Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erleben wir den gleichzeitigen Kollaps der Euro-Zone und der Arabischen Welt. Interessanterweise weisen die Ursachen dafür gewisse Gemeinsamkeiten auf. Bei der Errichtung der Euro-Zone wurden die unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Interessen der Mitgliedstaaten und der Zustand ihrer Volkswirtschaften von Beginn an vernachlässigt. Wegen dem politischen Ziel mit einer einheitlichen Währung Deutschland in das vereinigte Europa besser einbinden zu wollen, wurden die makroökonomischen Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten vernachlässigt. Mit der Zeit ist der Euro zunehmend zu jener Währung geworden, mit der Deutschland die wirtschaftliche Entwicklung der Zone bestimmen konnte. Teilweise als Ergebnis der Finanzkrise sind aber die volkswirtschaftlichen und finanzpolitischen Unterschiede, so insbesondere in den südeuropäischen Staaten, zu Tage getreten. Die südeuropäischen Staaten gelten heute als Bankrott. Die Sanierung dieser Staaten durch Hilfszahlungen des IWF und der EU, sowie der durch Deutschland diktierten Sparmassnahmen, treibt diese Staaten aber in die Rezession. Als Folge dieser Entwicklung ist es denkbar, dass zuerst Griechenland aus der Euro-Zone austreten wird. Möglicherweise werden später auch andere südeuropäische Staaten den Euro verlassen müssen. Die Zukunft der Gemeinschaftsprojekt Euro ist deshalb mit einem Fragezeichen zu versehen.

Was die Arabische Welt betrifft, so brechen nun, teilweise gefördert durch die weltweite Informationsmöglichkeiten die 1919 durch die Kolonialmächte Frankreich und Grossbritannien festgesetzten künstlichen Grenzen, die ohne Rücksicht auf die Grenzen der Stämme und der islamischen Sekten errichtet wurden, auf. Staaten wie Libyen, Jemen und Syrien atomisieren sich. Eine Entwicklung, die früher oder später auch auf Saudi-Arabien, Libanon und den Irak übergreifen dürfte. Nur jene Arabischen Staaten, die eine homogene Struktur aufweisen, wie Ägypten, Tunesien und Oman, dürften diesem Schicksal entgehen. Auch hier rächt sich nach beinahe einem Jahrhundert, dass die Kolonialmächte bei der Bildung der arabischen Konstrukte keine Rücksicht auf die unterschiedlichen Interessen der Stämme und islamischen Sekten genommen haben.

Während die beiden wichtigen geopolitischen Regionen – Europa und die Arabische Welt – zerbrechen, ist die Weltmacht USA, die bis anhin mit ihrer Hegemonialmacht für Stabilität in der Welt gesorgt hat, auf dem wirtschaftlichen und politischen Abstieg. Trotz der immer noch bestehenden militärischen Überlegenheit verlieren die USA ihre geopolitische Durchsetzungsfähigkeit. Die wichtigsten Ursachen dafür sind die Verschuldung der USA und der desolate Zustand ihrer Wirtschaft. In Überschätzung der eigenen Möglichkeiten haben die USA unter der Bush-Administration 1000de von Milliarden Dollars in zwei sinnlose Kriege verpufft, im Irak und in Afghanistan. Der Rückzug aus wichtigen Regionen der Welt, so Europa, dem Mittleren Osten und Zentralasien, ist im Gange.

Die Wunschvorstellung vieler Europäer, dass China in dieser Lage die Funktion der USA übernehmen könnte, ist eine Illusion. Abgesehen davon, dass auch China mit eigenen Problemen konfrontiert ist – Überalterung der Gesellschaft, fehlende soziale Vorsorge, ungenügende Versorgung mit eigenen Nahrungsmittel, fehlendes Trinkwasser, Luftverschmutzung, Unruhen unter der Minderheiten – werden die Oligarchen in Beijing in den nächsten Jahrzehnten ihre machtpolitischen Interessen auf Nordostasien und Südostasien richten und in keinem Fall die Machtstellung der USA übernehmen wollen.

Die Weltgemeinschaft wird sich damit abfinden müssen, dass jetzt der Zerfallsprozess einer Weltordnung eingetreten ist. Bis eine neue Weltordnung entstehen wird, wird viel Zeit vergehen. Phasen des Zerfalls hat es in der Menschheitsgeschichte immer gegeben, so nach dem Untergang von Westrom. Das Ergebnis eines Zerfalls war aber jeweils die Entstehung neuer Zivilisationen.

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