Die Jihadisten der Jabhat Nusra-Gruppe, die mit Al-Kaida liiert sind, sollen zum zweiten Mal den christlichen Ort Maalula nördlich von Damaskus erobert und dabei vermutlich die christliche Kirche des Klosters Mar Sarqis zerstört haben. Diese Kirche dürfte die älteste Kirche der Welt sein. Scheck und Odenthal beschreiben in ihrem Reiseführer die Bedeutung von Maalula für die Christenheit:

„Das in einer malerischen Felsenschlucht gelegene, etwa 1650 m hoch gelegene Städtchen bildet eine Sprachinsel von einzigartiger Bedeutung, da hier noch ein Dialekt des Aramäischen (Neuwestaramäisch) gesprochen wird. Die zu etwa zwei Dritteln christliche Bevölkerung von Maalula (…) hat diese alte syrische Sprache, die  einmal Kanzleisprache des Achämeniden-Imperiums und die Volkssprache Grosssyriens war, im arabischen Umfeld bis heute bewahren können.“ [1]

Die christlichen Bewohner (griechisch-katholischen Glaubens) sind entweder geflüchtet oder durch die Jihadisten vermutlich getötet worden. Damit ist im Prinzip an dieser uralten christlichen Gemeinde ein Genozid vollzogen worden. Mit der Besetzung und der mutmasslichen Zerstörung dieses Ortes hat die Christenheit auch den direkten Bezug zur Zeit Christi verloren, war doch das Aramäische zur damaligen Zeit die Sprache der Levante.

Die Hintermänner der Jihadisten von Jabhat Nusra sind aber in Ankara und Riyad zu finden. Sowohl die Türkei als auch Saudi-Arabien haben verschiedene Jihadisten-Gruppen in Syrien bis anhin mit Geld und Waffen unterstützt. Das erklärte Ziel ist der Sturz des syrischen Machthabers Assad und die Umwandlung des säkularen Syrien in einen sunnitischen Staat. Noch bis vor kurzem wurde das Vorgehen der beiden Staaten stillschweigend durch die Obama-Administration und die britische Regierung Camerons gefördert.

Was die Schweiz betrifft, so hat bis vor kurzem insbesondere die linke Presse in unserem Lande in verschiedenen Beiträgen die Regierung Assad verdammt und dabei die Kriegsverbrechen der Jihadisten nicht erwähnt. Beinahe wäre man geneigt von einer Mitschuld dieser Medien am Genozid an dieser alten syrischen Christengemeinde zu sprechen.


[1] Scheck, F.R., und J. Odenthal, Syrien, Hochkulturen zwischen Mittelmeer und Arabischer Wüste. Dumont Kunst Reiseführer, DuMont Reiseverlag, Ostfildern, 3., aktualisierte Auflage, 2007, S. 174.