Der libysche Diktator ist tot. Wie er ums Leben gekommen ist, steht aber noch nicht fest. Darüber kursieren bis jetzt Gerüchte und damit bestehen Unklarheiten über die Art und Weise seiner Tötung. Ist er durch einen NATO-Angriff aus der Luft umgekommen, oder wurde er dabei nur verletzt. Haben ihn Aufständische auf Befehl des Übergangsrates umgebracht? Warum wurde er, sofern ein Befehl vorlag, erschossen? Wurde er im Affekt oder aus reiner Rache von Aufständischen umgebracht? Es sind noch viele Fragen offen. Eine Überstellung von Ghaddafi an den Internationalen Gerichtshof in Den Haag oder die Aburteilung durch ein libysches Gericht hätte vermutlich Informationen und Klarheiten sowohl über das nationale wie auch das internationale Netzwerk von Ghaddafi gebracht. Wer hatte ihn bis anhin in  Libyen unterstützt und wo hatte er sein Geld gebunkert? Welche Staaten hatten ihm dabei geholfen? In welchem Verhältnis standen in der Vergangenheit die Machthaber Europas und der USA zu Ghaddafi? Wurden gar einzelne europäische Politiker für ihre Dienste zugunsten Ghaddafis bezahlt? Wie hatte er in den siebziger und achtziger Jahren sein internationales Terrornetz finanziert und geführt. In welchem Verhältnis standen beispielweise libanesische Milizenführer, wie Walid Djumblat, zu Ghaddafi? Warum haben Blair und Bush nach der Überstellung des libyschen Nuklearprogramms an die USA – ein Programm, das eigentlich unglaubwürdig war – den libyschen Diktator reingewaschen und ihm sogar seinen verbrecherischen Anschlag von Lockerbie verziehen?

Wurde Ghaddafi gar nach der Art der Mafia wie ein lästig gewordener Kumpan umgebracht? Die Ermordung wirkt zwiespältig und hat einen schalen Beigeschmack. Sicher ist, dass die USA und ihr Präsident Obama mit der Liquidierung von Osama bin Laden ein Exempel für die Liquidierung früherer Genossen und Helfer statuiert haben.