Im Januar 2012 haben Präsident Obama und das Pentagon in einem Bericht die Neuausrichtung der Geostrategie der USA auf den westlichen Pazifik verkündet:[1]

„…we will of necessity rebalance toward the Asia-Pacific region.“

In einem weiteren Bericht wurden die für diese Neuausrichtung notwendigen Seestreitkräfte hervorgehoben:[2]

„The focus on the Asia-Pacific region places a renewed emphasis on air and naval forces … Therefore we:

  • Maintained the aircraft carrier fleet at 11 ships and 10 air wings
  • Maintained the big-deck amphibious fleet.”

Gleichzeitig wollen die USA die Zusammenarbeit mit den Alliierten und Freunden im westlichen Pazifik, so mit Japan, mit den Philippinen, mit Vietnam und Australien, verstärken. Die Seemacht USA hat damit definitiv die Volksrepublik China zum neuen Hauptgegner deklariert. China würde mit seinem wachsenden Arsenal an See- und Luftstreitkräften in zunehmendem Masse maritime Ansprüche auf das Südchinesische Meer, das Ostchinesische Meer und das Gelbe Meer erheben und damit die Interessen der Alliierten und Freunde im westlichen Pazifik einschränken.

Nun hat China mit der Ankündigung seiner Aufrüstung für 2012 die Antwort auf die geostrategische Neuausrichtung der Seemacht USA bekanntgegeben. Gegenüber dem letzten Jahr sollen die von China offiziell veröffentlichten Militärausgaben um 11.2 Prozent erhöht werden.[3] Bereits 2011 wurden die Ausgaben im Vergleich zum vorangehenden Jahr um 12.7 Prozent erhöht. Die Militärausgaben 2012 sollen – nach offiziellen Angaben – 106.4 Milliarden Dollar betragen. In diesen Ausgaben sind, westlichen Experten gemäss, die Finanzierung der chinesischen Nuklearwaffen und andere ähnliche Waffensysteme nicht eingerechnet. Deshalb schätzen diese Experten die Militärausgaben Chinas um 50 Prozent höher ein. [4]

Die zusätzlichen Ausgaben dienen China offenbar der Finanzierung des neuen Stealth-tauglichen Kampfflugzeuges J-10, neuer nuklearangetriebener Angriffs-U-Boote und neuer Überwasserkriegsschiffe, ausgerüstet mit neuen Anti-Schiffs-Lenkwaffen. Gleichzeitig werden die Entwicklung von Flugzeugträgern und der Einsatz von Cyber-warfare betrieben.

Der Sprecher des nationalen Volkskongresses, Li Zhaoxing, hat auch auf die maritime Ausrichtung der Erhöhung der Militärausgaben hingewiesen:[5]

„You see, China has 1.3 billion people, a large territory and long coastline, but our defense spending is relatively low compared with other major countries.”

China dürfte mit neuen See- und Luftstreitkräften, die durch diese Erhöhung der Militärausgaben finanziert werden, die USA und ihre Alliierten von seinen angrenzenden Meeren verdrängen und seine territorialen Ansprüche, namentlich auf das Südchinesische Meer, durchsetzen wollen.

Interessanterweise hat vor kurzem der wiedergewählte Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, auch eine Steigerung der russischen Militärausgaben verkündet. Fast parallel zu diesen Ankündigungen aus Eurasien senken die Europäer aufgrund ihrer Finanznot die Militärausgaben.


[1] Department of Defence (January 2012). Sustaining U.S. Global Leadership: Priorities for 21st Century Defense. Washington DC, S. 2.

[2] Department of Defence (January 2012). Defense Budget Priorities and Choices. Washington, DC, S. 5.

[3] Page, J. (2012). China Tempers Military Increases, in: The Wallstreet Journal, March 4, 2012.

[4] Chinese military spending increases by 11.2% in latest budget. In: the guardian, 4 march 2012.

[5] Page, J. (2012).