Die Katastrophe in Japan lässt die Welt vergessen, dass im Augenblick eine zweite Katastrophe existiert, der Krieg des Diktators Ghaddafi gegen das libysche Volk. Noch vor 2 Wochen galt die Armee von Ghaddafi als ein unorganisierter Haufen, der sich als unfähig erwies gegen die Aufständischen vorzugehen. Plötzlich ist diese Armee aber nun in der Lage Offensiven mit grosser Präzision und Brutalität gegen die Städte der Aufständischen zu führen. Während noch zu Beginn des Krieges die libysche Luftwaffe unkoordiniert bombardierte, bombardiert die gleiche Luftwaffe jetzt mit grosser Genauigkeit die gegnerischen Stützpunkte. Die Armee von Ghaddafi treibt jetzt die Aufständischen regelrecht vor sich her nach Osten. Diese plötzliche, bis anhin nicht bestehende militärische Fähigkeit zur grossräumigen Operationen, macht jeden Beobachter stutzig. Sofort wird man an frühere Feldzüge von Söldnerfirmen erinnert, so an jene der früheren südafrikanischen Söldnerfirma Executive Outcomes (EO), die 1993 mit eigenen Kampfflugzeugen, Kampfhelikoptern und Panzern die angolanische Regierung gegen die Rebellenorganisation UNITA unterstützte und diese vernichtete. Die Chefs von EO wurden reichlich belohnt, da die angolanische Regierung von da an ungehindert die Erdöl- und Diamantenfelder von Angola kontrollierte.

Wenn nun Ghaddafi eine Söldnerfirma für seinen Krieg engagiert hat, stellt sich die Frage um welche es sich handeln könnte? Gemäss dem französischen Journalisten Thierry Meyssan ist dies die israelische Söldnerfirma Global CST. Diese soll in der Vergangenheit einige Kriegsverbrechen, so in Conakry, der Hauptstadt von Guinea, begangen haben. Die Firma steht offenbar unter der Leitung des pensionierten israelischen Generalmajors Israel Ziv, der offenbar an der Operation gegen den Libanon von 2006 beteiligt war. Die Operation, die jetzt in Libyen umgesetzt wird, soll teilweise eine Kopie der israelischen Operation „Gegossenes Blei“ sein. Diese Operation hat die israelische Armee vom 27. Dezember 2008 bis 18. Januar 2009 gegen den Gaza-Streifen umgesetzt. Dabei erfolgten massive Kollateralschäden unter der Bevölkerung und der zivilen Infrastruktur von Gaza. Die israelische Armee zerstörte markierte Spitäler und UN-Gebäude und setzte Phosphormunition ein. Ob die Ausführungen und Behauptungen von Thierry Meyssan zutreffen, lassen sich von hier aus nicht überprüfen.

Was nun die dem UN-Sicherheitsrat unterbreitete No-Flight-Zone betrifft, so wird diese durch die beiden NATO-Mitglieder Türkei und Deutschland offenbar abgelehnt. Offensichtlich gibt es gewisse Staaten, die gegenüber diesem Konflikt eine merkwürdige Neutralität einhalten. Warum dies angesichts der Kriegsverbrechen von Ghaddafi der Fall ist, kann nicht nachvollzogen werden. Erhoffen sich gewisse Staaten und Kreise einen Sieg von Ghaddafi? Nach seinem Sieg wäre Ghaddafi in der internationalen Gemeinschaft ein Paria, der allerdings leicht zu manipulieren wäre. Gleichzeitig wäre die arabische Welt wieder einmal gedemütigt worden und gleichzeitig wären die dem Westen zugeneigten Despoten gerettet.