Die Weltmacht USA interessiert sich immer weniger für das politische Geschehen in Europa. Ein Grund für dieses Desinteresse ist sicher der Machtzerfall der USA in der Welt und ihr militärischer Rückzug aus vielen Brennpunkten. Das bestimmt auch den Wert ihrer militärischen Organisation NATO, die für die Weltmacht zunehmend irrelevant wird, was sich nach dem Abzug aus Afghanistan 2014 noch verstärken könnte.

Mit der abnehmenden Glaubwürdigkeit der NATO aber verliert die EU ihren sicherheitspolitischen Schutz, der bis anhin die eigentliche Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg Europas war. Der militärische Abstieg der NATO zeigt bereits jetzt Folgen. Die EU verkommt als politische Organisation zu einem wirkungslosen Papiertiger. Der eigentliche Indikator für diesen Abwärtstrend dürfte die hoffnungslose Politik der EU als Antwort auf die russischen Erpressungen gegenüber der Ukraine sein. Anstatt der moskowitischen Intrige mit einer wirkungsvollen Strategie zu begegnen, bricht Brüssel in eine tränenvolle Jeremiade über das Scheitern der EU-Politik aus.

Nach ihrer Erpressung durch Putin gehört die Ukraine nun wieder definitiv zum russischen Machtbereich. Dank der Euro- und Finanzkrise und der Einnahmen aus dem Gasgeschäft ist Russland erneut zu einer Grossmacht aufgestiegen. Deutschland hat diese Entwicklung schon vor Jahren unter dem damaligen Bundeskanzler Schröder erkannt. Seither versucht Deutschland, sich mit Moskau zu arrangieren. Berlin verfolgt konsequent die deutschen Interessen und überlässt in zunehmendem Masse die ostmitteleuropäischen Staaten Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Slowakei den machtpolitischen Ansprüchen Putins. Das Sicherheitsdefizit dieser Staaten interessiert die Regierung Merkel trotz ihres lautstarken Protestes gegen das Vorgehen Moskaus gegenüber der Ukraine nicht im Geringsten. Priorität haben die Interessen und die Wohlfahrt Deutschlands. Die Tatenlosigkeit angesichts der politischen und wirtschaftlichen Lage Südeuropas und des Unvermögens dieser Staaten, der Völkerwanderung aus Afrika und dem Mittleren Osten Einhalt zu gebieten, widerspiegelt die deutsche Politik.

In absehbarer Zeit wird die geopolitische Lage Europas durch den sich abzeichnenden militärischen Abzug der USA bestimmt sein. Am Ende dieser Entwicklung könnte Mittel- und Osteuropa durch ein Kondominium aus dem neuen Zarenreich des Moskowitenherrschers Putin und dem Grossdeutschland von Berlin beherrscht werden.

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