Der durch die USA geführte Luftkrieg gegen den Islamischen Staat hat bis heute beinahe keine Wirkungen gezeigt. Nach wie vor ist der Militärapparat des Islamischen Staates intakt. Die zielgenauen Einsätze der Amerikaner und ihrer „Verbündeten“ haben sich als eine Art „Window Dressing“ erwiesen. Trotz dieser Luftkriegseinsätze demonstriert der Islamische Staat unter der Führung des Kalifen Ibrahim seine ungebrochene Fähigkeit zu terrestrischen Angriffen in Syrien und zu Anschlägen in Bagdad.

Während der letzten Jahre hat die Obama-Administration diese Art von High-Tech-Luftkrieg vor allem gegen die Taliban eingesetzt und dabei eigentlich wenig bewirkt. Nach dem Abzug der NATO erscheint der Militärapparat der Taliban wie ein Phönix aus der Asche. Die Taliban versuchen zum gegenwärtigen Zeitpunkt offenbar mit ihren Anschlägen und Angriffen auf afghanische Stützpunkte die durch die USA und die NATO aufgebaute Armee abzunützen und zu demoralisieren. Am Ende könnte diese Abnützungskriegführung zu einer Destabilisierung der politischen Führung in Kabul führen. Der durch Obama und seine Berater propagierte High-Tech-Luftkrieg hat sich in Afghanistan am Ende als wirkungslos erwiesen.

Für eine effiziente Vernichtung der Streitkräfte des Islamischen Staates müsste Washington die Erfahrungen der Luftkriege der jüngsten Vergangenheit analysieren. Der erfolgreiche Luftkrieg von 1991 gegen die Armee von Saddam Hussein in Kuwait wie auch jener von 2001 gegen die Taliban dürften Vorbildcharakter haben. In beiden Luftkriegen hat als Vorbereitung für die terrestrischen Angriffe der wiederholte Einsatz schwerer Bomber B-52 und der Abwurf von Freifallbomben gegen die gegnerischen Streitkräfte zur Ausschaltung des Gegners geführt:[1]

„The 2001 attack on Afghanistan was launched almost entirely from the air.”

Auch in der letzten Phase des Krieges von 1999 gegen Milosevic sind Stellungen der serbischen Armee an der Grenze zu Albanien durch Freifallbomben von B-52 zerschlagen worden. Bereits in diesem Luftkrieg hat sich der Einsatz der Präzisionswaffen gegenüber den Stellungen der serbischen Armee mehrheitlich als wenig wirkungsvoll erwiesen.[2]

Der Luftkrieg gegen den Islamischen Staat wird nur erfolgreich sein, wenn Washington aufgrund der geschilderten Erfahrungen in früheren Luftkriegen einen massiven Einsatz von B-52 mit Freifallbomben gegen die Bereitschafts- und Waffenstellungen, die politischen und militärischen Hauptquartiere sowie die Logistik des Gegners anordnet. Ein solcher Luftkrieg dürfte innert Wochen zur Vernichtung des Islamischen Staates und seiner Streitmacht führen. Allerdings müsste darauf geachtet werden, dass diese Einsätze nicht indiskriminierend erfolgen. Kollateralschäden gegenüber der Zivilbevölkerungen im Irak und in Syrien müssten, auch wenn die Streitkräfte des Islamischen Staates die jeweiligen Bevölkerungen für die eigene Tarnung und Deckung missbrauchen, unter allen Umständen vermieden werden.

[1] Creveld, van, M., The Age of Airpower, Public Affairs, New York, 2011, p. 415,

[2] Lambeth, B.S., NATO’s Air War for Kosovo, A Strategic and Operational Assessment, Project Air Force, RAND, 2001, p. 225.

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