General Philip Breedlove, U.S. Air Force und SACEUR (Oberkommandierender der NATO) hat die Art der Kriegführung, die der russische Präsident gegen die Ukraine einsetzt, als hybride Kriegführung bezeichnet.[1] Putin habe, wie er es bereits auf der Krim und in Transnistrien (Moldau-Republik) vordemonstriert hatte, in die Ukraine viele Einheiten der Elitetruppen SPETSNAZ eingeschleust. Die SPETSNAZ würden die sogenannten Aufständischen und Rebellen in der Ost-Ukraine nicht nur militärisch beraten, sondern die gesamte Operation gegen Kiew planen und führen. Gleichzeitig würden die russischen Landstreitkräfte im Grenzgebiet zur Ukraine diese Separatisten mit Waffen versorgen und auch als logistische Basis für diese dienen. Die dadurch geschaffene Lage würde es Putin in absehbarer Zeit ermöglichen, die Ost-Ukraine wie auch Transnistrien zu annektieren. Sowohl die Ukraine als auch die Moldau-Republik sind übrigens keine NATO-Mitglieder und geniessen deshalb auch deren Schutz nicht.

Diese Art der Kriegführung ist nicht neu. Der KGB hatte diese 1979 beim Umsturz und der Machtübernahme in Kabul eingesetzt. Mit Hilfe der Eliteeinheit ALPHA des KGB liquidierte Moskau den damaligen afghanischen Präsidenten Hafizullah Amin, gleichzeitig sabotierten die sowjetischen Berater Waffen und Führungssysteme der afghanischen Armee und stifteten Unruhe unter der Bevölkerung.[2] Als ehemaliger KGB-Agent ist Putin mit dieser hybriden Kriegführung bestens vertraut.

In Anbetracht der militärischen Ohnmacht der EU und der übrigen europäischen Staaten, wie Schweden und Finnland – alle haben sie nach dem Zerfall der UdSSR im Glauben an den Frieden schnell abgerüstet – muss damit gerechnet werden, dass Putin die gleiche Art der Kriegführung auch gegen die baltischen Staaten Lettland und Estland, trotz ihrer NATO-Mitgliedschaft, einsetzen wird. Sie weisen erhebliche russische Minderheiten (Lettland 27% und Estland 25%) auf und bilden damit die Basis für die hybride Kriegführung. Die Reaktion der grossen europäischen Staaten, so insbesondere Deutschlands, wird vermutlich angesichts dieser Bedrohung gleich Null sein. Nach wie vor vertritt die Regierung Merkel die Überzeugung, dass die NATO und die EU mit Putin reden und dadurch eine Deeskalation der gefährlichen Lage einleiten könnten. Reden ist mit Putin möglich – dies tut die Bundeskanzlerin ständig – nur wird dies nichts bringen. Russland ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt in Kontinentaleuropa die stärkste militärische Macht, der die Europäer, verstärkt durch ihre Abhängigkeit vom russischen Erdgas, hilflos ausgesetzt sind. Dazu kommt noch, dass die Weltmacht USA durch einen Präsidenten geführt wird, der mehr Ähnlichkeiten mit dem britischen Premier Chamberlain von 1938 als mit seinem Nachfolger Churchill aufweist.

[1] Alexander, D., Top NATO commander questions Russian intentions towards Moldova, Reuters, September 15.

[2] Boltunow, M., Terror Profis, Geschichte der geheimsten KGB Einheit, Verlag Das Neue Berlin, Berlin, 1994, S. 57-107.

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