Während in Syrien der Bürgerkrieg zwischen der „Freien Syrischen Armee“ und den Streitkräften von Assad tobt, erhöhen die Nachbarstaaten Saudi-Arabien, Katar und die Türkei in zunehmendem Masse den politischen und militärischen Druck auf das Regime. Während Saudi-Arabien und die Türkei ihre Streitkräfte an die syrische Grenze verlegen, liefert Katar mit der Zustimmung der USA Waffen und Munition an die syrische Opposition. Gleichzeitig unterstützt Katar die „Freie Syrische Armee“ mit Eliteeinheiten, die in Afghanistan von US-Instruktoren ausgebildet worden sind. Katar ist auch für die finanzielle Hilfeleistung zugunsten der Muslimbrüder in Syrien und in Ägypten zuständig.

Der Krieg gegen Syrien hat damit bereits begonnen. Das geostrategische Ziel der amerikanischen Machenschaften wird mit dem Sturz des Assad-Regimes noch nicht erreicht sein. Das wirkliche Ziel dürfte die Errichtung eines sunnitischen Staates in Syrien sein. Mit einem solchen Staat, der schiitenfeindlich sein wird, könnten die USA mit Hilfe ihrer türkischen und arabischen Klientel den Einfluss des schiitischen Irans im Persischen Golf zurückdrängen. Der Einfluss des Irans reicht nach dem Abzug der USA aus dem Irak vom westlichen Afghanistan bis in den Libanon hinein. Durch diese Zurückdämmung des Irans könnten die USA ihre Hegemonie im Persischen Golf mindestens indirekt aufrechterhalten. In einem weiteren Schritt, der allerdings erst nach den amerikanischen Präsidentenwahlen aktuell sein dürfte, wäre ein Luftangriff der USA auf die iranischen Nuklearanlagen denkbar. Die Macht des Irans wäre nach dem Luftschlag für eine gewisse Zeit zurückgedrängt und die amerikanische Klientel wäre vom iranischen Druck befreit. Wie hoch die Kosten des bereits ausgelösten Krieges sein werden, kümmert im Augenblick weder die Obama-Administration noch die Machthaber in Riad und Ankara. Mit Sicherheit werden die Christen des Orients, die bisher durch die Regimes von Assad und Mubarak geschützt wurden, den grössten Teil der Rechnung bezahlen. Ihre Vertreibung durch die Sunniten in Syrien ist bereits im Gange.

Der zweite Krieg wird erst vorbereitet. Die aufstrebende Wirtschaftsmacht China meldet seit ein paar Jahren machtpolitische Ansprüche auf das gesamte Südchinesische Meer an. Dazu gehört insbesondere der Besitz des Archipels der Spratley-Inseln, die auch von Vietnam, den Philippinen, Taiwan, Malaysia und Brunei beansprucht werden. China versucht diesen Machtanspruch u.a. durch die Verdrängung seiner Konkurrenten bei der Suche nach Erdöl zu erreichen. Mit der Ausbeutung der mutmasslichen Erdöl- und Erdgas-Vorkommen um und unter den Spratley-Inseln könnte die Volksrepublik ihre immer grösser werdende Abhängigkeit von Erdöl- und Erdgas-Einfuhren mindern. Mit der Herrschaft über das Südchinesische Meer wären die Machthaber in Beijing auch in der Lage, die Ausfahrt aus der Malakka-Strasse, das Nadelöhr für die Frachtschiffe von und nach China, zu kontrollieren und in Krisenzeit auch die Erdölzufuhr nach Japan und Südkorea zu unterbinden.

Die Vorstösse der chinesischen Seestreitkräfte in das Südchinesische Meer und die Hilferufe um Unterstützung durch ihre Alliierten im westlichen Pazifik haben die Seemacht USA alarmiert. Auf der Grundlage neuer sicherheitspolitischer Berichte der Obama-Administration, die zu Beginn dieses Jahres publiziert worden sind[1], werden die USA die Präsenz ihrer Seestreitkräfte im westlichen Pazifik massiv erhöhen. Für deren Einsatz ist in den USA auch eine neue operative Einsatzkonzeption, die „AirSea Battle“, erarbeitet worden. Gleichzeitig sind die USA bestrebt, neue Allianzen in dieser Region gegen China zu schmieden. So haben Japan und Südkorea zum ersten Mal einen verteidigungspolitischen Vertrag zur gegenseitigen Hilfe unterzeichnet. Gleichzeitig sind die USA daran, ihren Stützpunkt im australischen Port Darwin auszubauen und mehr Kriegsschiffe für den Küsteneinsatz nach Singapur zu verlegen. Der Aufbau eines neuen Allianzsystems durch die USA im westlichen Pazifik und die Verlagerung ihrer Seestreitkräfte in diesen Raum sind vorderhand nicht auf einen Krieg mit China ausgerichtet. Mit der amerikanischen Seemacht soll die Volksrepublik zum gegenwärtigen Zeitpunkt lediglich geostrategisch genötigt und damit zu politischen Konzessionen, wie dem Rückzug der chinesischen Seestreitkräfte auf die eigenen Küsten, gezwungen werden. Sollte diese geostrategische Nötigung allerdings scheitern, dann wäre ein begrenzter Schlagabtausch mit konventionellen Streitkräften im westlichen Pazifik nicht auszuschliessen.


[1] Department of Defense (January 2012). Sustaining U.S. Global Leadership: Priorities for 21st Century Defense, Washington DC.

Department of Defense (January 2012). Defense Budget Priorities and Choices. Washington DC.

Print Friendly, PDF & Email