Eine Beurteilung aufgrund einer dreieinhalbwöchigen Reise in Asien.

Riesige Windenergieanlagen, die neue Schnellbahn und das Gebirgsmassiv Tianshan in Xinjiang. (Foto: Albert A. Stahel, 6. Mai 2014)
Riesige Windenergieanlagen, die neue Schnellbahn und das Gebirgsmassiv Tianshan in Xinjiang. (Foto: Albert A. Stahel, 6. Mai 2014)

Aufgrund der gegenwärtigen Ereignisse in der Welt könnte man geneigt sein, die heutige geostrategische Lage wie folgt zusammenzufassen: Obama verliert wegen des überstürzten Rückzugs seinen Afghanistankrieg; Putin gewinnt mit Zielstrebigkeit seinen Krieg im ukrainischen Donezk; der schweizerische Bundesrat setzt in gedankenloser Abrüstung die Sicherheit der Schweiz aufs Spiel und Europa – zusammen mit der Schweiz – rutscht langsam aber sicher vom Vorhof direkt in die geostrategische Hölle. Dieser Vorgang ist in der Geschichte der Menschheit nicht neu, sind doch immer wieder Reiche und Staaten durch selbstverschuldete Dekadenz untergegangen. Aufgrund dieser Entwicklung könnte man sich auch die Frage stellen: Quo vadis – Welt?, wäre da nicht der asiatische Gigant China, dessen geostrategische Zielstrebigkeit die Welt von Morgen verändern dürfte.

Im Eilzugtempo baut China eine neue eurasische Eisenbahnlinie quer durch seine Provinz Xinjiang und durch die zentralasiatischen Republiken Kirgistan und Usbekistan. Die Herrscher in Beijing wollen die Absatzmärkte in Europa hindernisfrei erreichen. Mit dem Riesenprojekt manövriert China gleichzeitig auch die Seemacht USA aus, die gegenwärtig immer noch die Meerengen kontrolliert. Ebenfalls wollen die Chinesen das Umladen der Güter auf die russische Breitspur der transsibirischen Eisenbahnlinie einsparen. Langfristig wird deshalb auch Russland durch diese neue Linienführung geopolitisch ausmanövriert und könnte sehr bald ins Abseits geraten. Der Bau von riesigen Windenergieanlagen in seinem Westen werden China mit der Zeit auch von den Gaslieferungen aus Russland unabhängig machen. Die dazugehörige Technologie kopieren die Chinesen hemmungslos von den Deutschen und den Dänen.

Damit die Uiguren der Provinz Xinjiang die geostrategischen Absichten Beijings nicht behindern, werden sie durch eine ununterbrochene Zuwanderung von Han-Chinesen zur Minderheit in ihrer eigenen Provinz gemacht und in Schach gehalten. Ihre islamische Religion auszuüben wird eingeschränkt. Der Islam soll in China keine Zukunft haben. Interessanterweise kopieren auch die Machthaber Usbekistans dieses Vorgehen Chinas, hört man doch nirgends den Ruf von Muezzins von den Minaretten, obwohl die zentralasiatische Republik die Medresen und Moscheen der Epoche der Timuriden in grandioser Art und Weise restauriert.

Fahrt von Urumqi nach Korla. (Foto: Albert A. Stahel, 6. Mai 2014)
Fahrt von Urumqi nach Korla. (Foto: Albert A. Stahel, 6. Mai 2014)

Der eigentliche Sieger des neu-alten Kalten Krieges zwischen den USA und Russland dürfte aufgrund dieser Entwicklung China sei. China und seinen zentralasiatischen Verbündeten wird in dieser Welt die Zukunft gehören. Während die militärische und wirtschaftliche Macht der USA im Eilzugtempo dahinschwindet, wird sich Russland inskünftig mit der zweiten Geige nach China abfinden müssen.