Seit dem Abzug der USA aus dem Irak erhält Ministerpräsident al-Maliki in Bagdad seine Weisungen aus Teheran. Dank der Förderung der Hisbollah im Libanon und der Unterstützung des Alawiten al-Assad in Syrien erstreckt sich der geopolitische Einfluss von Teheran beinahe auf den gesamten schiitischen Halbmond des Mittleren Ostens. Auch der westliche Teil von Afghanistan mit der alten Stadt Herat – dem Tor zu Indien ­­– gehört heute zum iranischen Machtbereich. Die USA wollen durch den Sturz Assads, des schwächsten Glieds im iranischen Machtbereich, Teheran geopolitisch schwächen. Der schiitische Halbmond soll in zwei Teile zerfallen. Bei diesen Machenschaften werden die USA von ihren saudischen Alliierten unterstützt. Der zweite Verbündete der USA in der Region, die Türkei Erdogans, will ebenfalls Assad beseitigen und ein sunnitisches Regime in Damaskus errichten.

Assad selbst wird direkt vom Iran und der libanesischen Hisbollah mit Kampftruppen und Waffen, indirekt aber auch von Russland mit Waffen versorgt. Zur Abwendung einer möglichen Konfrontation mit Russland verfolgt Obama bisher eine vorsichtige Strategie bei seiner Einmischung in den syrischen Bürgerkrieg. Obama will vorderhand nur Waffen an die Aufständischen der Free Syrian Army liefern. Die Free Syrian Army wird nach den Einschätzungen der republikanischen Lobbyisten in Washington DC von gemässigten Islamisten geführt. Neben diesen kämpfen aber auch Jihadisten aus dem Irak, die mit Al-Kaida liiert sind, gegen Assads Regime.

Weil Waffen in die Hände der Jihadisten geraten könnten, will Obama nur Infanteriewaffen und Panzerabwehrwaffen abgeben. Fliegerabwehrwaffen will er nicht liefern. Moderne Fliegerabwehrlenkwaffen könnten am Ende gegen die Zivilluftfahrt eingesetzt werden.

Das Ausbluten des syrischen Regimes könnte aber einen Zerfall des Landes in verschiedene Teile – in einen sunnitischen Staat der Salafisten in Damaskus und in ein Refugium der Alawiten an der Mittelmeerküste – zur Folge haben. Es besteht durchaus die Gefahr, dass der Krieg in Syrien am Ende zu einer überstaatlichen Anarchie und zu einer Destabilisierung des gesamten Mittleren Ostens führt. Jeder arabische Staat und vermutlich auch die Türkei könnte in den Sog des Chaos geraten. Anstelle eines Arabischen Frühlings wäre in der arabischen Welt der Winter der Salafisten eingebrochen.