Der Präsident der Russischen Föderation Wladimir Putin lässt seit 2008 zunehmend mit russischen Überwasserkriegsschiffen Flottenmanöver auf den Weltmeeren durchführen. In diesem November führte eine Flottille unter der Führung des Flaggschiffs der Schwarzmeerflotte, dem Raketenkreuzer Moskwa (Slawa-Klasse, Einsatzverdrängung 10‘000 Tonnen) Übungen in der Philippinensee durch.[1] Begleitet wurde der Kreuzer durch den modernen Raketenzerstörer Admiral Vinogradov (Udaloy-Klasse, 6‘700 Tonnen Einsatzverdrängung, 1988 in Dienst gestellt). Der Kreuzer dürfte mit seinen zahlreichen Waffensystemen (Marschflugkörpern SS-N-12 Sandbox SSM gegen Seeziele, Fliegerabwehrlenkwaffen SA-N-4 SAM Grumble u.a.) verschiedene Übungen gegen Überwasserziele durchgeführt haben. Der Zerstörer könnte mit seinen Waffensystemen (Flugkörper SS-N-14 Silex SSM gegen Seeziele, Minen u.a.) den Kreuzer gegen von Kampfflugzeugen und U-Booten supponierte Angriffe geschützt haben.

Beinahe zeitgleich tauchte vor der Ostküste Australiens eine weitere russische Flottille auf, angeführt vom Flaggschiff der russischen Pazifikflotten, dem Raketenkreuzer Warjag (Projekt 1164), der auch zur Slawa-Klasse gehört. Die Hauptbewaffnung dieses Kreuzers weicht, was die Hauptbewaffnung mit dem Raketentyp betrifft, von jenem des Kreuzers Moskwa etwas ab (Warjag: P-500M (Basalt), Moskwa: P-1000 (Vulkan)).[2] Begleitet wurde der Raketenkreuzer vom Raketenzerstörer Marshal Shaposhnikow, der wie Admiral Vinogradov zur Udaloy-Klasse gehört. Beide Kriegsschiffe wurden durch einen Tanker und einen Schlepper unterstützt. Diese russische Flottille wurde bereits vor der Nordküste Australiens von verschiedenen australischen Kriegsschiffen, so der Fregatte Parramatta, abgefangen. Sollten die Teilnehmer der G-20-Konferenz in Brisbane, an der auch Wladimir Putin teilnahm, durch das Erscheinen der russischen Kriegsschiffe beeindruckt werden?

Während die sechs russischen Schiffe den Pazifik befuhren, tauchte die russische Fregatte Yaroslav Mudry und der Tanker Kola im Indischen Ozean auf und legten im Hafen von Colombo, Sri Lanka, an. Ebenfalls tauchte eine weitere russische Flottille im Ärmelkanal auf.

Bereits im September 2013 hatte ein Teil der Nordflotte unter Führung des nuklearangetriebenen Raketenkreuzers Pyotr Veliky (Peter der Grosse, Kirov-Klasse, Einsatzverdrängung 24‘000 Tonnen, Flaggschiff der Nordflotte), unterstützt durch die nuklearangetrieben Eisbrecher Yamal, Vaigach, Tamyr und 50 Let Pobedy, vom Hafen von Severomorks aus die Barents-, die Kara- und die Laptewsee durchkreuzt.[3] Dabei erfolgten verschiedene Landungen auf den Archipels Franz-Joseph-Land, Nowaja Semlja und der Neusibirischen Inseln. Verschiedene Flugplätze und Stützpunkte, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion aufgegeben wurden, sollen offenbar im Rahmen solcher Manöver wieder reaktiviert werden. Dazu gehört auch der Flugplatz Temp auf der Kotelny-Insel (Neusibirische Inseln).

Welche Ziele verfolgt der russische Präsident Putin mit seinen Seemanövern? Nach der Instandstellung der russischen Überwasserkriegsschiffe tauchen sie in den letzten fünf Jahren immer häufiger vor ausländischen Küsten und Häfen auf. Der Amerikaner Mark Adomanis vertritt die Auffassung, Putin wolle mit seinen Kriegsschiffen nur eine Machtdemonstration betreiben: „Instead the navy serves primarily as a display of the country’s global significance and its status as a ‘great power’”.[4] Denkbar ist aber auch, dass mit diesen Manövern die Verteidigungsfähigkeit und damit die Schwächen insbesondere der NATO-Staaten ausgelotet werden sollen und dass die daraus gewonnenen Erkenntnisse die Grundlage für politische und militärische Drohungen gegenüber der NATO und der EU sein könnten.

[1] Adomanis, M., Opinion: Russian Show of Surface Force Is Mostly Fizzle, U.S. Naval Institute, November 26, 2014.

[2] http://topwar.ru/24967-raketnye-kreysera-proekta-1164-atlant.html (wir danken für diesen Hinweis Herrn Holger Neidel)

[3] Russian military resumes permanent Arctic presence, RT, September 14, 2013.

[4] Adomanis, M.

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