Präsident Obama hat dem Einsatz von zwei bewaffneten Drohnen des Typs Pedrator über Libyen zugestimmt. Dank dem 24-stündigen Einsatz dieser beiden Drohnen soll einerseits die Nachrichtenlage bezüglich Libyens verbessert werden. Anderseits sollen die Pickups und die Panzer der Söldner von Ghaddafi, die sich vor allem innerhalb der Stadt Misrata versteckt halten, aufgespürt und vernichtet werden. Offenbar ist bereits zu Ostern durch eine dieser beiden Drohnen ein Mehrfachraketenwerfer des Typs Grad (122mm, Reichweite 20.5 km) von Ghaddafis Armee, mit dem Zivilisten in Misrata beschossen wurden, ausgeschaltet worden. Anschliessend ist offenbar ein weiterer Einsatz erfolgt.

Drohnen, nach amerikanischer Bezeichnung Unmanned Aircraft System, des Typs Pedrator wurden bis anhin vor allem gegen afghanische und pakistanische Taliban-Führer im Stammesgebiet Nord-Waziristan eingesetzt. Gemäss amerikanischen Angaben sollen diese Einsätze zu beeindruckenden Ergebnissen geführt haben. Eine Drohne des Typs MQ-1 Predator weist eine Spannweite von 14.8 Metern, eine Länge von 8.22 Metern und eine Höhe von 2.1 Metern auf. Das Leergewicht beträgt 512 Kilogramm. Diese Drohnen weisen folgende Leistungen auf: Geschwindigkeit 129.64 Stundenkilometer, Reichweite 840.8 Kilometer und Dienstgipfelhöhe 7620 Meter. An Waffen hat dieser Drohnentyp zwei lasergelenkte AGM-114 Hellfire-Lenkwaffen. Die Mannschaft besteht aus einem Piloten und einem Operator. Diese beiden steuern die Drohne fern. Die ursprünglichen Kosten pro Einheit (vier Flugzeuge, eine Kontrollstation und eine Satellitenverbindung) betrugen 30.5 Millionen Dollar (Kaufkraft 1996).

Über Nord-Waziristan ist eine noch grössere Drohne im Einsatz, die MQ-9 Reaper. Diese weist nicht nur grössere Dimensionen auf – Spannweite 20.1 Meter, Länge 11 Meter, Höhe 3.8 Meter – sie fliegt auch schneller, 370.4 Stundenkilometer, hat mit 1852 Kilometern auch die grössere Einsatzreichweite und erreicht eine Dienstgipfelhöhe von 15’240 Metern. Die Drohne Reaper weist ein beeindruckendes Waffenarsenal von lasergelenkten AGM-114 Hellfire-Lenkwaffen, GBU-12 Paveway-Bomben sowie GBU-38 Joint Direct Attack Munitions (GPS-gelenkte Bomben) auf. Die Kosten pro Einheit betrugen ursprünglich 53.5 Millionen Dollar (4 Flugzeuge, Kaufkraft 2006).

Nachdem Präsident Obama die gegen Bodenziele sehr wirkungsvollen Kampfflugzeuge A-10C Thunderbolt II und AC-130 Spectre der USA viel zu früh aus dem libyschen Krieg abgezogen und damit die Wirkung der gesamten Luftoperation der NATO beinahe in Frage gestellt hat, ist von ihm nun die richtige Entscheidung in die richtige Richtung erfolgt. Allerdings kann dieser Schritt erst als ein Neuanfang des Luftkrieges über Libyen beurteilt werden. Es müssen noch mehr amerikanische Drohnen ins libysche Kriegstheater verlegt werden. Zu begrüssen wäre es, wenn auch Drohnen des Typs Reaper eingesetzt würden.

Grundsätzlich gilt, dass bewaffnete Drohnen, und damit Kampfdrohnen, die Zukunft des Luftkrieges bestimmen werden. Bemannte Kampfflugzeuge werden in 10 bis 20 Jahren der Vergangenheit angehören und höchstens noch an die Ritter der Lüfte des Ersten Weltkrieges erinnern. Nur Investitionen in die Zukunft und damit in Drohnen sind lohnenswert.