Am 8. August haben die Luftangriffe der USA und ihrer Alliierten gegen die Angriffsoperationen und Waffenstellungen der Streitkräfte des Islamischen Staates eingesetzt. Seither sind über 2 Monate verstrichen. In dieser Zeit sind durch die Kampfflugzeuge der USA und der Alliierten 412 Luft-Boden-Angriffe im Irak und in Syrien geflogen worden. Dies bedeutet, dass pro Tag 7 Angriffe erfolgt sind über einem Gebiet von 130‘000 qkm, das durch den Islamischen Staat (IS) kontrolliert wird.[1]

Frühere Luftkriege lassen andere Dimensionen erkennen. Während des 43 Tage dauernden Luftkrieges „Desert Storm“ gegen die Streitkräfte von Saddam Hussein 1991 flogen die alliierten Luftstreitkräfte 112‘000 Kampfeinsätze.[2] Davon waren 48‘224 Luft-Boden-Angriffe. Demzufolge flogen pro Tag Bomber und Jagdbomber 1‘100 Angriffseinsätze. Allein im Operationstheater Kuwait wurden insbesondere durch die Bombardierungen mit schweren Bombern B-52 3‘847 Panzer, 1‘450 Schützenpanzer und 2‘917 Artilleriegeschütze vernichtet.[3]

2003 flogen die USA und ihre Allianz der Willigen gegen die Streitmacht von Saddam Hussein, die damals bereits ab 1991 durch die ununterbrochen erfolgten Luftangriffe gegen die irakische Luftverteidigung sehr geschwächt war, pro Tag 800 Luft-Boden-Angriffe. Im 78-Tage dauernden Luftkrieg von 1999 gegen die ehemalige Bundesrepublik Jugoslawien und im 75 Tage andauernden Luftkrieg von 2001 gegen die afghanischen Taliban erfolgten pro Tag 138 bzw. 86 Luftangriffe.[4]

Allein der zahlenmässige Vergleich der gegenwärtigen Luftkriegsoperation mit den früheren Luftkriegen lässt erkennen, dass etwas nicht stimmt. Offenbar führen die USA und ihre Alliierten einen Luftkrieg, der gegen Einzelziele, wie z. B. Kämpfer von IS, gerichtet ist. Diese Art von Luftkrieg hat sich in den letzten Jahren bei den USA und ihren Alliierten im Krieg in Afghanistan gegen die Taliban eingebürgert. Unter allen Umständen sollen dabei Kollateralschäden an der Zivilbevölkerung vermieden werden. Mit dieser Art des Vorgehens wird aber der massive Einsatz von Bombern und Jagdbombern gegen feindliche Stellungen vermieden und damit die Führung eines wirksamen Luftkrieges verhindert.

Ein weiterer Faktor behindert die Wirkung dieser „chirurgischen“ Luftangriffe. Die USA und ihre Alliierten haben keine Bodentruppen im Einsatz und deshalb fehlen ihnen am Boden JTACs (Joint Terminal Attack Controllers, Fliegerleitoffiziere), die den Einsatz der Luftangriffe führen könnten. Nur diese können GPS-gesteuerte Bomben zielgenau lenken. Bedingt durch das Nichtvorhandensein von JTACs könnten Angriffe mit GPS-gelenkten Bomben zu Abweichungen von bis zu 153 Metern gegenüber dem Ziel führen.[5] Zur Vermeidung solcher Zielabweichungen werden offenbar durch die alliierten Luftstreitkräfte lasergelenkte Bomben kleinerer Sprengkraft eingesetzt.

Zur Bewältigung dieses Defizits sind offenbar kurdische Kämpfer in einem Schnellverfahren zu JTACs ausgebildet worden. Die Wirkung der alliierten Boden-Luft-Angriffe gegen die Kämpfer von IS in Kobane ist aber bisher nur bedingt verbessert worden.[6]

Nach wie vor muss der gegenwärtige Luftkrieg gegen den Islamischen Staat zu Recht als unseriös beurteilt werden.

[1] Gunzinger, M., and J. Stillion, The Unserious Air War Against Islamic State, The Wall Street Journal, Thursday, October 16, 2014.

[2] Stahel, A.A., Luftverteidigung – Strategie und Wirklichkeit, mit einem Vorwort von Kaspar Villiger, vdf, Zürich, 1993, S. 104.

[3] Stahel, A.A., S. 105.

[4] Gunzinger, M., and J. Stillion.

[5] Majumdar, D., Air Force Pilots Say They’re Flying Blind Against ISIS, TheDailyBeast.com, Oct.10.

[6] Schmitt, E., and K. Fahim, U.S. Steps Up Strikes on Embattled Town, Aided by Data from Kurds, New York Times, Oct. 16, P. A13.