In den Medien wird der Islamische Staat ISIS gemeinhin als Terrororganisation bezeichnet. Dabei wird offenbar bewusst oder unbewusst übersehen, dass es den Anführern von ISIS in kurzer Zeit gelungen ist, einen eigentlichen Staat mit einer funktionsfähigen Armee zu errichten. An der Spitze dieses Staates und der islamischen Armee steht der Kalif Abu Bakr al-Baghdadi, der aus dem arabischen Stamm des Propheten, der Quraisch, stammen soll. Im Stab und in der Armee des Kalifen wirken viele Offiziere der ehemaligen Armee Saddam Husseins mit. [1] Der Kalif bevorzugt als Führungskräfte anstelle von Zivilisten vor allem Offiziere. Diese Offiziere haben die Militärakademien zur Zeit Saddam Husseins absolviert und in den Kriegen von 1991 und 2003 gegen die Amerikaner gekämpft. Dadurch verfügen sie über erhebliche Kriegserfahrungen, die ihnen im Krieg gegen die durch die USA ausgebildete Armee des Iraks jetzt zugutekommen. Die meisten von ihnen hatten sich für eine Anstellung in der neuen Armee des Iraks beworben, wurden aber aufgrund ihrer Vergangenheit abgelehnt. Zu diesen Offizieren gehören Oberstleutnant Fadel al-Hayali, der der oberste Stellvertreter des Kalifen im Irak ist, und Oberstleutnant Adnan al-Sweidawi, der dem Militärrat von ISIS vorsteht. Von diesem Rat wird der Kalif militärisch beraten. Der Ausdruck Militärrat ist übrigens sowjetischer Herkunft und weist in die Zeiten Saddam Husseins. Dessen Armee wurde in den achtziger Jahren wesentlich durch Berater aus der damaligen UdSSR geprägt.

Der Kalif kontrolliert seinen Staat dank dem Einsatz von 25 Stellvertretern. Ein Drittel davon sollen ehemalige Offiziere der Armee Saddam Husseins sein. Die Aktionen von ISIS zur Befreiung von Gefangenen aus den irakischen Gefängnissen konnten durch den Einsatz von Soldaten aus der alten irakischen Armee erfolgreich durchgeführt werden.

Die Armee des Islamischen Staates setzt sowohl die konventionelle Kriegführung als auch den Guerillakrieg ein. Gegen die Peschmerga führt diese Armee mit ihren Waffen und Fahrzeugen einen klassischen Krieg. In den Städten, insbesondere in Bagdad, zermürbt der Islamische Staat die Sicherheitskräfte des Gegners mit Anschlägen der Stadtguerilla.

Die USA werden mit ihren Luftangriffen bzw. Airstrikes, die eher Nadelstichen gleichen, die konventionelle Armee des Kalifen kaum besiegen können. Diese Armee wird gut geführt, ist gut ausgerüstet und gut ausgebildet und kennt ihren wirklichen Gegner, die Streitkräfte der USA, dank den in der Vergangenheit geführten Kriegen sehr gut.


[1] Hubbard, B., and E. Schmitt, Trained in Army, ISIS Leaders Use Their Expertise. Jihad power structure; Aides from the era of Hussein re-emerge as commanders, New York Times, August 28, 2014, p. A1.

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