Seit Washington DC in zunehmendem Masse und mit Erfolg Kampfdrohnen (UACVs, Unmanned Aerial Combat Vehicles) einsetzt gegen Führer der afghanischen und pakistanischen Taliban sowie der Al-Kaida, die sich in den autonomen Stammesgebieten Pakistans (FATA, Federally Administered Tribal Areas) aufhalten, ist die Obama-Administration von diesen unbemannten Waffensystemen überzeugt. Die CIA führt mit den Kampfdrohnen der Typen Predator und Reaper einen regelrechten High-Tech-Guerillakrieg gegen die Feinde der USA in Pakistan, Jemen und Somalia, zu den auch Menschen gehören, die vor nicht allzu langer Zeit in die USA eingebürgert wurden.[1] Der Erfolg und die Eskalation der Einsätze sind bis anhin Ursache dafür, dass Washington den Kauf von Kampfdrohnen in den letzten Jahren erhöht und immer mehr Mannschaften für deren Einsätze ausgebildet hat.

Von dieser Entwicklung der Kriegsführung zu den unbemannten Waffensystemen sind die Generäle und Piloten der US Air Force aber aus verständlichen Gründen nicht begeistert. Sie bestreiten die Wirkung der UACVs gegen einen Gegner, dessen Streitkräfte im 21. Jahrhundert mit modernen Waffen ausgerüstet seien. Grössere Armeen könnten, so ihre Argumentation, nur mit bemannten Waffensystemen bekämpft werden, die mit weitreichenden Luft-Boden-Lenkwaffen ausgerüstet sind. Die Generäle und Piloten setzen auf Waffensysteme wie das Kampfflugzeug F-35A und die Entwicklung eines neuen bemannten Langstreckenbombers.[2] Zwecks Ausschaltung von Konkurrenzprojekten haben sich die Generäle der US Air Force für die Beendigung der neuen Entwicklungsreihe der Aufklärungsdrohne Global Hawk und für die Halbierung der jährlichen Beschaffungszahlen der UACV Reaper von 48 auf 24 entschieden. Sie bevorzugen als operatives Einsatzkonzept für die Austragung zukünftiger Konflikte gegen den Iran und China AirSea Battle. Dieses Konzept sieht den Einsatz von Langstreckenbombern des Typs B-2A ab den Stützpunkten auf Guam und Diego Garcia gegen Ziele im Hinterland des Irans und Chinas vor. Unterstützt würde deren Einsatz durch trägergestützte Kampfflugzeuge.

Vor allem angesichts der beschleunigten Modernisierung der chinesischen Streitkräfte wird aber die Umsetzbarkeit dieses Konzeptes durch Vordenker der US Navy bezweifelt. Aufgrund ihrer Analysen würden sich die USA mit ihren weitreichenden Waffensystemen in Abnützungskriege gegen ihre Gegner einlassen, die sie verlieren würden.[3] Anstelle von Abnützungskriegen mit Flugzeugträgern und weit reichenden Bombern sollten die USA die zivile Schifffahrt Chinas mit ihren langen Seeverbindungen nach Afrika und Südamerika durch nuklearangetriebene Angriffs-U-Boote und Kampfdrohnen bedrohen und im Falle eines Konfliktes auch unterbrechen. Das Ziel einer solchen Strategie wäre das Abwürgen der gegnerischen Volkswirtschaften und damit deren wirtschaftlicher Zusammenbruch, was politische Veränderung erzwingen könnte. Auch bei dieser Konzeption handelt es sich eigentlich um einen Guerillakrieg, der aber auf See und vor der gegnerischen Küste ausgetragen würde. Sowohl der Iran wie auch China würden einen solchen Guerillakrieg verlieren. Aufgrund ihrer Insellage verfügten die USA, so diese Analysen, in Kriegen dieser Art über entscheidende Vorteile.

Trotz der gegenwärtigen Opposition der Generäle der US Air Force muss allerdings allein aufgrund der notwendigen Einsparungen bei den Fiskalausgaben für das Pentagon damit gerechnet werden, dass Obama und seine Administration langfristig noch mehr auf die Beschaffung und den Einsatz von UACVs setzen werden. Deren Unterhalt und Beschaffung ist bei weitem kostengünstiger als teuere Systeme wie F-35A und im Einsatz auch „effizienter“. Angesichts dieser Entwicklung könnten mit der Umsetzung von US-Airpower in naher Zukunft Army, Navy und CIA beauftragt werden. Verlierer wäre die US Air Force, die allzu lange die Entwicklung und Produktion bemannter Waffensysteme befürwortet und damit ihre Zukunft und Existenzberechtigung verspielt hätte. Die Luftkriege der Zukunft werden von den UACVs bestimmt.


[1] Targeted Killing (2013). International Herald Tribune, January 5-6, p. 6.

[2] Erwin, S.I. (2013). Air Force’s Relationship with Unmanned Aviation Hits Plateau. In: National Defense Business and Technology Magazine, January.

[3] Hammes, T.X. (2012). Offshore Control is the Answer. In: Proceedings, December, p. 22-26.

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