37 % Kapitalgüter und zu 12 % Konsumgütern (2007/8). Aus folgenden Ländern bezog der Iran 2008/9 seine Importe: 9.13 % China, 10 % Vereinigte Arabische Emirate, 9 % Deutschland, 6 % Republik Korea und 6 % Russland. Der Iran exportierte 2008/9 für 82 Milliarden US-Dollar nach China (9.19 %), Japan (15 %), in die Republik Korea (7 %) und in die Türkei (7 %). Der Export umfasste 2008/9 zu 81 % Erdöl- und Erdgasprodukte und wies damit auf die politische und wirtschaftliche Achillesferse des Irans hin. Bei einem Zusammenbruch der Nachfrage nach iranischem Erdöl und Erdgas würde die gesamte Volkswirtschaft der Islamischen Republik zusammenbrechen.

Seit 1979 beruht das Rechtssystem des Irans auf der durch den Koran bestimmten Scharia. Neben dem obersten Rechtsgelehrten ist der Wächterrat der eigentliche Entscheidungsträger im Iran. Die 12 Sitze werden nach Artikel 91 der iranischen Verfassung zur Hälfte mit Geistlichen und zur Hälfte mit Juristen besetzt. Der Wächterrat prüft Gesetze und Personen auf die Übereinstimmung mit den Prinzipien des Islams sowie auf Konformität mit der Verfassung.

Die Todesstrafe wird für Drogenhandel, Vergewaltigung, Mord, Apostasie und Gotteslästerung ausgesprochen.

Die Streitkräfte und das Flugkörperarsenal des Irans[2]

Die Streitkräfte der Islamischen Republik sind in zwei verschiedenen Armeen bzw. Heeren gegliedert, was deren Effizienz auch schwächt. Nach der Vertreibung des Shahs misstraute die Geistlichkeit um Khomeini der regulären Armee. Viele Offiziere wurden eingekerkert, hingerichtet oder flüchteten ins Ausland. Diese Säuberungen schwächten die reguläre Armee – insbesondere das Heer -, die zu Beginn des Krieges gegen Saddam Hussein 1980 Niederlagen hinnehmen musste. Diese Rückschläge, sowie das Misstrauen der Geistlichkeit führten zur Bildung eines Parallelheers, jene des Korps der Revolutionsgarde. Das Korps konnte sich zu Beginn des Krieges in den Schützengräben behaupten.

Während das reguläre Heer heute einen Totalbestand von 350000 Mann aufweist, wovon 220000 Wehrpflichtige sind, hat das Korps der Revolutionsgarde einen Truppenbestand von 125000. Die Ausrüstung des Heeres ist eine Mischung der früheren Lieferungen britischer und amerikanischer Waffen an den Shah und späterer Lieferungen russischer und chinesischer Waffen. Diese Situation trifft insbesondere für die iranische Luftwaffe zu. Neben den amerikanischen Kampfflugzeugen F-5E/F Tiger II, F-4D/E Phantom II und F-14, der französischen Mirage F-1E, ist die Luftwaffe mit russischen Kampfflugzeugen ausgerüstet. Für die Aufrechterhaltung der Kampfkraft der westlichen Kampfflugzeuge werden ältere Modelle für die Ersatzteilbewirtschaftung ausgeschlachtet. Die iranischen Seestreitkräfte sind u.a. mit Schnellbooten und Minen für den Einsatz im Persischen Golf ausgerüstet.

Das Korps verfügt neben den Bodentruppen (u.a. die Basij-Milizen) über eigene Seestreitkräfte und eine eigene Luftwaffe. Der Luftwaffe des Korps sind die Raketen-Brigaden unterstellt. Folgende ballistische Boden-Boden-Flugkörpertypen gelten als einsatzbereit: [3]

Bezeichnung Einsatzbereich Reichweite Gefechtskopf

  • Fateh A-110 Kurzstrecken 210 km 500 kg
  • Shahab 1 Kurzstrecken 300 km 985 kg
  • Shahab 2 Kurzstrecken 500 km 770 kg
  • Shahab 3 Mittelstrecken 800–1300 km 800–1200 kg
  • Shahab 3 var Mittelstrecken 1500–2500 km 800 kg
  • Zelzal-1/2/3 Marschflugkörper 125–400 km 1 Gefechtskopf

In Ergänzung zu diesem Arsenal entwickelt der Iran ballistische Flugkörper für den Mittelstrecken- und Langstreckenbereich. Zum letzteren Typ gehört die Shahab 6 mit einer Reichweite von über 6000 km. Mit einer solchen Reichweite könnte die Islamische Republik auch Ziele in Europa abdecken.

Einiger diese Flugkörper stellen Weiterentwicklungen der in vielen Streitkräften dieser Welt immer noch einsatzbereiten russischen SCUD-B-Flugkörper, die wiederum aus der deutschen V-2 entwickelt worden sind. Die deutschen V-2 wurden gegen Ende des zweiten Weltkrieges gegen Grossbritannien eingesetzt. Wie die SCUD dürften die iranischen Flugkörper aufgrund der Abweichungen von über 600–900 Meter auf 280–900 km sehr zielungenau sein. Diese Zielungenauigkeit könnte nur durch eine Ausrüstung mit nuklearen Gefechtsköpfen ausgeglichen werden. Erst mit der grossen Sprengkraft nuklearer Gefechtsköpfe (über 20 KT TNT (Kilotonnen Trinitrotoluolstossunempfindlicher Sprengstoff)) wäre die Entwicklung und Einführung dieser zielgenauen Flugkörper sinnvoll. Die Zielungenauigkeit der iranischen Flugkörper bestärkt den Verdacht, dass die Islamische Republik mit ihrer Urananreicherung eigene Nuklearwaffen entwickeln möchte. Gegen diese Absicht sind auch die Sanktionen der UNO gerichtet.

Das Verhältnis USA–Iran [4]

Das schwierige Verhältnis zwischen den USA und dem Iran lässt sich anhand einer sechzigjährigen Periode beurteilen. Diese setzt mit dem Sturz desiranischen Ministerpräsident Mossadeg durch die CIA 1953 ein und hört vorderhand mit dem Telefon zwischen den Präsidenten Barack Obama und Hassan Rohani 2013 auf. Der durch die Iraner demokratisch gewählte Mossadeg wollte die Erdölindustrie des Irans entgegen der britischen und amerikanischen Interessen verstaatlichen. Auf Anweisung der CIA erfolgte gegen ihn ein Militärputsch und der Shah Mohammad Reza Pahlawi errichtete unter dem Schutz der USA über den Iran eine Diktatur. Dessen Streitkräfte wurden mit den damals hochmodernsten Waffen der USA hochgerüstet.

Die Hintergründe des Putsches von 1953 deckten bei der Besetzung der US-Botschaft am 4. November 1979 mit der Einsicht in geheime Dokumente iranische Militante auf. Am 24. April 1980 unternahm die Carter-Administration eine Aktion zur Befreiung der 52 amerikanischen Geiseln in der Botschaft. Die Aktion scheiterte. Besetzung und Geiselnahme endeten aufgrund politischer Zugeständnisse der Reagan-Administration am 21. Januar 1981 nach 444 Tagen.

1985 wollte die Reagan-Administration die amerikanischen Geiseln der Hisbollah im Libanon durch Lieferungen von Panzerabwehrlenkwaffen TOW an den Iran befreien. Mit dem Geld aus dem Handel wurden die Contras, die gegen die kommunistische Regierung in Nicaragua kämpften, finanzierten, was aufgrund eines Beschlusses des Kongresses verboten war. 1986 wurde der Handel publik. Oberstleutnant Oliver North, Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates, musste vor dem Kongress aussagen. Die Reagan-Administration wurde durch diesen Skandal erschüttert.

1987 wurde bekannt, dass der Iran vom pakistanischen Nuklearwissenschaftler Abdul Qadeer Khan Unterlagen über den Bau von nuklearen Gefechtsköpfen erhalten hatte. Am 21. Juli 1987 intervenierten die USA im iranisch-irakischen Krieg offen. Am 18. April 1988 griffen die USA Erdölplattform und Schiffe des Iran im Golf an. Am 2. Juli 1988 schoss der US-Kreuzer Vincennes nach einem Zusammenstoss mit iranischen Patrouillenbooten ein Passagierflugzeug der Iran Air, das nach Dubai flog, ab. Alle 290 Passagiere wurden dabei getötet. Am 18 Juli wurde der Waffenstillstand zwischen dem Iran und dem Irak erklärt.

Am 2. August 1990 besetzte die Armee von Saddam Hussein Kuwait. Am 16. Januar 1991 lösten die USA den Krieg aus. Die USA lehnten am 4. Februar die iranische Vermittlungsofferte ab. Präsident Bush beendete am 28. Februar den Krieg. Am 6. August 1996 beschloss die Clinton-Administration Sanktionen gegen den Iran und Libyen. Bei seiner Amtseinsetzung versprach der neue Präsident Mohammed Khatami einen Dialog mit den USA.

In seiner Regierungsansprache von 2002 erklärte Präsident George W. Bush den Iran, zusammen mit dem Iraq und Nordkorea, als Teil der Achse des Bösen. Iranische Oppositionelle berichteten über die Urananreicherung in Natanz und die Existenz des Schwerwasserreaktors von Arak. Die USA beschuldigten den Iran ein Programm zur Produktion nuklearer Waffen zu verfolgen. Der Iran wies diese Beschuldigungen von sich. 2005 erfolgte die Amtseinsetzung von Ahmadinedschad als Präsident. 2009 wurde er vermutlich dank Wahlfälschungen wieder gewählt. In vier Phasen erliess die UNO vom 24. Dezember 2006 bis zum 10. Juni 2010 Sanktionen gegen den Iran. 2007–2009 setzten die USA zusammen mit Israel den Computerwurm Stuxnet gegen die Zentrifugen in Natanz ein. Ein Fünftel der Zentrifugen wurden dadurch zerstört. Im Dezember 2011wurden diese Angriffe fortgesetzt. Am 11. Januar 2012 wurde durch einen Bombenanschlag der Kernwissenschaftler Mostafa Ahmadi Roshan in Teheran getötet. Oktober 2013 erfolgte zum ersten Mal nach 30 Jahren ein Telefongespräch zwischen den USA und dem Iran. Die Obama-Administration beschloss die Aufnahme von direkten Verhandlungen mit dem Iran zur Lösung der Nuklearfrage.

Auswirkungen eines Abkommens zwischen den USA und dem Iran

Am 24. November 2013 besiegelten die Delegationen der 5 ständigen Mächte des UN-Sicherheitsrates (Grossbritannien, China, Frankreich,Russland, die USA) zusammen mit Deutschland (5+1-Gruppe) in Genf ein Interimsabkommen mit der iranischen Delegation. Am 20. Januar 2014 wurde dieses Abkommen in Kraft gesetzt. Ein definitives Abkommen sollte vor allem die Zahl der iranischen Zentrifugen auf ein paar Tausend reduzieren. Im Rahmen der Verhandlungen zu diesem Abkommen wurde sogar über die Wiederaufnahme von direkten Flügen zwischen den USA und dem Iran sowie über die Errichtung einer gemeinsamen Handelskammer diskutiert. Ende November 2014 sollte aufgrund der Verhandlungen ein definitives Abkommen vorliegen. Dieses Ziel ist aufgrund des Vetos des Ayatollah Seyyed Ali Khamenei nicht erreicht worden. Angeblich benötigt der Iran für sein ziviles Atomprogramm über 100000 Zentrifugen. Die Verhandlungen werden 2015 fortgesetzt. Vor allem das Korps der Revolutionsgarde, das das iranische Atomprogramm kontrolliert, fürchtet einen Machtverlust und leistet deshalb gegen ein endgültiges Abkommen Widerstand.

Wird 2015 ein Abkommen zwischen der 5+1-Gruppe und dem Iran Wirklichkeit, dann könnte ein solches Abkommen zu geopolitischen Veränderungen im Machtgefüge im Mittleren Osten führen. Durch eine politische Annäherung zwischen den USA und dem Iran, die sich durch die Luftangriffe der iranischen Luftwaffe auf Stellungen des Islamischen Staates im Irak abzeichnet, würde Saudi-Arabien als bisher wichtigster Bündnispartner der USA in der Region und im Persischen Golf an Bedeutung verlieren. Der Iran weist aufgrund der geographischen Lage und der Grösse des Landes im Vergleich zu Saudi-Arabien für die USA einen höheren geopolitischen Stellenwert auf.[5] Die Folge dieser Relativierung könnte eine Hinwendung des saudischen Königreichs zu anderen Partnern sein, so zu Russland und China. Aber auch die Bedeutung von Israel als Bündnispartner der USA könnte relativiert werden. Im Gegensatz zu Saudi-Arabien müsste sich aber Israel aufgrund seiner Isolation im Mittleren Osten mit dieser Relativierung abfinden. Sowohl Saudi-Arabien wie auch Israel werden deshalb in Washington DC gegen den Abschluss eines Abkommens den gesamten Apparat ihrer Lobby einsetzen.

Sollte 2015 wirklich ein definitives Abkommen abgeschlossen werden, so dürfte die Obama-Administration bei der Aufhebung verschiedener Sanktionen gegenüber dem Iran seitens des Kongresses auf Opposition stossen. Diese Opposition dürfte namentlich durch das American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) und das American Jewish Committee gefördert werden.[6] Dabei werden auch geopolitische Faktoren und Überlegungen eine Rolle spielen.

 

[1] Hattsein, M. und P. Delius (Hrsg.), Islam, Kunst und Architektur, Könemann Verlagsgesellschaft mbH, Köln, 2000.

[2] The Military Balance 2014, The International Institute forStrategic Studies, London, 2014, p. 318-322.

[3] Iran Ballistic Missiles, The Clairmont Institute, http://missilethreat.com.

[4] US-Iran relations: A brief guide, BBC News, Middle East,17 June 2014. so auch Timeline on the Relationship Between the United States and Iran, The New York Times, 27 November 2014.

[5] Friedman, G., Strategic Reversal: The United States, Iran, and the Middle East, Stratfor, November 24, 2014.

[6] Nazemroaya, M.D., The Barriers to Iranian-American Rapprochement: Inside Iran and the US, Global Research, January 23, 2014, p. 6.

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