Das Mubarak-Regime ist aus der ägyptischen Armee hervorgegangen und beruht immer noch auf der Loyalität der Armee. Ist diese Loyalität nicht mehr gegeben, dann ist die Existenz von Mubarak und seiner Cronies und Mignons nicht mehr gesichert. Das Regime würde beseitigt werden. In einem solchen Fall müssten die Mubaraks und die anderen Oligarchen mit der Enteignung ihrer Vermögen rechnen.

Wie steht es aber mit der Loyalität der Armee heute? Entscheidend für die Sicherheit Ägyptens ist das Heer mit einem mutmasslichen Bestand von 340’000 Soldaten und Offizieren. Dabei weist das Heer zu zwei Dritteln Wehrpflichtige auf. Die ägyptische Armee, so vor allem das Heer, besteht aus drei Klassen. Zu oberst sind die aktiven und pensionierten Generäle, wie der Verteidigungsminister und Feldmarschall Mohamed Tantawi und der Generalstabschef, Generalleutnant Sami Annan. Diese Offiziere gehören zum Regime und sind als echte Hofschranzen zu bezeichnen. Sie sind in der Vergangenheit durch Mubarak mit Auszeichnungen, Geld und Privilegien verwöhnt worden. Ihre Ausbildung haben sie vielfach in den USA erfahren und nach ihrer Pensionierung haben sie in der Regel weitere Pöstchen erhalten, wie zum Beispiel die Aufsicht über ein Unternehmen, das den Streitkräften gehört. Um die Effizienz und den Zustand der Armee haben sich diese Herrschaften nie gross gekümmert.

Unterhalb dieser Hofschranzen stehen die gewöhnlichen Offiziere, vom Subalternoffizier bis zum Oberst. Diese Offiziersklasse hat Mubarak bewusst hinangesetzt und in Schach gehalten. Er hat sie nie in den inneren Kreis seines Herrschaftssystems einbezogen. Sie genossen in der Regel auch keine Privilegien und durften auch keine Zusatzausbildung in den USA erhalten. Wie die Geschichte Ägyptens beweist, dürfte diese Offiziersklasse bestrebt sein an der Macht zu partizipieren. In gewissen Zeiten sind diese Offiziere auch durchaus bereit das bestehende Regime zu beseitigen. Dies könnte heute für das Mubarak-Regime zutreffen. Dazu kommt noch, dass diese Offiziere, wie auch der grösste Teil der ägyptischen Bevölkerung vor allem dem Islam zugeneigt sind.

Zuunterst stehen die einfachen Soldaten. Das Heer besteht wie erwähnt zu zwei Dritteln aus Wehrpflichtigen, die wie die Berufssoldaten, aus den ärmsten Schichten des Landes rekrutiert worden sind. Traditionell stellen die Soldaten den Gehorsam gegenüber ihren unmittelbaren Offizieren nicht in Frage. Im Falle eines Putsches werden sie mit Sicherheit den Befehlen ihrer Offiziere gehorchen.

Dauern nun die Unruhen noch länger an, dann müsste damit gerechnet werden, dass die Armee, so vor allem das Heer, unter der Führung der Offiziersschicht der Obersten putschen und das Mubarak-Regime beseitigen könnte. Welche Konsequenzen hätte ein solcher Putsch für Ägypten? Ersten würden die Putschisten mit grosser Wahrscheinlichkeit die Scharia als islamisches Rechtssystem in Ägypten einführen. Zweitens dürften diese Offiziere die Beziehungen zu Israel überdenken und womöglich sogar in Frage stellen. Für Israel hätte dies zur Folge, dass seine Grenze zu Ägypten nicht mehr wie in den vergangenen Jahrzehnten sicher wäre.

Die Folgerung aus diesem Szenario ist offensichtlich. Nur die sofortige Abdankung von Mubarak, die schnelle Beseitigung seines Regimes und der Übergang zu einem halbwegs funktionierenden demokratischen Ägypten könnte eine solche Entwicklung verhindern oder mindestens aufhalten.

Siehe auch: Friedman, George. Egypt, Israel and a Strategic Reconsideration. STRATFOR, Feb 8, 2011.

Print Friendly, PDF & Email