Vom 14. bis zum 20. November hat die Hamas aus dem Gaza-Streifen heraus Israel mit Raketen beschossen. Israel hat diesen Beschuss mit Bombardierungen der Raketenstellungen der Hamas beantwortet. Dabei dürfte die israelische Luftwaffe einen grossen Teil dieser Stellungen, die sich u.a. in palästinensischen Wohnquartieren befanden, vernichtet haben. Sowohl auf israelischer wie auch auf palästinensischer Seite sind Zivilisten getötet worden. Zusätzlich haben Netanjahu und seine Minister mit dem Einmarsch der israelischen Armee in den Gaza-Streifen, analog zur Operation von 2008/9, gedroht.

Die Hamas, die über den Gaza-Streifen herrscht, gilt als ein Teil der Internationalen der Muslimbruderschaft, die übrigens ihren Ursprung in Ägypten hat. Vermutlich auch deshalb hat der ägyptische Präsident Mohammed Mursi, selbst ein Muslimbrüder, sich für den Abschluss eines Waffenstillstandes zwischen Israel und der Hamas eingesetzt. Das entscheidende Motiv für seinen Einsatz dürfte aber die Nichtgefährdung der finanziellen Unterstützung seitens der USA gewesen sein. Diese beruhen auf der Einhaltung des Friedensvertrages mit Israel durch Ägypten. Diese Einhaltung haben die USA schlussendlich zu garantieren.

Die Hamas hat gegen Israel Raketen des Typ FAJR-5 eingesetzt. Dadurch wurden Ortschaften wie Tel Aviv, Holon, Jerusalem und das Kernkraftwerk Dimona unter Beschuss gesetzt. Die FAJR-5 weist gegenüber den Raketentypen Qassam, GRAD und FAJR-3, die noch 2008/9 durch die Hamas eingesetzt wurden, über die viel grössere Reichweite von 77 km auf. Die FAJR-5 wird durch einen Festbrennstoff angetrieben, ist damit jederzeit einsatzbereit und weist einen Gefechtskopf von 90 kg Sprengkraft auf. Die Flugzeit beträgt für die maximale Reichweite 112 Sekunden. Mit der FAJR-5 konnten aus dem Gaza-Streifen den für Israel wichtigen Korridor Jerusalem-Tel Aviv direkt bedroht werden.

Aufschlussreich ist aber, dass diese FAJR-5-Raketen iranischer Herkunft sind und dass die Hamas vermutlich über den Sudan und die Sinai-Halbinsel durch den Iran damit beliefert wurde. Mit dem Beschuss der wichtigsten Zentren Israels wollte Teheran vermutlich der israelischen Führung die unmittelbare Gefährdung seiner Zentren vor Augen führen. Dafür hat Teheran die Hamas, die ein Teil der islamischen Muslimbruderschaft ist, geopfert. Dagegen hat der Iran die libanesische Hizbollah, die über ein viel grösseres Arsenal an FAJR-5 im Libanon verfügen dürfte, vor einem Angriff auf Israel zurückgehalten. Unter keinen Umständen soll die Hizbollah auf dem Schachbrett des Mittleren Ostens leichtfertig geopfert werden. Diese Schachfigur ist für den Iran zu wertvoll. Das Raketenpotential der Hizbollah dient heute primär der Abschreckung eines Luftschlages durch die USA und durch Israel gegen den Iran. Erst bei der Ausführung eines amerikanischen Luftschlages, der vielleicht auch durch Israel unterstützt werden könnte, würde dieses Raketenpotential zum Einsatz gelangen. Im Augenblick dient den Iranern das Drohpotential der Raketen der Hizbollah als eine ihrer Trumpfkarten in ihrem Schachspiel.

Vielfach wird übersehen, dass das Schachspiel – Shah, der König – weitgehend durch die Perser entwickelt und verbreitet wurde. Noch heute gelten sie als ausgezeichnete Schachspieler. Warum die Hamas-Führung sich als Bauernopfer hingegeben hat, kann nur vermutet werden. Vielleicht waren es Grossmannssucht und Rachegefühle gegenüber Israel. Die Hamas-Führung stellt für die mit der indirekten Strategie vertrauten Perser im Mittleren Osten kein echter Partner dar. Die Zukunft wird aber zeigen, ob die Obama-Administration sich als ein ebenbürtiger Gegner für die Ayatollahs in Teheran erweisen wird.