Wieder einmal ist in der Schweiz eine politische Auseinandersetzung um die Anschaffung von Flugzeugen entbrannt. Dies nicht zum ersten Mal – wir hoffen aber, zum letzten Mal. Erinnert sei an unzählige, teilweise unglücklich ausgegangene Beschaffungsvorhaben wie die abgebrochenen Eigenentwicklungen der Kampfflugzeuge N-20 und P-16, die verpolitisierte Beschaffung der Mirage-IIIS-Kampfflugzeuge, der Nullentscheid um das Kampfflugzeug Corsair A7 und die wohl geplante zweite Serie von F/A-18-Kampfflugzeugen, die aber nicht zustande kam. Leider finden diese Diskussionen ohne Vergleich mit anderen Staaten und deren Flugzeugbeschaffung statt. Nach der vor kurzem vollzogenen Evaluation werden jetzt der Schweiz drei Typen von Kampfflugzeugen angeboten: der schwedische Gripen, der französische Rafale und der in Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Grossbritannien, Spanien und Italien entwickelte Eurofighter. Diese drei Flugzeugtypen werden auch als Kampfflugzeuge der vierten Generation bezeichnet.

Um hier also den gebotenen Vergleich zu ziehen: Wie zeichnet sich die Zukunft von Kampfflugzeugen in jenem Staat ab, der seit 1945 Massstab für alle Luftstreitkräfte in der Welt ist – also in den USA? Die Weltmacht stellt schrittweise das Kampfflugzeug F-35 in Dienst und bietet es auch alliierten Staaten an. Dieses Stealth-Kampfflugzeug wird es in drei Ausführungen geben: der konventionell startende F-35A für die US Air Force und für den Export, der F-35C für den Flugzeugträgereinsatz der US Navy und der Royal Navy und der Senkrechtstarter F-35B für das US Marine Corps und die italienische Marine. Entsprechend den Ausführungen des ehemaligen US-Verteidigungsministers Gates könnte dies das letzte bemannte Kampfflugzeug sein, das die USA für ihre konventionellen Streitkräfte noch entwickeln wird. Warum eine solche Feststellung? Die Einsätze der CIA und der US Air Force gegen Taliban und Al-Kaida-Mitglieder in den pakistanischen Stammesgebieten weisen bereits auf die Zukunft der Luft-Boden-Kämpfe hin. Unbemannte Drohnen der Typen Predator und Reaper greifen die Gegner aus der Luft mit Hellfire-Lenkwaffen an. Predator-Drohnen sind durch die USA auch im Luftkrieg gegen Ghaddafi-Einheiten eingesetzt worden. Die Überwachung und Aufklärung im Libyen-Krieg leisteten US-Drohnen des Typ Global Hawk aus grosser Höhe. Welche Folgerungen können daraus abgeleitet werden? In spätestens 15 Jahren werden die USA für Luft-Boden- und Aufklärungseinsätze aus Kostengründen und wegen des Risikos für die Besatzungen mit Priorität unbemannte Drohnen verwenden. Gemäss einem Bericht in der International Herald Tribune vom 3. Oktober 2011 wird das Pentagon im nächsten Jahr für 5 Milliarden Dollar Drohnen des Typ Reaper beschaffen. Diese Ausgaben stellen einen Bruchteil der Ausgaben für die bisherige konventionelle Kriegsführung der USA dar. Bereits jetzt wird der Aufwand für die beiden Kriege in Afghanistan und Irak auf über 3700 Milliarden Dollar geschätzt.

Welche Folgerungen müssten aufgrund dieser Entwicklungen in der Schweiz gezogen werden? Im Sinne einer modernen Luftwaffe dürfte sich die Beschaffung moderner Drohnen für die Zukunft direkt aufdrängen. Drohnen könnten in 10 bis 15 Jahren die heute noch bestehenden Lücken in der Luftwaffe bezüglich Aufklärung und Erdkampfeinsätzen schliessen. Die dann noch verfügbaren 33 F/A-18 könnten wie bis anhin für den Luft-Luft-Einsatz verwendet werden. Bis zu diesem Zeitpunkt müssten aber Übergangslösungen gesucht werden.

Als erste Lösung wäre zu prüfen, ob die gemäss Military Balance 2011 des strategischen Institutes von London 54 noch vorhandenen Kampfflugzeuge F-5E/F nicht kampfwertgesteigert werden könnten. Gemäss der Aussage eines früheren Verteidigungsattachés der USA in Bern gehört die schweizerische Tiger-Flotte zu den am besten gewarteten F-5 Kampfflugzeugen der Welt. Eine solche Kampfwertsteigerung dürfte die günstigste Lösung sein und würde das Verteidigungsbudget nicht über Massen belasten. Eine zweite Lösung wäre die Beschaffung von gebrauchten F/A-18 Kampfflugzeugen. Kanada wird gemäss dem kanadischen Verteidigungsminister Mackay zwischen 2016-22 seine gesamte F/A-18 Flotte ausscheiden und durch F-35 ersetzen (Treffen des Ministers mit US-Verteidigungsminister Panetta am 30.09.11). Es handelt sich dabei um 77 Kampfflugzeuge verschiedener F/A-18 Varianten. Die dritte Lösung wäre die Beschaffung des billigsten von allen drei angebotenen Kampfflugzeugtypen, dem schwedischen Gripen. Dieser ist übrigens ein Mehrzweckkampfflugzeug, das sowohl für den Luft-Luft- und den Luft-Boden-Einsatz sowie für die Aufklärung einsetzbar ist.

Die gegenwärtige Diskussion um die Flugzeugbeschaffung darf nicht dazu führen, dass die Entwicklung unserer Luftwaffe auf einen falschen Weg gerät. Den Drohnen gehört im Luftkrieg die Zukunft erfolgreicher Strategie.