Vom 17. März bis zum 5. Juni 2014 hat das amerikanische Institut Pew Research Center die Bevölkerungen verschiedener asiatischer Staaten über ihre Beurteilung von China und der USA befragt.[1] Die Befragung fand in folgenden 10 Staaten statt:

Japan, Vietnam, Indien, Philippinen, Südkorea, Indonesien, Thailand, Malaysia, Bangladesch, Pakistan.

Die Ablehnung Chinas ist in Japan am höchsten. Dagegen wird China in Pakistan am positivsten beurteilt. Während nur 7% der Japaner eine positive Einstellung gegenüber China bekunden, stehen 66% der Japaner für die USA ein. In Pakistan ist es gerade umgekehrt. 78% der Pakistani weisen eine positive Einstellung gegenüber China auf und nur 14% der Pakistani beurteilen die USA als positiv. Beinahe die gleichen Werte wie in Japan zeigen die Bevölkerungen dreier weiterer Staaten:

  • in Vietnam beurteilen 76% der Bevölkerung die USA als positiv und nur für 16% trifft die gleiche Beurteilung für China zu;
  • in Indien sehen 55% die USA als positiv an und nur für 31% trifft dies auch für China zu;
  • 92% der Bevölkerung der Philippinen beurteilen die USA als positiv und nur für 38% gilt dies auch für China.

 

Die Bevölkerungen der übrigen Staaten beurteilen die USA und China beinahe gleichwertig.

Gleichzeitig befürchten die Bevölkerungen vieler dieser asiatischen Staaten den Ausbruch eines bewaffneten Konfliktes mit China. In den Philippinen sind es 93% der Bevölkerung, in Japan 85% und in Vietnam 84%. Diese Einschätzung dürfte die Folge der durch China betriebenen Politik im Südchinesischen und Ostchinesischen Meer sein. Ohne Rücksicht auf die Philippinen, Vietnam, Malaysia, Indonesien und Brunei beansprucht die Volksrepublik China den gesamten Raum des Südchinesischen Meer als eigenes Territorium. Diesen Anspruch versucht China mit der Kontrolle über die Paracel- und die Spratley-Inseln durchzusetzen. Gleichzeitig beansprucht aber auch Vietnam die Paracel-Inseln für sich. Die Philippinen, Vietnam, Malaysia, Indonesien und Brunei sehen einzelne der Spratley-Inseln als ihr Staatsgebiet an. Unter beiden Archipelen werden Rohstoffverkommen vermutet. Im Ostchinesischen Meer erhebt China Anspruch auf die Diaoyu-Inseln, die Japan als Senkaku-Inseln kontrolliert. Mit der Durchsetzung dieser Ansprüche könnte China den gesamten Schiffsverkehr in den beiden Meeren kontrollieren und im Kriegsfall auch ausschalten.

Um diese beschriebenen territorialen Ansprüche durchzusetzen rüstet die Volksrepublik seine Seestreitkräfte massiv auf. Dazu gehört insbesondere die Indienststellung von nuklear angetriebenen Unterseebooten und landgestützten ballistischen Boden-Boden-Flugkörpern. Mit diesen will China die seestrategische Vormachtstellung der amerikanischen Flugzeugträgerflotten ausmanövrieren. Die Seemacht USA wiederum will die Kontrolle des internationalen Schiffsverkehrs durch China im Süd- und im Ostchinesischen Meer nicht tolerieren und pocht auf die Akzeptanz der freien Schifffahrt.

China hat aber als aufstrebende Seemacht neben der Kontrolle der erwähnten Meere weitere Ziele. Dazu gehört zunächst die Einnahme von Taiwan. Dies kann gewaltlos oder durch eine militärische Eroberung erfolgen. So oder so muss China schrittweise die Präsenz der Seemacht USA im westlichen Pazifik mit dem asymmetrischen Drohpotential seiner Unterseeboote und langestützten Boden-Boden-Flugkörper ausschalten. Durch die Eroberung von Taiwan und der Verdrängung der USA aus den beiden erwähnten Meeren könnte China die ungehinderte Kontrolle über den gesamten Raum, der sich von den Ryukyu-Inseln bis zu den Spratley-Inseln erstreckt, durchsetzen. Dieser Raum wird durch chinesische Seeoffiziere als die erste Inselkette bezeichnet. Nach dem Erreichen dieses Ziels möchte China durch die Übernahme der zweiten Inselkette – nördliche Marianneninseln, Guam, Palau – den gesamten westlichen Pazifik für sich beanspruchen.

Nur die USA behindern die Umsetzung der Machtansprüche Chinas. Deshalb muss China die amerikanische Vormacht im westlichen Pazifik beseitigen. Dies dürfte aber nur durch einen Krieg erreicht werden können. Die Ergebnisse der erwähnten Umfrage sind eine Widerspiegelung dieser Lage.


[1] Browne, A., Asian Nations Fear Conflict With China, in: The Wall Street Journal, Tuesday, July, 15, 2014, p.7.

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