In den westlichen Medien werden die Kommandeure des Islamischen Staates (IS) selten namentlich erwähnt, dabei haben diese zum bisherigen militärischen und politischen Erfolg des Islamischen Staates beigetragen. Einer dieser Kommandeure ist Abu Umar al-Shishani, der Abu Ghraib, die letzte Stadt der Provinz Anbar, erobert hat. Abu Ghraib befindet sich gerade ausserhalb der Stadtgrenzen von Bagdad. Wer ist dieser Kommandeur, der soeben erfolgreich die Operation Salahaddin-Anbar durchgeführt hat?[1]

Shishani ist achtundzwanzig Jahre alt und hiess ursprünglich Tarkhan Batirashvili. Er ist tschetschenischer Herkunft und wurde im georgischen Pankisi-Tal geboren. Im Krieg von 2008 kundschaftete er den Vorstoss der russischen Panzerkolonnen aus und übermittelte die Zieldaten an georgische Artillerieeinheiten. 2010 wurde bei ihm Tuberkulose diagnostiziert und er wurde ausgemustert. Da er illegal Waffen für tschetschenische Jihadisten lagerte, musste er eine sechzehnmonatige Gefängnisstrafe absitzen. Er verliess Georgien und tauchte 2013 in Syrien an der Seite einer Salafistengruppe auf.

Salahaddin-Anbar war offenbar nicht seine erste Planung einer Offensive. Im September konzipierte er einen Plan für die Eroberung des syrischen Stützpunktes Dayr az Zawr. Mit der Eroberung dieses Stützpunktes sollte der Islamische Staat über ein geschlossenes Gebiet von der syrischen Stadt Raqqah bis zur irakischen Stadt Ani verfügen. Kalif Ibrahim entschied sich für die sich zwar militärstrategisch nicht aufdrängende wohl aber politisch wichtige Offensive gegen Ayn al-Arab/Kobane. Shishani konzentrierte deshalb seine Aufmerksamkeit auf die irakische Provinz Anbar.

Im Verlauf des Jahres 2014 hatte der Islamische Staat einige Rückschläge in der Provinz Anbar erlitten. So leisteten sunnitische Stämme im irakischen Ramadi Widerstand gegen IS. Die irakische Armee wollte die Schwäche des Islamischen Staates ausnützen und verlegte, unterstützt durch US-Berater, Mitte September eine Eliteeinheit nach Saqlawiyah für einen Angriff auf Fallujah. Shishani beobachtete den irakischen Vorstoss. Die Irakis wurden durch eine Einheit des GMCIR (General Military Council of Iraqi Revolutionaries)[2] angegriffen. Der GMCIR ist eine baathistische Gruppe, die Teil des sunnitischen Aufstandes ist.

Shishani wartete ab bis die Irakis ihre Munition gegen die GMCIR-Einheit verbraucht hatten und umzingelte anschiessend am 18. September überraschend ein ganzes Bataillon der irakischen Eliteeinheit. Der irakische Nachschub wurde irrtümlicherweise über die IS-Stellungen abgeworfen. Dank dem Einsatz von Chlorgas und den von den Irakis erbeuteten Humvee liquidierte er am 22. September 300 bis 500 irakische Soldaten und führte 180 als Gefangene nach Fallujah ab.

Nach seinem Sieg wartete Shishani Verstärkungen aus Syrien ab. Anschliessend führte er einen Scheinangriff gegen Amiriyah durch und griff am 2. Oktober überraschend Hit von drei Richtungen an. Er umzingelte eine irakische Kompanie nördlich von Ramadi. Erfolgreich schnitt er dadurch Hit von Ramadi und Haditha ab und beendete nach der Eroberung von Hit die Bedrohung von Anah durch die irakischen Sicherheitskräfte.

Mit der Planung und Führung dieser Offensive hat sich Abu Umar al-Shishani als ein ausserordentlich erfolgreicher Taktiker des Islamischen Staates erwiesen.

[1] Gartenstein-Ross, D., The Islamic State’s Anbar Offensive and Abu Umar al-Shishani, WarOnTheRocks.com, Oct.9.

[2] Adnan, S., with A. Reese, Beyond the Islamic State: Iraq’s Sunni Insurgency, ISW, October, 2014, p.12-16.