Aufgrund der vom Kongress und vom Präsidenten Obama verordneten Sparmassnahmen (Sequestration) im Verteidigungsbereich muss auch die US Air Force Budgetkürzungen vornehmen. Dazu gehören die Stilllegung von Stützpunkten, die Ausserdienststellung von Kampflugzeugen und der Verzicht auf neue Beschaffungen. Über die konkreten Auswirkungen und Massnahmen der Sequestration  bei der Air Force orientierten Acting Secretary of the Air Force Eric Fanning und Air Force Chief of Staff Mark A. Welsh III am 13. Dezember 2013 die Medien. Die Leitung der Pressekonferenz lag bei Brigadier General Les Kodlick, Director of Public Affairs.[1]

Vorweg erwähnte Eric Fanning, dass der 100. Joint Strike Fighter (F-35A) gerade in Fort Worth ausgeliefert worden sei. Alles weist daraufhin, dass dieser Kampfflugzeugtyp in der Zukunft zum eigentlichen Rückgrat der US Air Force wird und damit Zusammensetzung und Einsatz der amerikanischen Airpower bestimmen wird. In absehbarer Zeit wird die US Air Force insbesondere mit Stealth-Flugzeugen ausgerüstet sein. Die F-35A sollen die taktischen Einsatzrollen vieler bisheriger Kampfflugzeuge übernehmen. Dazu gehören Gefechtsfeldunterstützung (CAS, Close Air Support), Interdiktion und Interzeption.

Die Sequestration zwingt aber die Air Force auch zu Einsparungen bei der Einsatzfähigkeit, beim Unterhalt und bei den Investitionen. Bereits seit 20 Jahren wird die US-Flotte an Kampfflugzeugen zahlenmässig reduziert. Diese Reduktion wird fortgesetzt. Allerdings hat die Kampfkraft der jeweils in diesen vergangenen 20 Jahren neu eingeführten Kampfflugzeuge immer zugenommen.

Das eigentliche Opfer der Sequestration könnte das bewährte Erdkampfflugzeug A-10 Thunderbolt II (Warthog) sein. Dieser Flugzeugtyp mit der GAU-8/A Avenger 30mmm-Gatling-Kanone wurde aufgrund der Erfahrungen in Vietnam für die direkte Unterstützung der Erdtruppen entwickelt und der Air Force im Prinzip aufgezwungen. Mehrmals haben die Luftwaffengeneräle versucht, sich dieses ungeliebten Flugzeuges zu entledigen, und sind dabei aber immer am Widerstand des Kongresses gescheitert. Zu Recht, wie die verschiedenen US-geführten Kriege seit 1991 bewiesen haben, denn der Warthog hat sich als eines der wichtigsten Flugzeuge für die Unterstützung der kämpfenden Soldaten erwiesen. Die A-10 haben sich auch im afghanischen Kriegstheater bewährt. Offenbar unternehmen die Luftwaffengeneräle, von denen viele Jagdpiloten sind, mit Hilfe der Sequestration einen neuen Anlauf zur Beseitigung der A-10-Flotte. Eines der Argumente, das General Welsh an der Konferenz vorgebracht hat, ist, dass Gefechtsfeldunterstützung nur einer der vielen Aufträge der US Air Force sei:

„Close air support … it’s part of the global strike mission area, as we refer to it. And it’s the ability to strike throughout the depth of the battlefield – close air support, air interdiction, deep strike, everything that we have to do on the battlefield to support the combattant commander. ”

Wegen der Sequestration müsse die Air Force bis 2023 pro Jahr 12 Milliarden Dollar einsparen und die F-35A würden in der Einsatzrolle CAS die A-10 ablösen. Abgesehen davon seien 75% der CAS-Einsätze in Afghanistan durch andere Flugzeugtypen erfolgt, wie F-16, F-15E und die schweren Bomber B-1B und B-52.

Hinter dieser Argumentation versteckt sich eine weitere Überlegung. Die Air Force spekuliert darauf, dass Kriege wie im Irak und in Afghanistan mit ihrer Antiguerillakriegsführung der Vergangenheit angehören könnten. Die US Air Force ist bestrebt, zusammen mit der US Navy das operative Konzept AirSea Battle, das für eine kommende Auseinandersetzung gegen China entwickelt worden ist, zu planen und umzusetzen. In diesem Konzept übt die Gefechtsfeldunterstützung nur eine zweitrangige Funktion aus. Vorgesehen sind deep strike durch Kampfflugzeuge, schwere Bomber, Marschflugzeuge und trägergestützte Kampfflugzeuge gegen Ziele in China. Dieser Drohfinger für den zukünftigen Einsatz der Air Force ist bereits in der Planung. Die F-35A werden, nachdem die Beschaffung des anderen modernen Stealth-Kampfflugzeugtyp F-22 eingeschränkt wurde, wesentlich zur Umsetzung von AirSea Battle beitragen.

Neben der Verfügbarkeit über eine F-35A-Flotte soll AirSea Battle durch die Indienststellung eines neuen schweren Bombers, der jetzt entwickelt wird, noch glaubwürdiger werden. Dieser neue Bombertyp wird zur Ablösung der alten B-52 führen. Gemäss General Welsh werden die Kampfdrohnen Predator und Reaper weiterhin im Einsatz bleiben, um vor allem Eliteeinheiten zu unterstützen.

Mit dieser Medienkonferenz hat die Air Force ihre Führungsrolle, die sie bei der Entwicklung und beim Einsatz der US Airpower einnimmt, untermauert. Bemannte Kampfflugzeuge sollen, so die Luftwaffengeneräle, auch in der Zukunft ein Teil der Airpower der USA sein.


[1] Press Briefing by Acting Secretary of the Air Force Eric Fanning and Air Force Chief of Staff General Mark A. Welsh III on the State of the Air Force in the Pentagon Briefing Room, defense.gov/transcrips/transcript.aspx, 19.12.2013