Kurz nach dem erfolgreichen Ende der Olympischen Winterspiele in Sotchi lässt der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, durch eine ausgeklügelte Taktik und dem verdeckten Einsatz von SPETZNAZ-Einheiten die Krim-Halbinsel besetzen. Ohne lange zu zögern gliedert er die Halbinsel, die bis anhin zur Ukraine gehört hat, der Russischen Föderation an. Als offiziellen Vorwand für diese Aktion dient ihm die seit Katharina der Grossen während Jahrhunderten dauernde Beziehung zwischen Russland und der Krim. In Tat und Wahrheit aber ist der eigentliche Grund der Putsch in Kiew, der zur Vertreibung des Russland gewogenen ukrainischen Präsidenten Janukowitsch und zur Machtübernahme einer nationalistisch geprägten Interimsregierung, die Putin als faschistisch bezeichnet, geführt hat. Eine Abkoppelung der Ukraine vom russischen Machtbereich könnte die Folge des Putsches sein – eine Entwicklung, die Putin unter allen Umständen verhindern möchte.

Während die EU zuerst zögerlich auf diese Verletzung des internationalen Völkerrechts durch Putin reagiert, verhängt der amerikanische Präsident gegenüber Russland die ersten Sanktionen. Mit diesen soll der Machtzirkel um Putin getroffen werden. Als Bremser in der EU erweist sich zunächst Deutschland. Die Regierung von Frau Merkel möchte unter keinen Umständen die guten Wirtschaftsbeziehungen Deutschlands mit Russland gefährden. Diese und die deutschen Investitionen in Russland garantieren Deutschland die Aufrechterhaltung von mehreren 100‘000 Arbeitsplätzen. Ein weiterer Faktor ist die Erdgasabhängigkeit Deutschlands von den russischen Lieferungen. Stundenlang telefoniert Merkel mit Putin und versucht diesen zur Aufgabe der Krim zu überreden. Ohne Erfolg. Auch Deutschland muss sich der Politik der USA und der EU fügen. Die Sanktionen der USA und der EU werden immer härter.

Putins nächster Akt ist die verbale Unterstützung der russischen Separatisten in der Ostukraine, vermutlich verknüpft mit Waffenlieferungen und der Entsendung von militärischen Beratern und Söldnern durch Russland. Diese sogenannten Separatisten erklären ihre Loslösung von Kiew. Kiew holt zum militärischen Gegenschlag aus. Nach anfänglichen Misserfolgen gelingt es der ukrainischen Regierung, das durch die Separatisten kontrollierte Gebiet einzuengen. Der erfolgreiche Vorstoss der Ukrainer könnte die Folge der Entsendung von militärischen Beratern nach Kiew durch die USA sein.

Nach der Wahl des ukrainischen Präsidenten Poroshenko verhärtet sich die Haltung von Kiew gegenüber den Separatisten. Trotz Rückschlägen zeichnet sich ein Erfolg der ukrainischen Armee ab. Gleichzeitig verhängen die USA, die die EU vor sich her treiben, schärfere Sanktionen gegenüber Moskau, die insbesondere gegen das russische Finanzsystem und „Freunden“ von Putin gerichtet sind. Die USA werden dabei durch Polen und die baltischen Staaten unterstützt, die insgeheim vor allem Deutschland der Feigheit bezichtigen. Gleichzeitig beschuldigt Putin Kiew der Verletzung des Völkerrechts, was den Krieg gegen die Separatisten betrifft.

Eine Niederlage der Separatisten ist vorstellbar. Nun schiessen diese mit einem hochmodernen Fliegerabwehrlenkwaffensystem BUK (NATO-Bezeichnung SA-11 GADFLY) irrtümlich oder bewusst, darüber wird insbesondere in den amerikanischen Medien spekuliert, das Passagierflugzeug MH17 der Malaysia Airlines ab. Die Folge sind 298 Tote. Möglicherweise ist dieses Fliegerabwehrsystem aus Russland an die Separatisten geliefert und vielleicht auch durch Russen betrieben worden. Auf Druck des Kongresses erlässt Obama noch härtere Sanktionen gegenüber Russland. Der EU wirft er zunächst Untätigkeit vor. Diese wird offensichtlich durch Deutschland in dieser Eskalation der Sanktionen zuerst noch gebremst. Wieder gibt es stundenlange Telefongespräche zwischen Merkel und Putin. In den deutschen Medien wird das tragische Ereignis nicht als Abschuss, sondern als Absturz bezeichnet. Eine Bezeichnung, der sich zunächst beinahe alle Schweizer Medien anschliessen. Am Ort der abgeschossenen Maschine behindern die Separatisten die Aufklärung des Abschusses durch Vertreter der OSZE.

Gibt nun Putin nicht nach und distanziert sich nicht von den Separatisten, dann werden die USA durch neue Sanktionen vermutlich das gesamte Finanzsystem Russlands anvisieren wollen, das immer noch weitgehend auf den Zugang zur Finanzwirtschaft des Westens angewiesen ist. Sanktionen dieser Art dürften zu gravierenden Auswirkungen für die russische Wirtschaft führen. Russland würde dadurch politisch erheblich geschwächt werden. Die USA könnten damit auch das Problem Russland mit seinem antiamerikanischen Präsidenten Putin im Sinne eines regime change definitiv beseitigen. Gleichzeitig würde durch den erzwungenen Nachvollzug der amerikanischen Sanktionen auch Deutschland, das seit der Verweigerung der Allianztreue im Irakfeldzug von 2003 von den USA mit Misstrauen beäugt wird, in die Knie gezwungen werden. Diese Art von Politik erscheint zynisch, sie entspricht aber der während Jahrtausenden durch Grossmächte betriebenen Machtpolitik gegenüber den Unterlegenen und Besiegten.