Während US-Präsident Barack Obama an der Wirtschaftskonferenz APEC (Asia-Pacific Economic Cooperation) in Beijing sich für den Abschluss eines Abkommens über die Reduktion von Schadstoffemissionen mit China einsetzte, liess der russische Präsident Wladimir Putin mit dem Flaggschiff der Schwarzmeerflotte, dem Raketenkreuzer (Raketnyy Kreyser) Moskwa,[1] im Südchinesischen Meer ein Manöver durchführen. Beinahe zur gleichen Zeit ist eine Flottille unter Führung des Raketenkreuzers Varyag (Raketnyy Kreyser), das Flaggschiff der russischen Pazifik-Klasse, vor der Nord- Küste und anschliessend vor der Ost-Küste von Australien aufgetaucht.[2]

Die Moskwa gehört zur gleichen Slava-Klasse wie die Varyag, weist eine Einsatzverdrängung von 11‘500 Tonnen auf und wurde 1983 in Dienst gestellt. Das Kriegsschiff verfügt über eine Mannschaft von 500 Seeleuten und ist mit 16 Werfern der sehr wirkungsvollen Anti-Schiff-Marschflugkörpern P-500 (NATO-Bezeichnung SS-N-12 Sandbox) bewaffnet. Eine SS-N-12 hat eine Reichweite von 556 km und kann mit einem konventionellen (1‘000 kg) oder einem nuklearen Gefechtskopf ausgerüstet werden.

Die Moskwa hat am 6. September den Stützpunkt Sewastopol auf der Krim verlassen, vermutlich Ende September den syrischen Hafen Tartus angelaufen und Ende September einen Hafenbesuch in Griechenland absolviert. Mitte Oktober hat die Moskwa den Suezkanal durchschifft und ist am 23. Oktober in Colombo, Sri Lanka, eingetroffen. Anschliessend tauchte die Moskwa in Singapur auf. Mit dem eindrücklichen Waffenarsenal (Fliegerabwehrlenkwaffen und Fliegerabwehrgeschütze, Torpedos, Minen, Marschflugkörper) dürfte die Moskwa im Südchinesischen Meer verschiedene Manöver (Flieger-, U-Boot- und Schiffsabwehr) durchführen können.

Der genaue Auftrag, den Präsident Putin der Moskwa erteilt hat, ist unbekannt. Russland hat sowohl mit China als auch mit Vietnam, den Hauptakteuren im Südchinesischen Meer, sehr gute wirtschaftliche, diplomatische und militärische Beziehungen. Beide Staaten streiten sich aber um den Besitz und die Kontrolle der Paracel- und Spratley-Inselgruppen und zwar sowohl wegen der seestrategischen Bedeutung dieser Inseln im Südchinesischen Meer als auch wegen der Rohstoffe, die unter diesen Inseln vermutet werden. Trotz der mit Beijing vor kurzem abgeschlossenen Verträge über Erdgaslieferungen und Cybersecurity haben bis jetzt Russland und Putin eine neutrale Haltung in diesem chinesisch-vietnamesischen Konflikt eingenommen. Merkwürdig ist, dass Russland für diesen Einsatz ein Überwasserkriegsschiff verwendet. In beinahe allen bisherigen Seemanövern hat Russland U-Boote und Kampfflugzeuge eingesetzt. Während die russische U-Boot-Flotte in den letzten Jahren einen Modernisierungsschub erfahren hat, lässt die Modernisierung der Überwasserkriegsschiffe bis jetzt zu wünschen übrig. Beinahe ein Einzelfall war bisher das Seemanöver des nuklearangetriebenen Raketenkreuzers (Atomnaya Raketnyy Kreyser, Kirow-Klasse) Petr Velikiy (Peter der Grosse), der zur Nordflotte gehört, 2010 im Japanischen Meer. Die Verlegung der Moskwa und der Flottille der Varyag könnten darauf hinweisen, dass Russland nicht nur mit seiner Tu-95-Bomberflotte, sondern auch mit seinen Überwasserkriegsschiffen den Anspruch, eine wiedererstarkte Grossmacht zu sein, demonstrieren will.

Interessanterweise ist zum gleichen Zeitpunkt China daran, den Instand gestellten Flugzeugträger Liaoning mit 24 Mehrzweckkampfflugzeugen J-15 Flying Shark auszurüsten. Bei den J-15 handelt es sich um durch China weiter entwickelte russische Kampfflugzeuge Su-27/30 Flanker von Suchoi.[3] Als Triebwerke verfügen die J-15 über die russischen Saturn AL-31 Turbotriebwerken. Des Weiteren gibt es Hinweise auf die Absicht Chinas, eigene moderne Flugzeugträger herzustellen. Sehr interessant ist auch, dass China jetzt die Produktion des Stealth-Kampfflugzeugs J-31 Shenyang (5. Generation) aufgenommen hat, der noch vor drei Jahren als Prototyp galt.[4] Der J-31 soll die gleichen Fähigkeiten wie der amerikanische F-35 von Lockheed Martin aufweisen. Dem J-31 werden sogar Exportchancen eingeräumt.

Alle diese Ereignisse weisen darauf hin, dass die Geopolitik Eurasiens und des Pazifik sich in absehbarer Zeit sehr schnell verändern wird. Mitverantwortlich dafür sind der politische und wirtschaftliche Abstieg der USA und der rasante wirtschaftliche Aufstieg Chinas. Wer diese geopolitische Entwicklung übersieht, den wird, „weil er zu spät kommt, das Leben bestrafen!“

[1] LaGrone, S., Russian Missile Cruiser to Conduct Live Fire Drills in Rare Visit to South China Sea, U.S. Naval Institute, Maryland, November 5, 2014.

[2] LaGrone, S., Australian MoD: Russian Surface Group Operating Near Northern Border, U.S. Naval Institute, Maryland, November 2012.

[3] Yeo, M., Chinese Carrier Fighter Now in Serial Production, U.S. Naval Institute, Annapolis, Maryland, November 10, 2014.

[4] Majumdar, D., New Chinese Stealth Fighter Relies on Russian Jet Engine, U.S. Naval Institute, Annapolis, Maryland. November 10, 2014.

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