Am 8. August 2014 hat der durch die USA geführte Luftkrieg gegen den Islamischen Staat eingesetzt. Die ersten Ziele im Irak wurden durch amerikanische Kampfflugzeuge bombardiert. Interessanterweise hat das Pentagon bis heute nur zurückhaltend über die Zahl der Angriffe und die Wirkung gegen ausgewählte Ziele informiert. Aufgrund der bescheidenen Informationen erhält man den Eindruck, dass dieser Luftkrieg bis zum 20. Oktober eher einem „Window Dressing“ als einer gezielt geführten Air Campaign glich! Am jenem Oktobertag eskalierte der Luftkrieg durch die Steigerung auf 200 Luft-Boden-Angriffe, allerdings zugunsten der kurdischen Verteidiger der syrischen Ortschaft Kobane. Zugleich wurde die Unterstützung der irakischen Truppen in der Provinz Anbar zurückgesetzt.[1] Durch die Konzentration ihrer Luftangriffe auf die vielleicht politisch wichtige, aber strategisch bedeutungslose Ortschaft Kobane haben sich die USA in einem gewissen Sinne von den eigentlichen Kriegszielen des Kalifen Ibrahim ablenken lassen. Mit seinen Anschlägen in Bagdad strebt dieser ganz offensichtlich die Vernichtung der irakischen Regierung und die Eroberung das Kalifenstadt Bagdad an.

Nach mehr als 2,5 Monaten Luftkrieg haben die USA bis zum 20. Oktober 310 Luft-Boden-Angriffe auf Ziele im Irak und 231 Angriffe auf Ziele in Syrien ausgeführt. Demzufolge flogen die amerikanischen Kampfflugzeuge pro Tag selten mehr als 25 Angriffe gegen Ziele im Irak und in Syrien. Teilweise dürften es sogar weniger als 7 Angriffe pro Tag gewesen sein. Welche Ziele wurden dabei angriffen und vernichtet? Gemäss einer BBC-Analyse erfolgten bis zum 8. Oktober 300 Angriffe gegen Kampffahrzeuge, 25 Angriffe gegen Kämpfer, 20 Angriffe gegen Raffinerien, 75 Angriffe gegen Feuerstellungen, 35 Angriffe gegen Stützpunkte und Kommandoposten und 35 Angriffe gegen Checkpoints, Garnisonen und Ausbildungslager des IS.[2] Fazit: Mit dem bisherigen Luftkrieg wurden nur wenige Kämpfer des Islamischen Staates ausgeschaltet und Kalif Ibrahim verfügt nach wie vor über eine weitgehend intakte Streitmacht.

Der Vergleich dieses Zielkatalogs mit jenem der Operation Desert Storm von 1991 gegen Saddam Hussein stellt einen erfolgreichen US-geführten Luftkrieg gegen den Islamischen Staat infrage. Vom 17. Januar bis 28. Februar 1991 flogen damals die alliierten Luftstreitkräfte 42‘000 Luft-Boden-Angriffe. Davon waren 23‘430 gegen die irakischen Landstreitkräfte gerichtet, 2‘990 gegen Flugplätze, 1‘460 gegen Stellungen der Boden-Boden-Lenkwaffen SCUD, 1‘370 gegen Fliegerabwehrlenkwaffenstellungen, 1‘170 gegen Kommunikationslinien, 1‘160 gegen Seestreitkräfte, 970 gegen die Rüstungsindustrie, 970 gegen Massenvernichtungswaffen, 630 gegen die Luftverteidigung, 580 gegen die Telekommunikation, 540 gegen die Brennstoffversorgung, 370 gegen Seeziele, 345 gegen die Stromversorgung und 260 gegen die Führung des Iraks von Saddam Hussein.[3] Am Ende von Desert Storm war das Kriegführungspotential des Iraks nachhaltig ausgeschaltet.

Der Unterschied ist augenfällig. Sollte der gegenwärtige Luftkrieg gegen den Islamischen Staat im bisherigen Rhythmus weitergeführt werden, bleiben die Wirkungen auf das Kriegführungspotential des IS weiterhin bescheiden. Präsident Obamas Air Campaign gegen den Islamischen Staat würde demnach noch Jahre andauern – eine Prognose, die er persönlich abgegeben hat.

[1] Cordesman, A.H., The Imploding U.S. Strategy in the Islamic State War?, Center for Strategic and International Studies, Washington DC, Oct 23, 2014, p. 3.

[2] Cordesman, A.H., p. 3.

[3] Keaney, Th.A., and E.A. Cohen, Revolution in Warfare? Air Power in the Persian Gulf, Naval Institute Press, Annapolis, Maryland, 1993, p. 56.

So auch Cordesman, A.H., The Air War Against the Islamic State: The Need for An „Adequacy of Resources”, Revised Edition, Center for Strategic & International Studies, Washington DC, October 17, 2014, p. 9/10.

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