In den westlichen Medien wird der Islamische Staat als Terrormiliz bezeichnet. Dass dieser Ausdruck nicht zutrifft, kann anhand der Kriegführung dieses staatsähnlichen Gebildes ermessen werden. Der Islamische Staat hat in den letzten Jahren mit Hilfe von Offizieren der früheren Armee Saddam Husseins eine reguläre Armee aufgebaut. Mit dieser Armee führt IS einen konventionellen Krieg im Irak gegen die Armee von Bagdad und in Syrien gegen die Kurden und das Regime von Assad. Diese Kriegsführung wird vor allem in Bagdad durch einen Guerillakrieg mit Anschlägen und den Einsatz von Selbstmördern und Autobomben ergänzt. Das Ziel dieser Anschläge dürfte auf die Destabilisierung der Regierung und Verwaltung des Iraks gerichtet sein und könnte als Vorbereitung für die Eroberung Bagdads dienen.

Gleichzeitig nützt der Islamische Staat die sozialen Medien für die Verbreitung seiner Botschaften in den Industriestaaten aus. Mit seiner Public Relations-Offensive erfasst der Islamische Staat insbesondere junge Muslime und Konvertiten (Sunniten) in den Industriestaaten. Mit seinen Botschaften werden diese jungen Menschen zu einer Reise nach Syrien und zum Einsatz als Kämpfer für den Jihad des Islamischen Staates gegen die „Ungläubigen“, so gegen schiitische „Ketzer“, Christen, Juden und Yeziden motiviert. Für die Terrorisierung und Abschreckung der Gegner werden gefangene „Ungläubige“ hingerichtet.

Nach der Plünderung der Banken des Iraks und Syriens lässt der Islamische Staat für die Geldbeschaffung Mitarbeiter von westlichen NGOs in Syrien entführen und erpresst von deren Regierungen und Organisationen Geld. Gleichzeitig wird Erdöl aus Syrien in die Türkei geschmuggelt und dort verkauft.

Die eroberten Gebiete werden mit Hilfe einer eigenen Verwaltung kontrolliert und überwacht.

Sowohl Strategie als auch Taktik der Kriegsführung des Islamischen Staates müssen als ausgeklügelt bezeichnet werden. In der Fachliteratur wird diese Kombination verschiedener Methoden und Mittel des Krieges als „Hybride Kriegsführung“ bezeichnet:

„This unprecedented synthesis is what we call Hybrid Warfare.“[1]

Die Beschränkung des Krieges der US-Koalition auf Airpower gegen diesen Gegner, der die Hybride Kriegsführung konsequent einsetzt, könnte trotz zunehmender Verwendung von Kampfflugzeugen langfristig mit einem Patt enden:

„But while the Air Force personnel who help plan airstrikes against the Islamic State from here will have more firepower to bring to bear, they face an unusual enemy, a hybrid between a conventional army and a terrorist network, that has not proved to be an easy target for American air power.“ [2]

Interessanterweise setzt der russische Präsident Wladimir Putin gegen die Ukraine eine ähnliche Form der Hybriden Kriegsführung ein. Durch die Unterstützung von sogenannten Aufständischen in der Ost-Ukraine und dem Stopp von Kohlelieferungen und Lieferungen anderer Energieträger an die Ukraine versucht Putin die Regierung in Kiew zu erpressen, seinen politischen Zielen gefügig zu machen und die Ukraine wieder in den russischen Machtbereich einzugliedern. Gleichzeitig dient die russische Propaganda in den westlichen Medien der Verbreitung der „gerechten“ Absichten Russlands. Das „arme“ Russland wird seit dem Ende des Kalten Krieges durch die NATO und EU „genötigt“ und muss sich verteidigen. Insbesondere die europäischen Staaten sollen mit dieser Propaganda davon überzeugt werden, dass sie mit Russland wieder zum „courant normal“ zurückkehren sollen.

Ändert der Westen seine gegenwärtige Strategie und Kriegsführung nicht sehr bald, dann könnte am Ende sowohl der Krieg gegen den Islamischen Staat als auch die machtpolitische Auseinandersetzung mit der Russischen Föderation mit einem Patt und damit mit einer Niederlage enden.

[1] Countering hybrid threats: challenges for the West, IISS Strategic Comments, The International Institute for Strategic Studies, London, November 21, 2014, p.1.

[2] Schmitt, E., U.S. Adds Planes to Bolster Drive to Wipe Out ISIS, The New York Times, Middle East, November 26, 2014.

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