Seit 2004 setzen die CIA und die US Air Force zunehmend bewaffnete Drohnen der Typen Predator und Reaper gegen Führer der Al-Kaida, der afghanischen und pakistanischen Taliban, die sich insbesondere in den Stammesgebieten (tribal areas) Nord- und Süd-Waziristan Pakistans aufhalten, ein. Diese Drohnen werden an der afghanisch-pakistanischen Grenze von Angehörigen privater Sicherheitsfirmen bewaffnet, gestartet und durch Piloten und Operateure, die in den USA stationiert sind, zum Ziel gesteuert. Unterstützt werden die Operationen der bewaffneten Drohnen durch hochfliegende Drohnen des Typs Global Hawk, welche die entsprechenden Zieldaten liefern.

Die Drohne MQ-1 Predator (1), die ursprünglich nur der Aufklärung diente, wird für diese Einsätze mit zwei lasergelenkten Lenkwaffen AGM-114 Hellfire ausgerüstet. Diese Drohne weist eine Spannweite von 14.8 Metern auf, ist 8.22 Meter lang und hat eine Höhe von 2.1 Metern. Die Waffenladungskapazität beträgt 204 Kilogramm. Predator erreicht eine maximale Reichweite von 840.9 Kilometer, eine Dienstgipfelhöhe von 7’620 Metern und eine Höchstgeschwindigkeit von 217 Stundenkilometern (Reisegeschwindigkeit 130 Stundenkilometer). 1997 betrug der finanzielle Aufwand für vier Drohnen einschliesslich der Bodenstation und der Satellitenverbindung 30.5 Millionen Dollar. Bis vor kurzem verfügten die USA über insgesamt 110 Predators.

Die grössere Drohne MQ-9 Reaper (2) verfügt als Waffensystem über eine Kombination von lasergelenkten Lenkwaffen AGM-114 Hellfire, lasergelenkten Bomben GBU-12 Paveway II und satellitengelenkten Bomben GBU-38 JDAM. Diese Drohne weist eine Spannweite von 20.1 Metern auf, ist 11 Meter lang und 3.8 Meter hoch. Die Waffenladungskapazität beträgt 1.7 Tonnen. Die Drohne Reaper erreicht eine maximale Reichweite von 1852 Kilometern, eine Dienstgipfelhöhe von 15’240 Metern und hat eine Reisegeschwindigkeit von 370.4 Stundenkilometern. 2006 kosteten vier Drohnen und die Sensoren 53.5 Millionen Dollar. Bis vor kurzem verfügten die USA über 47 Reaper.

Am 13. März 2011 (3) wurden durch Predators oder auch Reapers der CIA gegen einen Häuserkomplex (Qalas) in der Ortschaft Spagla (Miramsha) in Nord-Waziristan sechs Lenkwaffen abgefeuert. Nach Angaben der CIA wurden dadurch sechs Militante getötet und fünf weitere Militante verwundet:

“„US drones fired six missiles targeting a militant vehicle and a nearby rebel compound owned by a Tehreek-e-Taliban Pakistan (Movement of the Taliban in Pakistan) leader, Rahimullah, killing six militants,” a senior Pakistani security official told the news agency.”

Seit Dezember 2009 wurde dieses Dorf dreimal von Drohnen des Typs Predators angegriffen. Das vorletzte Mal war es am 21. Februar 2011. Gemäss Angaben der USA wurden dabei neun Militante getötet. Die Analyse des zerstörten Häuserkomplexes lässt aber erkennen, dass dadurch vermutlich auch Zivilisten getötet worden sind. Selbst mit den hochentwickelten Sensoren der Drohnen dürfte es nicht möglich sein, zu erkennen, ob sich in einer Qala nur Militante aufhielten.

Der bisherige Verlauf der Einsätze macht deutlich, dass unter der Bush-Administration nur wenige Drohneneinsätze gegen die tribal areas erfolgten, so 2005 nur deren fünf. Bereits 2008 erfolgte eine Steigerung auf 35 Einsätze. Die Obama-Administration steigerte 2009 die Zahl der Einsätze wiederum auf 53 und 2010 auf 117 (4). Die Steigerung der Einsätze dürfte die Folge der Counterterrorism-Strategy von Vizepräsident Biden und der CIA sein. Gemäss US-Angaben sind von 2006 bis heute 1’828 Chefs und Mitläufer der Taliban, der Al-Kaida und anderer extremistischen Gruppen durch Drohneneinsätze gegen die tribal areas getötet worden. Lediglich 29 Zivilisten sollen dabei umgekommen sein (5). – Wie erwähnt, handelt es sich dabei um Angaben aus den USA.

In den letzten zwei Jahren wurden vor allem Ziele in Nord- und Süd-Waziristan angegriffen. So erfolgten 2010 zu 89 Prozent der Angriffe auf Nord-Waziristan und zu 6 Prozent auf Süd-Waziristan (6). Eine Analyse der Angriffe zeigt auf, dass als Zielpersonen vor allem pakistanische Taliban angegriffen und getötet worden sind. Afghanische Taliban wurden nur in geringem Masse angegriffen. Zwischen 2004 und 2011 erfolgten gegen folgende Zielgruppen bzw. Zielpersonen in den tribal areas Angriffe:

  • das Netzwerk von Haqqani (afghanische Taliban): 56 Angriffe
  • die Gruppe von Hafiz Gul Bahadar (pakistanische Taliban): 70 Angriffe
  • die Mehsud-Gruppe (pakistanische Taliban): 29 Angriffe
  • die Gruppe von Mullah Nazir (pakistanische Taliban): 29 Angriffe
  • Abu Kasha al Iraqi-Gruppe (Al-Kaida?): 35 Angriffe
  • die Gruppe von Gulbuddin Hekmatyar: 2 Angriffe
  • weitere Gruppen: 13 Angriffe

Von den 234 Drohnen-Angriffen innerhalb dieses Zeitraums waren lediglich 58 Angriffe gegen Stützpunkte der afghanischen Taliban und 35 Angriffe gegen die Al-Kaida gerichtet. Die überwiegende Zahl der Angriffe zielte auf Verstecke und Stützpunkte der pakistanischen Taliban. Demzufolge haben die USA seit 2008 den ursprünglich auf Afghanistan begrenzten Krieg auf Pakistan ausgeweitet. Dieser Krieg ist grundsätzlich als Krieg der USA gegen die pakistanischen tribal areas zu bezeichnen. Die Zahl der getöteten Militanten zwischen 2004 und 2011 bestätigt im Übrigen diese Aussage. So gehörten die in diesem Zeitraum getöteten sogenannten Führer den folgenden Gruppen an (7):

  • Haqqani-Netzwerk: 10
  • Mullah Nazir-Gruppe: 6
  • Hafiz Gul Bahadar-Gruppe: 6
  • Mehsud-Gruppe: 7
  • Abu Kasha al Iraqi-Gruppe: 9
  • Gulbuddin Hekmatyar-Gruppe: 1
  • Rest: 4

Folglich gehörten zu den in diesem Zeitraum durch die Drohneneinsätze ausgeschalteten 43 Personen lediglich 11 afghanische Taliban-Funktionäre und 9 Al-Kaida-Chefs. Die übrigen 23 waren Pakistani (pakistanische Taliban oder andere Gruppen). Dieses Ergebnis kann wie folgt beurteilt werden: Entweder sind die Drohneneinsätze, was den Krieg gegen die afghanischen Taliban betrifft, ineffizient oder die Welt wird bezüglich der amerikanischen Kriegsziele belogen. Bei diesem Drohnenkrieg handelt es sich um einen Krieg gegen die pakistanischen Taliban, der evtl. zugunsten der pakistanischen Armee geführt wird.

Dass die USA den Drohnenkrieg selbst als sehr effizient beurteilen, kann entsprechend der Beschaffungsplanung der US Air Force für die Fiskaljahre 2011 und 2012 abgeleitet werden. Im Fiskaljahr 2011 wurden 36 neue Drohnen des Typs Reaper beschafft und im Fiskaljahr 2012 werden es deren 48 sein (8). Der Drohnenkrieg der USA wird weitergehen – vermutlich in anderen Regionen der Welt und deshalb mit anderen Kriegszielen.

 

(1) www.af.mil/information/factsheets/factsheet.asp
(2) www.af.mil/information/factsheets/factsheet.asp
(3) www.longwarjournal.org/archives/2011/03/us_predators_strike_19.php
(4) www.longwarjournal.org/pakistan-strikes.php
(5) www.longwarjournal.org/pakistan-strikes.php
(6) www.longwarjournal.org/pakistan-strikes.php
(7) www.longwarjournal.org/pakistan-strikes.php
(8) United States Air Force FY 2012 Budget Overview. SAF/FMB, February 2011, p. 5.